Über Stefan Dietz

Stefan Dietz ist Unternehmer, Redner und Arbeitswelt-Gestalter. Er ist Autor des Sachbuchs "Glücksfall Fachkräftemangel" (Campus-Verlag, 2020). In Vorträgen sensibilisiert er für die Zukunft der Arbeit und begleitet mit seinem Team Unternehmen auf dem Weg zum großartigen Arbeitgeber. Unterstützung in Arbeitgeberstrategie, Führung, Personalentwicklung sowie Sparringspartner der Unternehmer und Geschäftsführung.

07 Können wir Zukunft vorhersehen? Interview mit Dr. Pero Micic

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Annahmen über die Zukunft muss jeder treffen, der ein Unternehmen führt. Nur wie? Von welchen Trends können wir ausgehen? Was ist heute schon erkennbar? Wie stellen wir uns auf wahrscheinliche Entwicklungen in Technologie, Gesellschaft und Arbeitswelt ein? Diese Fragen bespreche ich mit einem der renommiertesten Zukunftsexperten. Dr. Pero Micic ist Gründer und Vorstand der Future Management Group AG, Autor mehrerer Bücher und berät zu Zukunftsmärkten und Zukunftsstrategien.

Die Themen:

  • Können wir die Zukunft vorhersehen? Wie sich Zukunftsmanagement versteht.
  • Wie Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Automatisierung die Arbeitswelt verändern.
  • Was bleibt noch für uns Menschen? Eine kritische Frage und ermutigende Antworten.
  • Was Menschen für die Zukunft lernen sollten – als Beruf, persönlich und wir gemeinsam als Gesellschaft
  • Warum Unternehmen eine klare Mission als ordnendes Element benötigen
  • Wie Führungskräfte Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen

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Podcastfolge #7

Können wir Zukunft vorhersehen?

Interview mit Dr. Pero Micic

Eine der wichtigsten Fragen für potentielle Mitarbeiter ist: Hat Ihr Unternehmen eine glänzende Zukunft? Und dafür muss man wissen, wie die Welt sich entwickeln wird und wie man sich darauf richtig einstellt. Dazu führe ich ein sehr umfassendes Interview mit einem der renommiertesten Experten für Zukunfts-Management in Deutschland.

Stefan Dietz: Ich freue mich, heute hier in Walluf zu Gast zu sein. Die Frage „Wohin entwickelt sich unsere Welt und unsere Arbeitswelt?“ beschäftigt mich natürlich sehr. Und ich freue mich, heute mit einem Mann sprechen zu können, der sich, glaube ich, mit dem Thema Zukunft auskennt wie kaum ein zweiter. Ich freue mich, zu Gast zu sein bei Dr. Pero Mićić. Pero, du bist Vorstand und Gründer der Future Management Group und das Thema Zukunft beschäftigt dich schon ganz lange. Kann man die Zukunft voraussehen?

Pero Mićić: Nein, und das will eigentlich auch keiner. Wenn man die Zukunft voraussehen könnte, wäre die Bedingung dafür, dass man nichts mehr daran ändern kann. Keiner. Und dann wäre das Leben praktisch nur noch zu Ende zu leben für alle. Und das will niemand. Deshalb ist es gut, dass man die Zukunft nicht voraussehen kann.

Stefan Dietz: Ziemlich coole Aussage, das kann ich sofort unterschreiben. Sehr gut. Und du legst auch Wert darauf, dass Du kein Zukunftsforscher bist, das Thema ist eher Zukunftsmanagement. Was ist der Unterschied?

Pero Mićić: Was mich immer fasziniert hat, ist, wie Menschen in Unternehmen – und Unternehmen in einem breiteren Sinne, also auch in einer Klinik, in einer Stadt oder in einer Schule – wie Menschen in Organisationen die Zukunft denken und wie sie sie in Strategien verarbeiten. Das hat mich immer fasziniert. Meine zweite Faszination ist, Zukunftsentwicklungen zu sehen, abzusehen, was da so kommen könnte, was bleibt, und was auch verschwindet. Die Kombination ist das, was mich fasziniert. Also diese Brücke aus der Welt der Zukunftsforschung in das praktische Management, in die praktische Führung. Das ist meine Faszination. Was wir machen, ist, dass wir Zukunftsforschungsergebnisse, also von vielen Experten und Halbexperten einkaufen bzw. recherchieren. Wir nutzen das als Rohmaterial, so wie der Schreiner das Holz kauft, um daraus ein Werk zu machen. Und unser Werk ist dann die Strategie des Unternehmens, unseres Klienten.

Stefan Dietz: Sehr spannend. Sehr schön. Ich muss es direkt hier einspielen, weil wir beide uns vor – das dürfte wahrscheinlich fast 30 Jahre her sein – kennengelernt haben. Ich weiß, dass ich damals schon sehr beeindruckt war. Der junge Mann, der da mit mir im gleichen Seminar war, hat in seiner Diplomarbeit das Thema Zukunftsmanagement damals schon als Begriff gehabt. Das hat mich persönlich auch sehr interessiert. Und ich hatte damals auch schon den Eindruck, da brennt jemand total für das Thema. Du scheinst es ja auch weiterhin zu sein, da du dein ganzes bisheriges Berufsleben dem Thema gewidmet hast. Dann lass uns  einsteigen. Jetzt gibt’s da natürlich ganz viele Entwicklungen. Wenn man jetzt schaut: Wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt? Dann hat das natürlich auch viel mit Technologie zu tun. Da werden wir später sicher tiefer einsteigen. Aber die ganz platte erste Frage ist ja die, dass viele Menschen sich fragen: Werden uns Maschinen, künstliche Intelligenz, Roboter die Arbeit wegnehmen? Haben wir in ein paar Jahren gar keine Arbeit mehr oder wird es eher im Gegenteil ganz neue geben? Wenn man da allgemein draufschaut, wenn du trotzdem in die Zukunft schaust, wovon gehst du aus? Werden wir mehr oder weniger oder nur ganz andere Arbeit haben?

Pero Mićić: Das ist natürlich eine sehr große Frage. Ich habe das mal in kleine Thesen zerteilt. Solange Menschen Probleme haben und solange Menschen Wünsche haben, wird uns die Arbeit nicht ausgehen. Es werden stellenweise mal die Arbeitgeber ausgehen, aber uns wird die Arbeit nicht ausgehen. Das heißt, wir müssen grundsätzlich über die Frage nachdenken, was denn Arbeit ist und ob Erwerbsarbeit, wie wir sie heute kennen – die eigentlich erst seit der industriellen Revolution in dieser Masse vorhanden ist – ob das das einzige ist, wie wir Arbeit denken können oder ob es andere Wege gibt, es zu tun, nämlich möglicherweise Einkommen zu erzielen, ohne dass man direkt dafür arbeitet und das mehr Menschen zu ermöglichen, als das heute der Fall ist. Also die Arbeit wird uns nicht ausgehen.

Werden wir neue Berufe entwickeln? Es gibt da verschiedene Thesen. Die einen sagen die Hälfte, die anderen sagen, zwei Drittel der heutigen Schüler werden in Berufen arbeiten, die wir heute noch nicht kennen oder so noch nicht kennen. These drei: Das, was Menschen brauchen und kaufen, ändert sich nicht. Also wir wollen Musik genießen und haben uns vor 30 Jahren, als wir uns kennengelernt haben, gerade über die CDs gefreut und die MC’s langsam weggeräumt und die Vinylplatten. Dann gab’s zwischendurch die MP3. Dann haben wir uns gefreut, dass wir 1 000 Songs in der Tasche hatten als MP3 und dann irgendwann 10.000. Und jetzt mieten wir uns die Musik zum Hören. Also wir abonnieren einen Streaming-Service. Das, was wir aber kaufen, nämlich Musikgenuss, bleibt exakt gleich. Wir kaufen uns Autos, damit wir von A nach B kommen, aber auch um uns darüber irgendwie auszudrücken. Wer Dacia fährt, der macht nur A nach B Transport. Das Auto hat ganz bewusst keinen Image-Anspruch. Es ist aber schön, gut designt, funktioniert. Man zahlt genau das, was man braucht, um von A nach B zu kommen. Und jeder, der keinen Dacia fährt, zahlt für etwas anderes. Also die Wirkungen sind konstant und wenn wir nach etwas suchen, was in dieser zukünftigen Wirtschaftswelt konstant ist, dann nenne ich das die emotionale Wirkung, die man kauft.

Werden uns Maschinen die Arbeit wegnehmen? Ich formuliere das mal positiver. Wir werden mehr Aufgaben an Maschinen, an intelligente Maschinen – also das ist immer mehr Software als Hardware – delegieren können, von ihr erledigen lassen können. Darüber wird es ganz viele Funktionen in einzelnen Berufen geben. Also wenn ich sage, ein Job besteht aus ganz vielen Funktionen, dann werden einzelne Funktionen davon entweder entlastet oder deutlich produktiver gemacht. Und so ändern sich natürlich schon die Jobs. Und wenn man das in der Summe betrachtet, dann gibt es von dem einen oder anderen Job weniger Arbeitsplätze klassischer Art, weil weniger Menschen mehr erreichen können. Produktivität steigt und wenn Produktivität steigt, steigt normalerweise der Wohlstand.

Stefan Dietz: Und wenn er dann richtig verteilt ist, sind ja eigentlich alle auch wieder versorgt.

Pero Mićić: Genau. Und werden wir überhaupt noch gebraucht werden? Ja, noch ganz lange. Die ganze Entwicklung hin zu künstlicher Intelligenz, läuft eigentlich auch schon seit fast 70 Jahren. Und jetzt erst verstehen wir, begreifen wir, was geht und was möglich ist. Wir werden diese Entwicklung hin zu künstlicher Intelligenz und Robotik eher langfristig gesehen begrüßen. Heute ist es uns unheimlich. Ganz viele Menschen haben Angst davor. Das ist normal, das war schon immer so. Wir kennen die Beispiele aus früheren Zeiten, wo wir uns gefürchtet haben vor dem Zug, der schneller als vierzig Stundenkilometer fährt.

Stefan Dietz: Genau. Aber das ist ja tatsächlich das, was ich so beobachte. Es gibt einen Teil der Menschen, die sehr offen sind für einen technologischen Wandel und das auch sehr offen angeben, möglicherweise in anderen Ecken der Welt, auch offensiver, als wir das in Deutschland tun. Und es gibt unglaublich viele Bedenken und ein Sich-nicht-wirklich-damit-auseinandersetzen. Ich bin kürzlich auf eine interessante Kurve gestoßen, die wirklich zeigt; Früher hat man lange warten müssen, bis eine Technologie etwas kann, was lange versprochen war und inzwischen ist es so, dass die Technologie so viel schneller ist, dass wir Menschen nicht mehr hinterher kommen. Ist das eine Beobachtung, die du teilst?

Pero Mićić: Beides stimmt. Die Technologien – gerade zumindest die digitalen Technologien – entwickeln sich deutlich schneller als früher und heute ist fast alles digital. Also ob ich nun die Energieerzeugung mit Photovoltaik nehme, Genomsequenzierung, das ist alles digitalisiert, weil es mit digitalen Werkzeugen schneller gemacht wird. Und das wächst exponentiell in der Leistungsfähigkeit, nimmt drastisch viel schneller zu, als wir das jemals lernen könnten. Und wir sind schlicht lineare Wesen. An uns ist so gut wie nichts exponentiell, außer wenn wir mal eine Viruserkrankung haben. Aber das ist nicht das, was unser Leben bestimmt. Wir denken linear und wir entwickeln uns linear. Und Evolution ist so langsam, dass sie praktisch keine Rolle spielt für unsere Fähigkeit da mitzukommen. Das heißt, wir werden wieder selbst Werkzeuge nutzen wollen und müssen, um mit diesem Wandel mitzukommen. Also: Ja, es geht schneller, als wir das können. Und deshalb verspüren wir ja diese Herausforderung. Deshalb ist ja Digitalisierung, obwohl seit Jahrzehnten eben in der Entwicklung, jetzt in den letzten Jahren so ein großes Thema geworden. Jetzt sind plötzlich alle aufgeschreckt, weil alles das, was man uns früher versprochen hat, jetzt funktioniert.

Stefan Dietz: Wenn wir da mal konkreter reinschauen. Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Trends und Entwicklungen in der Technologie mit den größten Auswirkungen auf die Arbeitswelt?

Pero Mićić: Ich habe zwei Thesen, die eigentlich das meiste erklären. Alles, was der Mensch kognitiv kann, kann die künstliche Intelligenz heute schon oder bald besser. Und wenn ich sage „Künstliche Intelligenz“, dann meine ich alle 12 Unterdisziplinen davon. Also immer dann, wenn es darum geht, menschliche kognitive Fähigkeit nachzubilden und auch dann zu übertreffen. Also alles, was der Mensch kognitiv kann.

Zweite These: Alles was der Mensch physisch kann, kann der Roboter heute schon oder bald besser. Und damit haben wir zwei Hauptgebiete unserer Fähigkeiten, die abgedeckt sind. Die kann man jetzt noch unterteilen. Was kann denn der Mensch kognitiv? Wahrnehmen. Er kann erkennen, er kann lernen. Er oder sie kann wissen weitergeben, beraten, lehren. Kann kommunizieren, kann entscheiden, kann kreieren – und handeln natürlich. Also kognitiv handeln. Und wenn wir das alles zusammennehmen, dann haben wir praktisch das gesamte Spektrum der menschlichen Fähigkeiten abgedeckt. Und überall wirkt KI im weiteren Sinne.

Stefan Dietz: Wenn ich da jetzt mit dir gehe – und ich kann es gut nachvollziehen – hast du ja ganz, ganz viele heutige Jobs, die dann im Grunde eine Existenzberechtigung verlieren. Also wir haben schon mal gesprochen über LKW-Fahrer bei wirklich autonomen Nutzfahrzeugen. Wenn das gesetzlich entsprechend geregelt ist, fallen da unglaublich viele Jobs weg oder sie müssen was ganz anderes machen, während sie sich von A nach B bewegen. Mich beschäftigt immer wieder auch das Verwaltungshandeln, wo ganz viele im Prinzip zwar intellektuell mit einem gewissen Anspruch versehene, aber letztlich auch automatisierbare Tätigkeiten da sind. Wo man sagen könnte: Das kann alles irgendwann komplett automatisiert sein und kein Mensch muss mehr irgendwelche Papiere, Belege, geregelte Abläufe bewerten und beurteilen. Und dann kriegen viele Menschen glaube ich, durchaus eine gewisse Panik, weil das, was sie heute im Arbeitsleben tun, irgendwann schlichtweg nicht mehr notwendig sein wird.

Pero Mićić: Für diese Berufe stimmt das. Also es gibt eine Entwicklung hin zum autonomen Fahrzeug, Level 5: Ohne Lenkrad und ohne Pedale. Das gilt auch für den LKW. Das ist eigentlich nur eine Frage des Zeithorizonts. Also wenn man nicht in Frage stellt, dass das überhaupt funktioniert – was ich nicht tue, weil ich glaube zu wissen, dass es funktioniert – dann ist es nur die Frage, ob wir in 15 oder 20 Jahren die beispielsweise in den USA arbeitenden 3 Millionen LKW-Fahrer noch haben werden oder nicht. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern das entwickelt sich nach und nach.

Und es gibt bei allem, was wir besprechen, zwei große G´s als Faktoren, die das Ganze verlangsamen. Das eine G ist Gewohnheit und das zweite G sind Gesetze. Die Gewohnheiten sind im Prinzip die Grundlage für unsere Gesetze. Also wir gießen unsere Gewohnheiten in Rechtsnormen und versuchen festzuhalten, wie es war und zu regeln und zu regulieren. Und da sind wir tatsächlich – das ist keine Geschichte – in Deutschland, in Mitteleuropa, in Frankreich nicht viel anders, immer sehr ängstlich und sehr vorsichtig. Und immer muss alles so bleiben, wie es ist. Das wir diesen Prozess langsam machen. Also um ein Beispiel zu nennen: Ein Tesla kann in den USA über 60 Meter über den Parkplatz heute schon herbeigerufen werden. Das nennt sich Smart Summon. Also ich habe mein Handy in der Hand, mein Auto steht irgendwo auf dem Parkplatz, es regnet und ich rufe das Auto zu mir und es sucht sich den Weg und beachtet Hindernisse, beachtet Fußgänger, andere Autos und stellt sich vor mich. Macht im Zweifelsfall noch die Tür auf. In Deutschland und der EU muss ich höchstens sechs Meter von diesem Fahrzeug entfernt sein, sodass das Ganze witzlos ist. Dann kann ich auch hingehen. Eine Einschränkung gegenüber den USA, eigentlich gegenüber praktisch der ganzen anderen Welt. Auch in China sind sie ja etwas progressiver. Zweite Einschränkung: Der Grad, eine Kurve ist in der EU eingeschränkt, den ein Tesla autonom heute fahren kann. Und diese Haltung werden wir wahrscheinlich nicht so schnell ändern. Es muss immer alles ganz vorsichtig sein.

Stefan Dietz: Aber es ist keine technologische Begrenzung, sondern es ist eine gesetzliche Begrenzung. Im Grunde ist die Technologie schon da, die ist im Grunde schon eingebaut, nur nicht freigeschaltet.

Pero Mićić: Ja, bevor es eine gesetzliche Begrenzung ist, ist es eine Begrenzung der Gewohnheiten. Und die wiederum sind ein Ausdruck eines kulturellen kollektiven Bewusstseins oder einer Art von Überzeugung, dass Technologie Folgen hat – das Wort Technologie-Folgenabschätzung ist ja nicht umsonst ein deutsches.

Stefan Dietz: Das gibt’s möglicherweise auch nicht in allen anderen Sprachen. Also wenn wir nochmal auf einer grundsätzlichen Ebene bleiben. Ich persönlich weiß, dass mich schon vor ganz vielen Jahren diese Vision fasziniert hat: Wenn wir irgendwann so weit sind, dass alles das, was wir zum Leben brauchen, produziert werden kann in letztlich vollautomatisierten Prozessen. Dann wäre das ja eine wunderschöne Vision für die Menschheit, wenn es gelingt, dass jeder an dem erzeugten Wohlstand auch in einer fairen Weise partizipiert, dann muss man nicht mehr arbeiten und ist versorgt und hat im Prinzip seine Zeit wirklich frei zum Leben. Also wäre ja eigentlich eine großartige Vision und das, was wir gerade besprochen haben, zeigt ja, dass wahrscheinlich ganz, ganz viele Tätigkeiten, die notwendig sind, um so die Welt am Laufen zu halten, um Güter zu produzieren, um das normale Leben zu organisieren, eigentlich automatisierbar wären.

Gibt es Dinge, wo du sagst, die sind letztlich nicht technologisch leistbar, die werden immer auch Menschen brauchen? Von den Berufen, die heute da sind. Und zweite Frage: Wo entstehen dann auch neue Dinge? Das ist natürlich glaube ich nochmal spannender als immer auf dieser Panik-Seite zu sehen: Dass was ihr heute macht, ist in 5 Jahren obsolet.

Pero Mićić: Auch wieder eine große Frage. Was bleibt dem Menschen? Es bleiben dem Menschen alle Aufgaben, die – und jetzt mal grundsätzlich gesprochen – soziale Interaktion erfordern. Mit Menschen natürlich. Also die direkte Schnittstelle zum Menschen sind. Jede Form von Beratung, jede Form von Coaching, jede Form von Therapie, Unterstützung, usw. Die zusätzlich in einem komplexen Feld sind. Komplex heißt, da gibt’s Überraschungen. Ich kann nicht genau den Prozess bestimmen, wie es läuft, sondern es gibt ganz viele komplexe Dinge, die da passieren können. Und zusammen ist es dann auch etwas anderes als ein autonomes Fahrzeug. Das ist auch komplex, aber es erfordert nicht so sehr emotionale Berücksichtigung oder die Berücksichtigung der Emotionen anderer. Also soziale Interaktion, komplexes Arbeitsfeld. Das ist dann wiederum eine Moderation eines Events im Gespräch mit einem Menschen über seine/ ihre Präferenzen, Hintergründe, Probleme usw.

Dritte Voraussetzung: für die es eine relativ lange oder intensive Ausbildung braucht. Und vierte Voraussetzung: die Menschen erfordern, die in der Lage sind, IT-Werkzeuge professionell einzusetzen. Diese vier Voraussetzungen: Professioneller Einsatz von IT-Werkzeugen, einigermaßen lange Ausbildung – das ist nicht die Länge, sondern eben die Komplexität, die Erfahrungen, die man aufbauen muss – die Komplexität des Arbeitsfeldes  und die soziale Interaktion mit Menschen natürlich. Die bleiben, die das haben. Die fallen weg, die das nicht haben. Ja, wer sagt das denn, dass die wegfallen? Wir können die ja auch einfach behalten. Es zwingt uns ja niemand dazu.

Stefan Dietz: Da kämen wir wieder zu diesen Verlangsamungsprozessen, die sicherlich auch laufen, die werden sicher manche Dinge deutlich länger erhalten als sie nötig wären. Aber trotzdem es ist ja eine Frage der Zeit, bis sich das durchsetzt.

Pero Mićić: Richtig. Und dann ist die Frage: Was kommen für Berufe? Also im Prinzip ganz viele Bindestrich-Funktionen. Wenn man fragt, was muss man denn heute lernen? Was muss man denn heute studieren? Dann wäre meine primäre Empfehlung: Lerne, ein exzellenter Mensch zu werden. Warum? Weil die Maschine niemals ein Mensch werden wird, zumindest nicht in unserem Betrachtungshorizont. Ich sag jetzt nicht, dass es in 100 oder 200 Jahren nicht so perfekt nachgebildet ist, dass wir das kaum noch unterscheiden können. Dann haben wir eben den Data von Star Trek und zwar mit gesunder Hautfarbe. Lerne ein exzellenter Mensch zu sein, weil dann bist du praktisch gegen die Maschine stark und auch nicht substituierbar. Wir sprechen jetzt nur mal im wirtschaftlichen Zusammenhang. Natürlich gibt es für alles ethische Grenzen. Natürlich gibt es für alles Grenzen darin, welchen Wert ein Mensch hat – außerhalb seiner Arbeitsleistung. Das ist ja gerade diese neue Frage, die wir uns stellen müssen und Antworten finden müssen, was Arbeit ist. Lerne exzellent als Mensch zu sein, das heißt, lerne dich selbst zu führen. Wir alle kennen das, wir machen uns immer nur gute Vorsätze fürs neue Jahr. Wir erreichen sie aber größtenteils nicht. Wir entwickeln gute Visionen, gute Strategien, wir wissen eigentlich, was richtig wäre im Sinne der Nachhaltigkeit, also sowohl ökologisch, ökonomisch wie auch sozial. Und trotzdem handeln wir anders. Wir verschulden uns ohne Ende. Wir überfischen die Meere. Wir handeln nicht so, wie wir eigentlich logisch handeln müssten.

Also lernen, ein exzellenter Mensch zu sein, sowohl emotional als auch rational. Und sorge dafür, dass du technische Kompetenz hast. Und dabei ist es egal, was für eine. Es muss nicht immer IT sein. Also ob das jetzt nun Bioinformatik ist oder ob das eine Ausbildung im Building Information Modeling ist, also diese neue Art Gebäude zu planen, das ist dann gleich. Sorge dafür, dass du technisches Verständnis hast – das ist natürlich IT-geprägt – und finde dich damit ab, dass das, was du darüber weißt, in wenigen Jahren schon vollkommen obsolet ist.

Stefan Dietz: Also es geht so in verschiedene Richtungen. Ich muss da nochmal einhaken, weil dein Aspekt „werde ein exzellenter Mensch“ das ist ja nun etwas sehr Persönliches auf der einen Seite. Auf der anderen Seite nehme ich aber auch den Trend wahr, dass Technologie und Software uns auch steuert und auch Verhalten trainiert. Es gibt Entwicklungen, dass soziale Medien durchaus sehr, sehr weitgehend schon voraussagen können: Was tue ich möglicherweise als nächstes? Bis hin zum Stichwort Soziales Management und Bewertungssystem, was ja dann letzten Endes eine Systematik schafft, die möglicherweise menschliches Verhalten viel besser steuern kann, als wir es selber tun – was ethisch sicher höchst fragwürdig ist. Aber was tun wir heute nicht schon alles, um irgendwo Punkte zu sammeln? Und wenn man das, was dann in China als Sozial-Managementsystem läuft, sich betrachtet, stelle ich mir schon die Frage: Werden wir als Menschen auf einer ganz langfristigen Sicht wirklich selbstgesteuert agieren? Oder werden wir nach einem irgendwie entwickelten Algorithmus alle versuchen, richtig schön nach System zu funktionieren und bestmögliche Punktzahl zu kriegen?

Pero Mićić: Dann haben wir großen Fehler gemacht, wenn wir das zulassen. Also es gibt da einen Grad, den wir nicht überschreiten sollten. Das eine ist, es ist schon so, dass es einer Gesellschaft helfen würde, wenn wir uns gemeinsam darauf einigen, dass wir uns alle selbst zu manchen Dingen zwingen. Das haben wir gemacht, indem wir eine Anschnallpflicht eingeführt haben. Mittlerweile regt sich darüber niemand mehr auf. Alle machen es. Man ist täglich in seiner Freiheit eingeschränkt, weil man sich anschnallen muss und muss sogar Strafen zahlen, wenn man das nicht tut. Und kriegt Punkte.

Stefan Dietz: Falschrum Punkte.

Pero Mićić: Ja genau. Und alle machen es. Warum hat man das gemacht? Weil ganz eindeutig – heute zumindest ganz eindeutig – eingesehen wird: Es ist schlicht besser, es rettet Leben und damit belastet es eben auch nicht für Krankheitskosten usw. bzw. Unfallkosten, die gesellschaftliche Kasse. Als das aber versucht wurde, gab es unzählige Debatten darüber, ob man den Menschen in seiner Freiheit beschneiden kann und so weiter. Zweites Beispiel. Wir haben jetzt in Deutschland gerade wieder entschieden, dass wir die Menschen anbetteln, Organspender zu werden. Immer wieder werden sie gefragt und man muss das alles organisieren. Einen Riesenaufwand treiben. Und die Argumente, die ich da immer höre, sind beispielsweise: Das hat ethische Gründe. Man kann den Menschen nicht zwingen. Das hat religiöse Gründe, möglicherweise. Das beschneidet die Freiheit des Menschen usw. Und dann frage ich zurück: Das ist schon richtig. Es gibt ja Länder, die haben das andersherum gemacht. Das ist schon richtig. Das sind Länder, die sind anders. Da sind die Menschen anders drauf. Die sehen anders aus. Die hören andere Musik, die sprechen ganz anders. Österreich zum Beispiel. Die haben das so gemacht, dass sie den Standard umgekehrt haben. Also man ist ab Geburt Organspender. Und wenn man hier Organspender werden will, muss man sich ja so einen Ausweis runterladen, ausfüllen, ins Portemonnaie tun. Dazu sind ganz viele Menschen irgendwie nicht fähig. Sie sagen zu 80 Prozent „Wir wollen Organspender sein.“ Weniger als 40 Prozent haben tatsächlich einen Ausweis. Was muss man in Österreich tun, um Nicht-Organspender zu sein? Sich etwas runterladen, ausfüllen bzw. sich einfach registrieren lassen in der Datenbank. Erstmal sind in Österreich fast 98 Prozent der Menschen Organspender. Da gibt’s noch so eine Widerspruchslösung der Verwandten. Und es sind 90 Prozent im Effekt. Tausende Menschen leiden weniger, tausende Menschen sterben weniger und trotzdem wollen wir das nicht so. Das gehört zu dem Beispiel, wo ich glaube, dass wir uns alle kollektiv zu vernünftigerem Verhalten zwingen sollten, weil der Mensch eben so nicht ist. Wenn wir aber zulassen, dass wir an ein höheres maschinelles Wesen unsere Freiheit delegieren, dann haben wir einen ganz dicken Fehler gemacht.

Stefan Dietz: Das ist jetzt natürlich eine sehr philosophische Ebene, aber ich finde, die ist auch enorm wichtig, wenn man die Diskussion so verfolgt. Meine Wahrnehmung ist, dass viele Menschen, die über Themen wie Digitalisierung und diese Veränderungsprozesse diskutieren, auf einer Ebene eines rückwärtsgewandten Verteidigens sind. Schimpfen auf Dinge, dass die Jugendlichen heute alle mit Smartphones unterwegs sind. Das sind so Diskussionen, die mir zeigen, die Leute haben sich überhaupt nicht damit auseinandergesetzt, was da eigentlich passiert. Also eigentlich überhaupt nicht relevante Fragen. Die großen relevanten Fragen: Wie sichern wir unsere Freiheit? Wie sichert man, dass durch die Inhaber von technologischem Know-how am Ende kein Machtmissbrauch entsteht? Ist das wirklich so eine gesellschaftliche Stärke, die in der Lage ist, das freie Spiel der Kräfte in der Wirtschaft zu steuern? Dass man da zu Lösungen kommt, die dauerhaft wirklich eine menschliche Freiheit gewährleisten, das ist glaube ich etwas, was mich persönlich – wenn ich ein positives Bild habe, wie das gelingen kann, mit voller Energie – im Grunde pro Wandel und pro Fortschritt Dinge vorantreiben lässt. Wenn man das Gefühl hat, wir laufen da sehenden Auges in eine Situation, die am Ende von einem Konzern abhängt, der Dinge steuern kann, der nicht legitimiert ist, der nicht kontrolliert werden kann, dann darf man einfach nicht immer weiter da reingehen. Und das ist für mich so die Frage: Hast du eine Vision oder Gründe zu glauben, dass wir das als Menschheit schaffen?

Pero Mićić: Zumindest eine höhere Wahrscheinlichkeit dafür zu sehen, ja. Was mich da zuversichtlich macht: Immer wenn wir solche Probleme empfinden – und das sind ja große Probleme oder Herausforderungen, Stress, Angst, Furcht – dann ist das für jemanden eine Grundlage für ein neues Produkt, für eine neue Lösung, für eine Möglichkeit, uns diese Angst zu nehmen oder sie zu reduzieren. Wir haben nach 500 Jahren mit doppelter Buchführung jetzt eine neue Art von Buchführung. Die nennt man distributed letters – diese verteilten Konten-Bücher, bekannt als Blockchains. Und damit könnten wir sicherstellen, dass beispielsweise meine Gesundheitsdaten nur von mir betreut werden und nur für mich zugänglich sind. Ich kann meinem Pneumologen meine Daten über meine Lunge freigeben für eine Woche, meinem Hals-Nasen-Ohrenarzt kann ich die Daten freigeben für die Dauer des Besuchs. Meiner Hausärztin kann ich die Daten dauerhaft freigeben und kann es auch alles wieder wegnehmen. Dazu muss ich fähig sein, sowas zu machen.

Es wird den Menschen ja immer leichter gemacht, Technik zu nutzen. Also Spracheingabe, Sprachverständnis schon Windows und Mac OS sind deutlich leichter als DOS früher. Auch wenn viel darauf geschimpft wird. Das heißt die Technik wird immer menschlicher, wenn man so will, weil sie mehr kann was der Mensch kann. Und der Mensch wird immer technischer und das zusammen macht es der Welt leichter und macht es uns leichter damit umzugehen. Setzt aber voraus, dass man eine positive Vorstellung davon hat. Also wir kennen das ja aus unserer Arbeit. Wenn man Menschen beobachtet, man konfrontiert sie, lädt sie ein – positiv gesprochen – zu einer neuen Strategie zu einer neuen Vision. Dann sehen wir, dass Menschen Veränderungen hassen. Wir sehen, dass Menschen sogar Innovation hassen. Und jetzt muss man das ein bisschen präziser sagen. Sie hassen Innovation, wenn die Idee von jemand anderem kommt. Wenn es aber die eigene Idee ist, dann liebt man Innovation. Dann treibt man das gerne voran und ist total begeistert. Aber wenn es die Idee von einem anderen ist, dann ist es Change. Und da muss man angereizt werden. Und dann muss man gelockt werden und Koalitionen der Willigen bilden. Und so weiter und so fort. Das, was der eigentliche Faktor ist, der fehlt, ist die Vorstellungskraft und auch die Lust des normalen Menschen, das Leben darüber und mit solchen Werkzeugen zu verbessern. Die Haltung ist eher: Ich habe mich jetzt gewöhnt an meine Arbeit. Ich bin bereit, mit einem ganz langsamen Weiterentwickeln dieser Prozesse mich zurechtzufinden. Ich mache diese Arbeit ja doch überwiegend auch nur, damit ich Geld habe, um zu leben. Und in dieser Haltung ist es vollkommen nachvollziehbar und selbstverständlich, dass man überhaupt keine Lust hat auf Digitalisierung und überhaupt gar keine Lust hat auf künstliche Intelligenz und auf Steuerung am Ende noch durch andere. Ich hatte einen Mitarbeiter, da war nur vereinbart, dass wir in einem Aufgaben-Managementsystem, in einem agilen Aufgaben-Managementsystem arbeiten. Und wenn sich da eine Aufgabe verändert, kriegt er eine E-Mail. Alles haben nur Menschen gemacht. Es war nur eine Information. Für den war die Vorstellung: Oh Gott, da steuert mich eine Maschine, ich will es nicht. Das ist, wenn man so will, der Engpass bei der ganzen Entwicklung.

Stefan Dietz: Also wenn es gelingt, dass da ein positives Bild mit einhergeht, dann kriegt man ja auch eine Veränderung hin. Da gucken wir sicherlich später nochmal rein. Was ich gerne nochmal mit dir beleuchten würde, wenn wir es nochmal eine Ecke weiter ins Konkretere ziehen, in wichtige Arbeitsbereiche. Dass Du vielleicht nochmal skizziert, was sich da aus deiner Sicht in den üblichen Arbeitsfeldern ändern würde. Da redet man natürlich viel über Industrie 4.0 in der Produktion. Und wenn wir jetzt zum Beispiel mal in den Bankenbereich, in den Finanzbereich reingehen, der immer noch ein sehr großer Bereich ist, wo ich noch so in Erinnerung hab, dass viele Menschen sagen (ich befürchte, dass das heute immer noch Eltern ihren Kindern sagen): Mach was im Bankenbereich, da hast du einen sicheren Job. Was ja längst nicht mehr so ist. Wenn man da mal reinschaut, kannst du da jeweils so ein paar Impulse geben, was du glaubst, wie sich das verändern wird. Wie wird sich auch die Menge an Jobs, die es da gibt, verändern? Wenn man so in den Finanzbereich guckt, habe ich manchmal den Eindruck, da wird ganz, ganz vieles über moderne Fintechs organisiert und ganz viele der Menschen, die heute in Banken beschäftigt sind, werden den Job einfach verlieren, weil man den nicht mehr braucht.

Pero Mićić: Das ist so. Wenn man sich Banken und Versicherungen anschaut als ähnliche Organisationen, dann ist der weitaus größte Teil der Menschen dort beschäftigt und bezahlt für Arbeiten, die eine künstliche Intelligenz im Allgemeinen gesprochen, zusammen mit beispielsweise Blockchain-Technologie, drastisch viel schneller und drastisch viel weniger fehlerunanfällig machen kann. Diese Massenverwaltungs-Jobs, um die würde ich mir am meisten Sorgen machen. Das, was von einer Bank bleibt, ist, bezeichnenderweise das, was früher einmal eine Bank im Überwiegenden war – nämlich persönliches Gespräch, persönliche Betreuung. Diese Nahtstelle bleibt und ein Teil dieser administrativen Prozesse. Die müssen natürlich betreut werden, müssen eingeschaltet werden, ausgeschaltet werden, optimiert werden. Da werden schon noch Menschen arbeiten. Aber die Vertragsprüfung beispielsweise, da gibt es eine Versicherung in den USA, die hat, wenn ich mich recht entsinne, 300 000 Arbeitsstunden ersetzt durch ein System, das für diese gleiche Arbeit wenige Minuten braucht. Und wenn das geht, wird man das tun. Es sei denn, wir schränken das gesetzlich ein, was sicherlich uns nicht gut tun wird – langfristig gesehen. Aber ein großer Teil dieser Wertschöpfung, die heute als Wertschöpfung gesehen wird, ist nicht wirklich Wertschöpfung, weil sie keinen Wert addiert, weil es Maschinen besser machen können. Und um die würde ich mir am meisten Sorgen machen, weil wir die Menschen dort zu Fertigkeiten ausgebildet hat, die man dann nicht mehr braucht – also auch in anderen Branchen nicht.

Stefan Dietz: Ganz nah da dran ist das Thema Verwaltung. Das System, das du gerade beschrieben hast zu Daten, das erinnert mich sehr an das, was ich in Estland kennengelernt habe, dass quasi der Staat ein Daten-System entwickelt hat, mit dem jeder mit seinem eigenen Smartphone einstellen kann und sehen kann: Wer kann auf meine Daten zugreifen? Da ist die Verwaltung digital, schon jahrelang. Man wählt digital.

Pero Mićić: Man heiratet digital.

Stefan Dietz: Da muss man glaube ich sogar noch aufs Amt. Also ich glaube beim Heiraten, beim Grundstück kaufen muss man aufs Amt, aber man kann ja sogar eine virtuelle Staatsbürgerschaft annehmen. Oder wir könnten jetzt zusammen eine Firma gründen und wären morgen in Estland handlungsfähig. Ich war sehr, sehr beeindruckt und begeistert und gleichzeitig bin ich immer wieder schockiert. In Deutschland ist man dann schon stolz, wenn man ein Formular online runterladen kann, kann es ausdrucken und wieder hinschicken. Also ich sehe da einfach Welten dazwischen und dieses ganze Thema Verwaltungs-Jobs, wenn die nicht institutionell und gesetzlich geschützt wären, wären das doch auch Bereiche, die zu ganz großen Anteilen komplett automatisiert würden und verschwinden könnten.

Pero Mićić: Also die hab ich jetzt inkludiert in meine Geschichte vorhin. Das ist das Gleiche. Also wer sich ein bisschen umhört, hat den Begriff der dunklen Fabrik schon mal gehört. Die dunkle Fabrik. Warum ist die Fabrik dunkel? Weil die Roboter kein Licht brauchen. Und wir müssen uns nach und nach an das dunkle Büro gewöhnen. Warum ist das Büro dunkel? Weil die KI kein Licht braucht. Es gibt einen Begriff, den man in den USA im Silicon Valley geprägt hat. Decentralized Autonomous Organization, die dezentralisierte autonome Organisation DAU. Und das ist im Prinzip ein Unternehmen, das Menschen nicht braucht. Im Prinzip gar nicht. In unseren Rechtssystemen werden wir das weiter so machen, dass wir jemanden haben, der verantwortlich ist, dem das Ding gehört oder denen das Ding gehört. Idealerweise könnten sich ja die 500 Mitarbeiter einer solchen Organisation, die heute da sind, könnten ja die Vision entwickeln: Wir bauen jetzt dieses Unternehmen so, dass es uns allen gehört. Und wir automatisieren so, dass wir am Tage jeder noch so im Durchschnitt eine halbe Stunde nachgucken müssen. Ansonsten verdienen wir das Gleiche. Wenn wir vorpreschen, sind wir sogar Marktführer. Dann verdienen wir mehr als die anderen und können uns 23,5 Stunden am Tag um unsere privaten Dinge kümmern. Das wäre eine tolle Vision. Macht natürlich keiner, weil a) die Eigentümerschaft so schwer zu organisieren ist, wenn man nicht geradezu zusammen gründet – das wird der Weg sein, den viele gehen – und weil man b) die Lust nicht darauf hat, sich so zu entwickeln in der Masse der Zeitgenossen.

Stefan Dietz: Auch ein ganz spannender Punkt zur Arbeitsorganisation, weil es für mich genau eine These ist: Wenn wir diesen scheinbaren Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit – der ja auch gesetzlich im Grunde stark in unserem System verankert ist – auflöst, und man zu genau solchen Modellen kommt, dass viele Menschen Miteigentümer an dem wertschöpfenden Organismus Unternehmen sind, dann verliert das alles ja seinen Schrecken. Dann sind nicht viele plötzlich arbeitslos, sondern sind arbeitslos im Sinne von wohlhabend und müssen gar nicht arbeiten und gewinnen unglaublich viel Freiheit. Siehst du denn solche Ansätze schon, dass sich da auch Innovationen entwickeln in der Form, wie man Eigentum an Unternehmen anders organisiert?

Pero Mićić: Es gibt solche Ansätze, das sind überwiegend kleine Unternehmen. Noch. Wir können uns ja mal einen Zeitsprung gönnen in die Zukunft. Es könnte eine Welt geben, in der, wenn wir mal die Volkswirtschaft nehmen – eigentlich darf man gar nicht mit Volkswirtschaft denken, aber stellen wir es uns vor aus Vereinfachungsgründen – alle Deutschen beteiligt sind an den Unternehmen, in denen sie arbeiten und an anderen Unternehmen. Könnte man leicht über einen Aktienmarkt organisieren.

Stefan Dietz: Geht eigentlich ja heute schon, traut sich nur keiner ran.

Pero Mićić: Genau. Dann könnte es in diesem Land ja auch die Vorstellung geben, dass die Antwort auf die Frage: Wer generiert denn eigentlich Werte? Dass man da ausschließlich bei den Unternehmen landet, weil die Behörden generieren nicht Werte, es sei denn, sie arbeiten wie Unternehmen. Der Staat generiert nicht Werte, es sei denn, er wird dafür bezahlt, dass er manche Dienste leistet. Und das ist natürlich auch politische Führung. Es sind also immer private und oder öffentliche Unternehmen. Und dass sind praktisch – man könnte im Englischen sagen – The Engines of prosperity – die Maschinen, die Generatoren des Wohlstands. Und wenn wir dann die Angst eliminieren könnten: „Oh Gott, am Aktienmarkt geht es hoch und runter“. Selbstverständlich. Das tut es aber auch für den norwegischen Staatsfonds. Das ist ein reiches Land. Nicht nur deshalb, weil sie Öl haben und davon profitieren, sondern das ist ein reiches Land auch deshalb, weil sie die Altersvorsorge, die Zukunftsvorsorge ihrer Bürger sehr konservativ, sehr weise in Unternehmen investieren, nämlich in Aktien. Was haben wir hier gemacht? Wir haben das Ganze gebaut auf ein Geldsystem. 1957 haben wir auch abgeschafft, dass jeder für sich spart und dann tatsächlich einen Kapitalstock hat. Wir haben dieses „von-der-Hand-in-den-Mund-System“ dann eingeführt, unter der Annahme, dass die Menschen immer Kinder kriegen und haben das im Prinzip ruiniert. Also es ist nicht so, dass es eine ferne Utopie ist. In Norwegen beispielsweise entwickelt sich davon schon ein bisschen was. Und wenn wir glauben, wir sind so innovativ und so gut, dann müssten wir das tun, was in Norwegen getan wird in der Altersvorsorge. Wir müssten das tun, was in Estland gemacht wird, in der Digitalisierung. Die Dinge sind ja da. Wir können praktisch Zeitreisen machen, wenn wir nach Estland reisen. Wir machen eine Zeitreise, wenn wir nach Norwegen reisen. Alles sind zukünftige Konzepte. Und den Menschen da geht’s ja nicht schlecht. Denen geht es ja gut.

Stefan Dietz: Und es ist ja damit schon auf einem relativ großen Niveau gezeigt, dass es möglich ist. Das ist ja das, finde ich, auch immer wieder Spannende. Wo man gerade beim Reisen unglaublich viele Dinge erlebt und spürt: Das ist jetzt keine Utopie von jemandem, der mal ein bisschen geforscht hat, sondern das ist ja wirklich vor 30 Jahren eingefädelt worden in weiser Voraussicht. Jetzt ist etwas schon zu sehen und es wird demonstriert, dass es geht.

Pero Mićić: Richtig. Und wie kann ich da reagieren als Einzelner? Ich kann nun sagen, ich hoffe, dass das in Deutschland sich entwickelt. Also Deutschland immer stellvertretend für alle anderen. Die, die hier ähnlich drauf sind. Ich kann jetzt drauf hoffen und das werde ich wahrscheinlich noch in 30-40 Jahren tun. Irgendwann ist das Leben zu Ende und ich habe gehofft. Ich kann die Initiative ergreifen, kann mich politisch engagieren, darauf hinwirken. Das wäre schon mal besser. Ich kann aber auf jeden Fall in meinem Lebensumfeld die Dinge, die ich wirklich entweder ändern kann oder zumindest beeinflussen kann, darauf hinwirken, dass ich genau das tue. Man kann sehr konservativ in Unternehmen investieren. Man kann sich auch als Person, als Mensch dahin bringen, sich vorzunehmen: Ich möchte, egal wie alt ich bin, auf einen guten Stand kommen, in ICT Technik, in Informations- und Kommunikationstechnik. Und das machen ja manche Leute auch noch mit 70 und 80, die stellen sich jetzt vor: Ich hab jetzt noch nie einen Computer verwendet, jetzt schaffe ich mir einen an und manche schaffen das ja auch. Also dafür ist es ja nie zu spät. Das kann ich für mich alles machen. Ich kann sagen – den Anspruch habe ich an mich – ich möchte mir von niemandem Jungen vormachen lassen wie ICT funktioniert. Ich brauche nicht TikTok, aber ich möchte vorne ganz vorne dran sein. Und zwar in den Fähigkeiten, nicht nur im Wissen.

Stefan Dietz: Ich habe so einen Punkt, wo ich nochmal hinleuchten will und ich komme aber gleich auch nochmal auf dieses Verhaltens-Thema zu sprechen, weil mir das persönlich auch sehr, sehr wichtig ist. Aber was ich nicht versäumen will: Du hast vorhin die Maschine beschrieben, die Wohlstand erzeugt, die wäre dann komplett ohne Menschen. Wir erleben ja auch einen dramatischen Wandel in der Art wie gearbeitet wird. Also gerade Dinge, die irgendwo mit Dienstleistung, mit Information zu tun haben, gehen ja im Grunde komplett orts- und zeitunabhängig. Trotzdem ist es immer noch so, dass ein remote-geführtes Unternehmen in Deutschland immer noch ziemlich außergewöhnlich ist. Obwohl es in anderen Ländern auch schon sehr normal ist. Diese Art, wie wir zusammenarbeiten in Unternehmen – wenn du da mal drauf guckst und da denke ich, müssen wir deutlich weiter als mehr Homeoffice und mehr Remote Arbeit kommen. Wie siehst du das denn? Wie wird in 10 Jahren in 15 Jahren ein Unternehmen organisiert sein? Gibt’s da noch Büros? Was wird sich da verändern?

Pero Mićić: Man muss das mit diesem dunklen Office natürlich relativieren. Das sind dann Arbeiten, die wir dann nicht mehr tun werden. Also in einem wachsenden Maße – das wird auch noch lange dauern. Wie gesagt: Gewohnheiten und Gesetze. Aber all die neuen Aufgaben, die entstehen, all die neuen Berufe, die entstehen. Die Maschinenstürmer Anfang des 19. Jahrhunderts, konnten sich auch nicht vorstellen, welche neuen Berufe es geben wird. Deshalb haben sie sich ja aufgelehnt – und zu Recht aus damaliger Sicht. Und wir können uns die morgigen Berufe so schwer vorstellen. Aber es sind letztlich ja wieder Weiterentwicklungen. Deshalb sage ich: Was der Mensch kauft, bleibt immer das Gleiche. Weiterentwicklungen der heutigen Jobs plus den Faktor mehr Nutzen für den Kunden, Klienten, Mandanten, Patienten. Plus den Faktor mehr Einsatz von Technologie, besserem Einsatz von Technologie. Ich brauche das Selbstverständnis, dass ich in meinem Beruf Profi sein will. Nicht nur ein exzellenter Mensch, eben auch ein exzellenter Profi und exzellente Profis haben sich schon immer der wirksamsten Werkzeuge bedient. Nicht zwingend immer der neuesten, aber der wirksamsten. Und mit dieser Haltung gibt’s natürlich ganz viele neue Berufe. Es ist nicht so, dass wir alle nicht mehr arbeiten. Ein Prinzip ist: Wir sagen die Ideen, die wir heute zu agiler Arbeit haben, die Ideen, die wir heute zu selbstbestimmter Arbeit haben, die sind ja als Ideen soweit, dass wir sie fast nicht mehr hören können. In der Praxis aber sind sie noch viel zu wenig gelebt. Da sind wir noch am Anfang der S-Kurve, der Diffusions-Kurve. Das hat sich noch nicht so wirklich verbreitet. Und in 10-20 Jahren wird sich einiges davon weiter verbreitet haben. Ich glaube nicht, dass alle Prinzipien sich weiter verbreitet haben werden. Es gibt ja einige Extreme – da verdient beispielsweise jeder in der Firma das gleiche, vom Auszubildenden bis zum 25-jährigen Veteran – da würde ich sagen, die werden sich nicht bewähren, das ist glaube ich auch eine falsche Struktur. Was sich aber bewähren wird, ist mehr Selbstverantwortung am Ort des Handelns, also im Kundenkontakt. Sehr wenig Bestimmungen von Prozessen, von Vorgehensweisen, von Modellen, von einer Zentrale, die im Zweifelsfalle immer zu weit entfernt ist von dem Ort des Geschehens. Führung nicht mehr nur so verstanden. Ich bin nicht so radikal zu sagen: Es gibt’s gar nicht mehr, dass jemand als Mensch Führungskraft ist, weil dafür sind wir viel zu sehr aus der Evolution immer noch Primaten, dass wir nicht Führung bräuchten in Form eines Menschen. Aber Führung, die als Funktion von jedem mal wahrgenommen werden kann – in einem Projekt, in einem Workshop, in einem Meeting – das werden wir weiter demokratisieren. Dass wir uns damit abfinden, dass wir im Detail gerade dann, wenn Menschen involviert sind, nicht alles vorplanen können und deshalb agil arbeiten. Das heißt in Sprints. Wir nehmen uns einmal was für ein, zwei, drei, vier Wochen vor, arbeiten das ab und planen dann neu. Das aber geht nicht ohne gemeinsames Zukunftsbild, das das Ganze koordiniert. Und so wird diese Arbeitswelt, von den Begriffen, die heute schon die modernen Begriffe sind, zumindest zum guten Teil geprägt sein. Es wird damit auch ein Stück weit menschlicher.

Stefan Dietz: Kannst du uns nochmal eine Idee geben, wo du sagst, da entstehen tatsächlich Berufsbilder, die vielleicht nicht jeder so auf dem Schirm hat?

Pero Mićić: Ja. Und die klingen alle ganz komisch. Die klingen für unsere heutigen Ohren und Köpfe und Herzen komisch, wie beispielsweise Spezialist für Lebensverlängerung oder Spezialistin für Lebensverlängerung. Das ist und war schon immer ein menschliches Bedürfnis und wir haben immer bessere Werkzeuge und Mittel dazu. Immer mehr Wissen dazu, was Ernährung betrifft. Also natürliche Dinge Ernährung, Bewegung, etc. Aber auch technische Möglichkeiten bis hin zur Kryonik, wo ich mich dann eben einfrieren lasse und hoffe, dass irgendjemand die Lösung dann in 100 Jahren hat. Ein Smartroad-Ingenieur. Wir brauchen eine Verkehrsinfrastruktur, die smarter wird, intelligenter wird. Und jemand, der heute Verkehrsplaner ist, der könnte sich vielleicht später irgendwann Smartroad-Ingenieur nennen. Wir müssen auch solche Berufe nicht mehr denken in Ausbildungsberufen. Also was kann ich lernen? Sondern was steht vielleicht auf dem, was man heute noch eine Visitenkarte nennt? Was ist meine Aufgabe im Unternehmen? Das Berufsbild ist auch ein, wenn man so will, Erfahrungs-Gefängnis, in dem wir da sind. Wenn wir glauben, dass sind dann Berufe, die kann ich dann lernen. Genauso wenig kann ich den Telepolizisten lernen. Oder den Digital-Archäologen.

Stefan Dietz: Was macht ein Digital-Archäologe?

Pero Mićić: Der forscht in der Vergangenheit, indem er Daten analysiert und versucht daraus zu ermitteln: Wie sind Dinge gelaufen? Wie ist damals diese verrückte Trump-Präsidentschaft verlaufen? Wie konnte es dazu kommen? Wie konnte es dazu kommen, dass immer noch zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr 2020 über 40 Prozent der Amerikaner diesen Menschen nochmal wählen würden? Das würde so jemand erforschen.

Stefan Dietz: Das ist genau, was ich mir auch erhofft habe, weil ich ziemlich sicher bin, du hast da Punkte in petto, die jetzt nicht schon jeder auf dem Schirm hat.

Pero Mićić: Genau. Dann wird es so etwas geben wie AR-Trainer oder VR-Trainer, also Virtual Reality-Trainer, Holodeck-Trainer wenn man so will. Es werden ganze Unternehmen sein. Designer künstlicher Intelligenzen als Lehrer wird man brauchen, weil wenn ich eine KI gehabt hätte, die mich ausgebildet hätte, meinetwegen zusätzlich zur Lehrerin, die hätte mir Fragen geduldig beantwortet, hätte mir 200 mal das Video vorgespielt, wie ich ein Polynom vierten Grades dividiere. Wozu auch immer man das braucht, aber ich muss es ja lernen. Ich hätte mir das hundertmal angucken können von einem Star, der mir das erklärt. In nächster Zeit Video, in 20 Jahren ist das dann jemand, der in einem virtuellen Raum vor mir sitzt. In 50 Jahren ist das dann eben ein Hologramm, das vor mir sitzt und mir das ganz geduldig erklärt, ganz viel Verständnis hat, mir auch seit Jahren schon zugehört hat, weiß, wie ich persönlich strukturiert bin, alles gelesen hat, was ich jemals geschrieben habe, wenn ich das erlaubt habe, und mich deshalb so super kennt, dass es permanent und ganz individuell auf mich eingehen kann, dann ist Einzelunterricht die viel, viel bessere Alternative für manche Dinge und dann eben in der Gruppe wieder zusammenkommen.

Stefan Dietz: Noch ein, zwei Berufe. Hast du noch welche?

Pero Mićić: Generell Augmented Reality oder Virtual Reality Architekten und Designer, die wir heute ja schon haben. Drohnen-Disponenten, Reisebüros für Weltraum-Ausflüge bzw. Weltraum-Fahrten, Exoskelett-Designer, Exoskelett-Bauer, Exoskelett-Händler. Digital-Tattoo-Entwickler, Krypto-Währungen-Banker. Du merkst, ich hatte ganz am Anfang gesagt Bindestrich Qualifikationen. Also wir nehmen einfach ein bekanntes Aufgabenfeld, verstärken das durch dein Technologiefeld und schon haben wir im Prinzip Berufe. Da müssen wir nur noch schauen, wo könnte es hingehen.

Stefan Dietz: Es ist ja auch super, weil ich glaube, das ist sehr, sehr, sehr phantasieanregend. Und wenn man davon ausgeht, dass Wertschöpfung passiert und Menschen auch zur Verfügung steht, dann entsteht ja auch eine Kaufkraft und eine Zeit, sich sehr viel mehr mit Themen der persönlichen Exzellenz und der persönlichen Lebensgestaltung zu beschäftigen. Und auch da entstehen ja dann unglaublich viele Jobmöglichkeiten. Also das wird sicher nicht langweilig.

Pero Mićić: Wenn man fragt: Wie komm ich denn auf meinen Beruf der Zukunft oder die Berufe der Zukunft, die in meinem Feld kommen? Wo sind die großen Probleme, wo sind die großen Fragezeichen? Dann werden wir den Autonom-Fahrzeug-Ethiker als Beruf haben, weil wir heute immer noch darüber diskutieren, wie wir die fünf Fälle, die jedes Jahr passieren, dass ein Auto entscheiden muss oder ein Fahrer entscheiden muss, ob er nun zwei Omas oder ein Kind umfährt – da werden wir uns drum kümmern. Interessanterweise sprechen wir überhaupt nicht darüber, dass man 2980 Menschenleben jedes Jahr retten könnte mit autonomen Fahrzeugen. Wir sprechen über die anderen fünf. Das ist das Problem. Dann werden wir uns fragen: Wenn doch irgendwie alles gestaut ist in so einem autonomen Fahrzeug, in so einem Szenario… dann wird es Menschen geben, die man zuschalten kann, die das Auto dann aus dieser Situation herausführen.

Stefan Dietz: Sehr, sehr inspirierend. Da könnten wir immer weitermachen. Du warst jetzt schon bei einem Thema, bei dem ich in jedem Fall auch sehr neugierig bin, wie du das einschätzt. Man kann das Thema Arbeitswelt eigentlich nicht denken, ohne auch in die Schule zu schauen. Und wenn ich so die Erfahrung, die wir auch als Eltern unserer Kinder gemacht haben, meine eigenen Erfahrungen sehe und sehe einfach wie genial lernen funktionieren kann, wenn man über YouTube Channels in Games Dinge lernt, extrem schnell, wenn man wirklich motiviert ist und vergleicht das mit dem, was in der Schule klassisch passiert. Man muss nur über Digitalisierung in der Schule nachdenken. Es gibt tausend Dinge, die es von außen natürlich leicht machen, das zu kritisieren, was heute da ist. Da will ich gar nicht so tief einsteigen, sondern eher gucken: Wie müsste denn ein Schulsystem sein, was Menschen wirklich für diese Anforderungen, die heute schon da sind, fit macht und oder viel besser auf das vorbereitet, was morgen und übermorgen kommt?

Pero Mićić: Schule in unserer Welt – das gilt für viele andere Länder genauso, das ist nicht nur hier im deutschen Sprachraum so – das ist praktisch das kritischste Feld, wenn man so will, oder das entscheidendste Feld. Und es zeigt am drastischsten, wie veränderungsunwillig und -unfähig wir sind. Wir machen das ja immer noch so wie eh und je. Wenn jemand als Lehrerin sehr fortschrittlich ist, dann setzen die auch schon mal Videos ein. Dann haben die Kinder zweimal in der Woche irgendwie ein iPad in der Hand und das ist es dann schon. Und man hat eben nicht nur Frontalunterricht, sondern man arbeitet in Gruppen und miteinander und organisiert die soziale Interaktion. Da passiert ja schon mal ein bisschen was. Aber es ist ja bezeichnend, dass die modernsten Konzepte, die wir so als Schulen haben, die freiesten Konzepte, die wir in der Schule haben, alle über 100 Jahre alt sind. Also Montessori oder andere. Wie müsste das aussehen? Im Prinzip so wie Kinder heute lernen, Jugendliche lernen und eigentlich, wie wir auch lernen. So wie ich heute lerne, so hätte Schule sein müssen. Ich lerne ganz viel über Video. Ich lerne ganz viel darüber, dass ich mir meine eigenen Modelle mache, dass ich Software dafür nutze, meine Gedanken zu organisieren. Ich lerne ganz viel in der Kommunikation mit Mitmenschen und ganz viel durch körperliche, emotionale Erfahrung und eben nicht nur durch Zuhören und eben gerade nicht nur aus Büchern. Haben wir die Hoffnung, dass sich das schnell ändert? Ich kann es mir nicht wirklich vorstellen. Da müssten wir ja im Prinzip auch wieder die Zeitreisen machen und uns fragen: Wohin wollen wir denn reisen? Wollen wir denn tatsächlich, dass Disziplin wieder eine größere Rolle spielt? So wie in Südkorea oder China, wenn die lernen. Sehr wahrscheinlich wollen wir das nicht. Nee, aber wir müssten dann schauen: Wer macht’s denn gut? Und wer macht es denn innovativ? Machen die Finnen das gut? Ist das ein Modell für uns? Das ist realistisch. Ich würde die Schule versuchen zu beeinflussen. Ich würde sie aber dann annehmen und akzeptieren, wie sie ist und die zusätzlichen Erfahrungen den Kindern dazu organisieren.

Stefan Dietz: Ich habe vor Jahren schon mal von dir eine Methodik gelernt, eine Strategie wäre zu sagen, welche Länder sind denn deutlich weiter in einem bestimmten Punkt und die dann anzuschauen und von denen gezielt zu lernen?

Pero Mićić: Ja, ich habe das die „große Schwester“ genannt früher.

Stefan Dietz: Gibt’s das etwas im Bereich Schule, Ausbildung von Kindern und Jugendlichen? Sind da zwei, drei Länder, wo es sich lohnt hinzugucken?

Pero Mićić: Ja, also die Idee „große Schwester“ war ja: Reise irgendwo hin, wo man sich weiterentwickelt hat, aus welchem Grund auch immer. Und das war früher natürlich produktiver, weil die Abstände größer waren. Aber das gilt heute auch noch. Also ich würde nach Finnland reisen und mir dort anschauen, was die da tatsächlich machen. Also wir lesen ja hier, die haben alle Schulfächer aufgelöst. Das stimmt so nicht ganz. Aber die Welt passiert eben nicht in Fächern. Also ist es richtig. Ich würde nach Finnland reisen, nach Finnland schauen. Ich würde durchaus auch mal nach Südkorea schauen, wie die es schaffen, dass sie eben gerade in den mathematisch naturwissenschaftlichen Fächern so gut sind. Ich würde aber auch in die USA gehen. Nicht deshalb, weil sie ein besonders hohes Lernniveau haben oder Qualifikationsniveau haben, sondern weil sie Unternehmertum auch vermitteln, in gewisser Weise. Was ich mir da nicht abschauen würde, ist die Überbetonung von Sport. Also ich würde mir ein Portfolio zusammenstellen an Ländern oder Regionen, in denen man Schule anders organisiert hat. Ich würde aber auch gehen in die Welt der Spiele. Ich würde mir dort anschauen, wie dort praktisch Schule gemacht wird, wie man dort ausbildet. Ich würde also nicht nur tatsächlich mir Schulsysteme ansehen.

Stefan Dietz: Also Spiele im Sinne von E-Games.

Pero Mićić: Ja genau. Computerspiele. Ich würde mir anschauen, wie werden Erwachsene geschult. Wie bilden sich Menschen weiter, von denen man sieht, dass sie besonders viel und besonders schnell lernen, besonders schnell sich verändert haben? Da würde ich mir dann eine Strategie zusammenstellen mit solchen Beobachtungen.

Stefan Dietz: Ähnlicher Denkansatz. Nochmal zurück bezogen auf den Umgang mit technologischen Möglichkeiten. Du hast eingangs beschrieben: Wir haben so die beiden großen Gs. Das eine ist jetzt glaube ich von Grund auf menschlich. Das andere ist ein bisschen ja auch eine gesellschaftliche Übereinkunft wie rückwärts gewandt oder wie vorsichtig man da ist. Gibt es Länder auf der Welt, wo du sagst, wenn man als verantwortlicher Unternehmer, Führungskraft vielleicht auch in einem öffentlichen Amt steht, lohnt es sich, dorthin zu gucken, um die Art, wie man technologische Möglichkeiten integriert und diesen Wandel auch positiver vorantreibt, wo man da was abgucken kann?

Pero Mićić: Also ein Land, das du genannt hast, ist Estland. Das ist dann die Akzeptanz und Natürlichkeit, mit digitalen Werkzeugen umzugehen. Israel ist ein interessantes Ziel, weil dort aus den besonderen Umständen – also wenn man so will, umzingelt von Feinden, ganz große Bedeutung des Militärs – eine sehr große Innovationskraft geschaffen hat und man unternehmerisch sehr viel sehen kann und erleben kann. Ich würde natürlich ins Silicon Valley fahren, was ja viele jetzt auch machen. Würde auch nach China reisen, um zu sehen, in welcher Geschwindigkeit manche Dinge sich entwickeln. Also nur ein Beispiel: Tesla versucht jetzt bei Berlin in Brandenburg die nächste Giga-Factory zu bauen und wir machen da schon Probleme. In China hat Tesla begonnen im Januar 2019 und hat die ersten Autos produziert im Oktober 2019. Es ist ein Riesenwerk und es ist von 0 bis Produktion in 10 Monaten passiert. Also diese Geschwindigkeiten sich anzuschauen. Ich würde auch mal nach Afrika fahren und mir anschauen, wie in Nairobi Unternehmertum aussieht. Ich erinnere mich, ich habe mal in Nordafrika mit jemandem gesprochen und gefragt: Hier gibt’s doch ganz bestimmt viele Arbeitslose, oder? Und da hat er gesagt: Nee, bei uns gibt’s keine Arbeitslosen. Hier findet jeder sein Geschäftchen, irgendwas zu machen. Das ist eine Frage der Haltung. Da sind wir wieder bei dem Thema von vorhin. Jemand, der arbeitslos ist, müsste eigentlich 40 Stunden die Woche mindestens damit beschäftigt sein, sich selbst zu vermarkten und sich einen neuen Job zu suchen bzw. ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Stattdessen machen wir vielleicht zwei Stunden in der Woche dann Bewerbungen oder meinetwegen sechs und warten, bis jemand den Arbeitsplatz schafft. Das ist eine Frage wie wir es zugelassen haben, dass Menschen Arbeit verstehen, nämlich dass andere Arbeitsplätze schaffen und wenn es sie nicht gibt, ist die Katastrophe da.

Stefan Dietz: Und dann wird gejammert, entweder ist es Arbeitslosigkeit in der einen Zeit oder jetzt ist es halt gerade Fachkräftemangel. Das ist ja auch der Begriff, um den herum ich sehr viel arbeite. Aber auch mit der These: Wenn ein Unternehmen sich gut aufstellt und Menschen eine gute Haltung haben, dann findet da jeder sein Plätzchen. Was ist denn dein Blick darauf? Gibt’s einen Fachkräftemangel? Ist das ein ernsthaftes Problem, so wie die Mehrzahl der Unternehmen das einschätzt?

Pero Mićić: Das ist eine Frage der Wahrnehmung. Also ich kann nachvollziehen, dass wenn Unternehmen Anzeigen schalten, sogar so modern sind und Social Media Anzeigen schalten und dann sich zu wenige Menschen bewerben, die man gerne einstellt, dass man sagt, wir können uns nicht weiterentwickeln, weil wir einen Fachkräftemangel haben. Und wenn wir die Fachkräfte hätten, könnten wir jedes Jahr um dreieinhalb Prozent mehr wachsen. Das kann ich nachvollziehen. Was ich nicht nachvollziehen kann ist, dass man sich dann damit abfindet und den Fachkräftemangel dann wiederum irgendwie anderen zum Vorwurf macht. In der Regel ist es ja die Politik, denen man das dann zum Vorwurf macht. Ich könnte ja genauso behaupten: Wir haben seit Jahrzehnten, wenn nicht seit Jahrtausenden, aber mindestens seit Jahrzehnten einen Kundenmangel. Und darüber klagen wir ja nicht. Was machen wir? Wir werben. Wir machen Marketing. Wir stellen uns auf. Wir differenzieren uns am Markt. Wir positionieren uns. Wir machen uns hoch attraktiv für unsere Kunden und haben dafür ganze Abteilungen, Bereiche, Ausbildungswege. Alles Mögliche haben wir dazu aufgebaut. Und es gibt Unternehmen, die schaffen es, Kunden zu gewinnen und Aufträge zu gewinnen. Und auf der anderen Seite sollte das im Prinzip nicht anders sein. Das heißt, es ist eine Frage der Phantasie, der Kreativität, der Region. Fachkräftemangel gibt’s nicht weltweit. Es gibt weltweit mehr Menschen, die Arbeit suchen und qualifiziert sind oder qualifiziert werden könnten als wir hier brauchen. Bei weitem mehr. Dann gibt es Menschen, die gehen woanders hin, weil die Verhältnisse, die Bedingungen cooler sind oder freier sind oder weil sie da mehr verdienen können. Also es gibt den Fachkräftemangel tatsächlich nur unter den Bedingungen und mit dem Weltbild, das wir haben. Sonst kann ich in Frage stellen, dass es diesen Fachkräftemangel gibt.

Stefan Dietz: Da läufst du bei mir eine große, offene Tür ein, weil ich glaube einfach, das ist ganz, ganz stark auch selbst verursacht. Mit wieviel Energie widmet man sich dem Thema? Wie attraktiv ist man wirklich? Und da würde ich jetzt zum Schluss nochmal so hinlenken, weil du dich ja natürlich auch sehr damit beschäftigst. Da gibt’s eine Schnittmenge zwischen unseren beiden Blickwinkeln. Wie kann ich ein Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen? Und zum einen wäre die Frage: Was sollten aus deiner Sicht Führungskräfte, Unternehmer tun, um sich und ihr Unternehmen im Sinne Wandel und neue Möglichkeiten zu entwickeln? Was müssen die selber lernen? Was brauchen die für ein Mindset?

Pero Mićić: In der Wirkung braucht es für ein Team, für ein Unternehmen, ein positives Zukunftsbild. Das meint: Etwas, wofür es sich lohnt zu arbeiten. Was einen gesellschaftlichen Nutzen bietet. Junge Leute fragen heute viel häufiger als früher: Wofür seid ihr gut? Warum ist eure Firma gut für die Welt? Wie verbessert ihr die Welt? Wie verbessert ihr das Leben von einer Milliarde Menschen? Und wenn man Schrauben produziert oder damit handelt, dann ist das schwer darzustellen. Die Firma Claas macht Mähdrescher und sagt: Wir helfen dem professionellen Landwirt bei der Ernte. Und das machen wir, um der wachsenden Weltbevölkerung Nahrung zu bieten. Wunderbare Verbindung – auch ganz einfach. Space X sagt: Wir machen die Menschheit multiplanetar. Das ist die größte Aufgabe, die wir jemals hatten.

Stefan Dietz: Dann kann man sagen: Gefällt mir das oder nicht? Wenn man das attraktiv findet, ist es sofort klar.

Pero Mićić: Dann fasziniert mich das, dass wir dabei sind. Also ein Unternehmen braucht als Zukunftsstrategie vier Elemente. Eine klare Mission – viele nennen das heute Purpose, aber es ist nicht wirklich etwas Neues. Warum mache ich das? Also, was ist unser Antrieb? Meinetwegen nennen wir es das WHY, ist aber auch nicht neu. Gab es schon immer. Was ist unser Antrieb? Was ist der gesellschaftliche Nutzen, die gesellschaftliche Wirkung, die wir erzielen wollen? Also die Welt retten, Menschheit multiplanetar machen, wie Tesla, die den Wandel zu nachhaltiger Mobilität beschleunigen. Was ist das Wirkungsversprechen für unsere Kunden? Also wie wird euer Leben anders sein durch das, was wir tun? Was ist das Lösungsversprechen? Bei Tesla: Elektroautos, Akkus bzw. Batterie-Farmen und photovoltaische Energiegewinnung. Und wem wollen wir das liefern? Wer ist die Zielgruppe? Das ist die Mission. Wenn die Mission nicht schon einzigartig ist, auch eine Positionierung. Meint: Wie sind wir in dieser Aufgabe einzigartig? Es mag andere geben, die das auch wollen, aber wir sind einzigartig, weil… Tesla war einzigartig, weil es die ersten waren, die große Elektroautos gebaut haben. Ja nicht die kleinen, mit denen man immer gescheitert ist, man war in einer Nische, die gar nicht da war.

Und man braucht eine Vision. Das heißt, was wollen wir in diesem Aufgabenfeld mit dieser Positionierung daraus machen? Was wollen wir verwirklichen? Und welches Geschäftsmodell brauchen wir dafür? Also wie designen wir die Maschine, mit der wir wunderbare Leistung liefern können und dabei auch noch Geld verdienen können, sodass wir unsere Rechnungen bezahlen können? Und wie machen wir das auf eine Weise, dass es schwer kopierbar ist? Diese vier Punkte braucht es. Um dahin zu kommen braucht es Antworten auf fünf Fragen. Frage 1: Wovon sind wir überzeugt, wie sich unser Markt in den nächsten Jahren verändern wird? Was wird kommen? Was wird bleiben? Was wird gehen? Und wenn man in Unternehmen heute reinschaut und in die Köpfe, in die Herzen der Menschen heute reinschaut, in den Unternehmen und lässt die Leute dann unabhängig voneinander Antworten auf diese Frage ausschreiben. Es ist das reinste Chaos, was auf diesen Zetteln entsteht. Also es gibt da ganz selten ein klares Zukunftsbild. Unternehmen scheitern aber daran, dass ihre Annahmen über die Zukunft falsch sind. Alle großen Fälle, die man kennt, warum Unternehmen gescheitert sind, haben immer auch oder ausschließlich damit zu tun, dass sie die anderen nicht geprüft haben.

Stefan Dietz: Oder sich einfach nicht richtig damit auseinandergesetzt haben und einfach etwas verlängern, was eigentlich schon klar ist, dass es nicht kommt.

Pero Mićić: Genau. Und es geht nicht darum, die Zukunft vorauszusagen, sondern die Annahmen permanent zu überprüfen. Es ist also eine permanente Aufgabe, nicht eine prognostische Aufgabe. Das wird häufig missverstanden. Ich nenne das die blaue Zukunfts-Brille, so wie der Kapitän das Wetter und das Meer einschätzen muss. Zweite Perspektive: Was könnte uns dereinst überraschen? Also was ist gerade unwahrscheinlich, könnte aber trotzdem passieren und wäre für uns relevant? Ich nenne es die rote Zukunfts-Brille. Das wäre beim Kapitän das Feuer, das brennt und das Blut, das fließt, wenn Piratenschiffe anlaufen. Also beispielsweise: Jetzt setzen alle auf elektrische Mobilität. Ich bin mir auch absolut sicher, Wasserstoff spielt bei PKW niemals eine Rolle. Es wäre dann aber überraschend, wenn man Wasserstoff in einem Stoff binden kann, der heißt Benzintoluol, und damit könnte ich Wasserstoff ohne 700 bar Druck, ohne diesen ganzen Aufwand einfach flüssig tanken und dann wieder den Wasserstoff daraus lösen. Das hat zwar 3-, 4-, 5-fachen Energiebedarf wie elektrische Batterien, aber es könnte sein, dass die Menschheit unlogisch genug ist, um dann darauf zu setzen. Ok, wäre eine Überraschung. Ich halte es überhaupt nicht für wahrscheinlich. Ich halte es für unwahrscheinlich, aber gerade deshalb muss ich darauf gucken.

Stefan Dietz: Es geht ja um die Idee, einfach diese Gefahren in den Blick zu nehmen und damit sicherer zu sein.

Pero Mićić: Das ist die zweite Ursache. Wie komme ich dahin? Entweder indem ich einfach meine Annahmen umkehre und sage: What if? Was, wenn es genau andersherum kommt? Oder nehme ich Wargames-Spiele, Kriegsspiele? Also ich stelle mir vor, wie mich Wettbewerber angreifen würden.

Frage 3: Was könnten wir aus unserem Unternehmen, aus unserem Team, aus unserem Geschäft, aus unserer Schule, aus unseren Produkten noch machen? Was sind die Chancen, die wir haben? Grüne Zukunfts-Brille: praktisch die fruchtbaren Länder und Destinationen, zu denen man segeln könnte. Also das ist der positiv-kreative Teil. Der erste ist analytisch. Und der zweite ist praktisch so negativ kreativ.

Vierte Frage: Welche Zukunft erstreben wir? Dann haben wir das Ergebnis, das ich vorhin genannt habe: Mission, Positionierung, Vision, Geschäftsmodell. Gelbe Brille: praktisch die grüne Insel, aber die mit dem schönsten Strand. Also die, wo wir hinsegeln wollen. Und die letzte, violette Zukunfts-Brille. Was tun wir jetzt? Was planen wir jetzt? Planung ist ja heutzutage sinnvollerweise eben in kurzen Schritten und kurzen Zyklen. Violett sind dann die Blutergüsse, die man sich auf dem Schiff zuzieht, wenn man den Segel Plan umsetzt. Diese fünf Perspektiven muss man beantworten, damit meine Zukunftsstrategie hat und sie emotional wirksam machen, Menschen mitnehmen. Und das – in eine kurze Formel gebracht, aber ganz, ganz bedeutend – nicht die Zukunftsstrategie in Aufgaben verteilen an die Leute, sondern jeder Einheit, jedem Team, jeder Abteilung ermöglichen, ihre eigene Mission und Version zu entwickeln, die auf die gemeinsame einzahlt. Dann haben sie es selbst gemacht, verstehen es besser, es ist ihnen nah und sie wissen, wofür sie da sind und wie gut sie werden wollen in ihrer Vision.

Stefan Dietz: Das kann ich hundertprozentig unterschreiben. Das, was du jetzt gerade beschrieben hast, ist ja, glaube ich genau das, was ihr tut als Beratungsunternehmen Unternehmen: Dabei zu begleiten, sowas für sich zu entwickeln. Gib uns noch eine Idee. Wenn jemand sagt, da ist so viel drin, das wäre für uns genau das, was wir brauchen. Wie arbeitet ihr? Was tut ihr?

Pero Mićić: Ja, im Prinzip gehen wir diese Perspektiven durch, beantworten mit unseren Klienten zusammen diese Fragen. Es gibt drei Phasen: Zukunftsorientierung schaffen, was kommt, bleibt, geht, was kann uns überraschen? Zukunftsstrategie entwickeln. Wie vorhin gezeigt. Und Zukunftsstrategie wirksam machen. Das heißt Menschen mitnehmen bzw. dafür sorgen, dass sie selbst mitkommen wollen. Das machen wir in individuellen Projekten in Unternehmen. In der Regel in privaten Unternehmen, weil deren Zeithorizont länger ist, in der Regel in größeren Unternehmen. Aber wenn jemand auf uns zukommt und ist irgendwie ganz allein oder hat nur drei Mitarbeiter, dann geht das auch. Und die Reise beginnt oft oder meistens mit der Teilnahme am Leaders Vision Day. Das ist ein eintägiger Event, der an sieben Stätten im deutschen Sprachraum stattfindet, sehr preiswert ist, Video Einheiten davor hat, einen inspirierenden Tag, Zusatzlieferung danach hat. Also da legen wir uns richtig ins Zeug. Ich mach den auch selbst. Und wer dann genug inspiriert ist, kann selbst umsetzen. Wer genug inspiriert ist, aber Unterstützung will, der kommt dann nochmal zu uns.

Stefan Dietz: Da werde ich ja selber demnächst auch dabei sein in ein paar Tagen und da mache ich dann bestimmt auch gerne Werbung für dich, weil ich einfach sehr, glaube ich, mit dir, Bruder im Geiste bin, dass diese Zukunftsorientierung viel mehr Raum braucht. Und das ist ja auch gerade im Arbeitsmarkt ein schon immer wichtiges und noch viel wichtiger werdendes Asset, dass man wirklich eine sinnvolle Aufgabe hat. Eine philosophische Frage muss ich dir aber noch stellen. Es gibt ja in der Betriebswirtschaft diese gefühlt in den letzten Jahren nie in Frage gestellte Überzeugung: Der wichtigste Zweck eines Unternehmens ist es, Gewinn zu machen. Dem habe ich noch nie zugestimmt. Aber wenn du gefragt würdest: Was ist der Zweck eines Unternehmens? Was würdest du sagen?

Pero Mićić: Der Zweck eines Unternehmens muss bestimmt werden. Das mit dem Geld verdienen ist das Resultat der Erfüllung des Zwecks. Also natürlich gründen Menschen Unternehmen auch mit dem Motiv, dass sie davon leben wollen. Das gibt’s auch. Die Unternehmen, die dann nur aus diesem Motiv gegründet werden, wie soll ich sagen, die haben geringere Erfolgswahrscheinlichkeit, weil die Energie dahinter, die Leidenschaft, die ja, wenn man so will, der Antrieb dahinter und die Vision darin schlicht schwach sind oder erfunden sind oder erst einmal konstruiert wurden. Das haben wir dann leider in den meisten Unternehmen. Also wir haben ja irgendwie alle ein Mission-Statement und Vision-Statement, aber selbst die Führungskräfte müssen das erst nachlesen auf der Website und dann ist das natürlich vollkommen wirkungslos. Der Zweck eines Unternehmens ist, dauerhaft für eine bestimmte Art von Mensch eine Wirkung zu liefern und die immer besser zu machen. Und jetzt kann ich die Variablen füllen. Ich kann sagen, ich mache die besten Brötchen für die jungen Leute in der Stadt – wenn die überhaupt nur Brötchen haben wollen. Und wenn ich das erfüllt habe, dann werde ich auch ordentlich Geld verdienen. Also zu sagen, unsere Aufgabe ist, Geld zu verdienen, das hört man in Versicherungsunternehmen. Das hört man in Bankunternehmen, das hört man in den klassischen Unternehmen, die keine Leidenschaft haben.

Stefan Dietz: Geld verdienen ist natürlich wichtig und es zeigt, ob wir effizient organisiert sind, aber wenn der Sinn und das Warum nicht da sind, dann gewinne ich auch nicht die Menschen, die wirklich etwas bewegen wollen und dann ist die ganze Wettbewerbsfähigkeit dahin. Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Also ich glaube, wir könnten das stundenlang fortsetzen. Da werden wir bestimmt Formate dafür finden und auf das eine oder andere von dir auch auf unserer Webseite hinweisen. Ganz zum Schluss. Was ist dein Zukunftsbild, das Du vor Augen hast?

Pero Mićić: Darüber könnten wir erst recht Stunden sprechen. Mein Zukunftsbild. Du meinst für die Welt?

Stefan Dietz: Letztlich für die Welt, bezogen vielleicht auf den Punkt für die Welt des Arbeitens und Lebens.

Pero Mićić: Ja, in aller Kürze. Wenn ich sehe, wie sich die Welt verbessert hat in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten, dann kann ich zu dem Schluss kommen: Früher war eigentlich fast alles schlechter. Da gibt es ganz viele Faktoren. Das macht mich zuversichtlich, dass die Welt in Zukunft nicht schlechter, sondern besser wird. Gerade deshalb auch, weil wir noch viel, viel bessere Werkzeuge dafür haben. Das, was die Welt verbessert hat, war zu einem ganz großen Teil Technologie, ein Stück weit natürlich auch Einsicht und philosophischer Fortschritt usw. Aber ganz viel Technologie und die Werkzeuge werden besser. Das heißt, wir werden länger leben, wir werden gesünder leben, wir werden auch friedlicher leben. Die Gewaltverbrechen sind deutlich zurückgegangen. Das nimmt man so nicht wahr, ist aber Fakt. Wir werden wohlhabender sein und wir werden erfüllter arbeiten. Das ist aber nicht von heute auf morgen. Es ist ein Prozess, der die nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte stattfinden wird. Wir werden, und das hoffe ich, zu einer Lösung kommen, wie wir Menschen ein Grundeinkommen ermöglichen, auch wenn sie nicht arbeiten können. Ich glaube nicht, dass man ein Grundeinkommen bedingungslos machen sollte. Aus mehreren Gründen, die wir jetzt nicht mehr erläutern können. Und ich glaube nicht, dass es jedem gezahlt werden müsste. Das sind Vorstellungen, die ich für falsch halte. Ich habe dazu ein ausführliches Video gemacht. Und ich glaube, dass eine Lösung ist, möglichst viele Menschen unternehmerisch aktiv werden zu lassen. Diese Vorstellung, diese Zweiteilung der Welt in Arbeitgeber, Unternehmerinnen und Unternehmer und auf der anderen Seite die Schar der Menschen, die darauf angewiesen ist, dass diese Arbeitsplätze schaffen, ist schon lange aus der Zeit. War vielleicht mal zu Zeiten von Marx und ein paar Jahrzehnte danach so denkbar und vorstellbar. Da ist eine Hoffnung und ich erwarte aber auch, dass mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass wir hier deutliche Fortschritte machen und schlicht reifer werden in unserem Verständnis davon, was Arbeit ist.

Stefan Dietz: Toll! Vielen Dank! Ich finde, das war insgesamt ein super inspirierendes Gespräch mit viel Grund, Hoffnung zu behalten und nicht ins Gegenteil zu fallen. Das ist genau die Energie, für die wir auch stehen. Ganz herzlichen Dank, lieber Pero Mićić.

06 People Strategy ist Chefsache

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Großartige Arbeitgeber kennen keinen Fachkräftemangel – auch morgen nicht. Damit das gelingt, muss einiges zusammenspielen. Eines ist sicher: von allein passiert das nicht. Vielmehr braucht es eine starke, robuste Strategie – eine People Strategy. Um diese zu entwickeln, muss das Thema Chefsache sein und mit hoher Priorität erarbeitet und umgesetzt werden. Was dazu gehört und wie Sie am besten vorgehen, erfahren Sie in dieser Folge.

Podcastfolge #6

People Strategy ist Chefsache

Großartige Arbeitgeber haben keinen Fachkräftemangel, auch morgen nicht. Damit das so ist, muss aber einiges zusammenkommen und das passiert vor allem eines nicht, nämlich zufällig. Das braucht eine Strategie, eine Roadmap auf dem Weg zum großartigen Arbeitgeber. Die People Strategy und was es damit auf sich hat, lesen Sie heute.

Warum brauchen wir eine People Strategy?

Lassen Sie uns mal ein Idealbild anschauen. So einen großartigen Arbeitgeber, der keinen Fachkräftemangel kennt, auch in Zukunft nicht, weil er so attraktiv ist, dass er sich immer gute Talente aussuchen kann. Und klar ist: damit das tatsächlich so passiert, muss schon einiges zusammenkommen. Das muss zuerst einmal natürlich eine erfolgreiche Firma sein, die eine gute Position hat, die auch Erfolg im Markt hat. Eine solche Firma hat eine klare Vision und Mission, einen klaren Auftrag, einen motivierenden Sinn. Etwas, wofür Menschen sich gerne engagieren und sich gerne einbringen. Natürlich wird dort ordentlich und fair bezahlt. Es muss eine Stimmung herrschen, in der man gerne arbeitet, wo man sich gerne aufhält und seine Energie und Zeit einbringt. Es wird in einer Art und Weise geführt, die Menschen Orientierung gibt, Unterstützung gibt und wo man sich gut aufgehoben fühlt. Personalentwicklung hat den Namen verdient und ist wirklich eine unterstützende Karriereentwicklung. Man begleitet unterschiedliche Lebensphasen und Menschen haben das Gefühl, sie werden richtig gefördert und entwickelt und können so ihren ganz persönlichen Weg finden. Und lernt man ein solches Unternehmen kennen, dann ist es vom ersten Kontakt an angenehm, positiv, überraschend, spannend und wird, je näher man hineinkommt, umso besser. Und in solchen Unternehmen sind die Menschen-Themen eigentlich immer Chefsache. Die sind ganz oben aufgehängt und haben Stellenwert. Personal-Themen haben Gewicht und Stimme, auch wenn es mal ein bisschen schwieriger läuft.

Paradoxon der People Strategy

Das Paradoxe ist: Je stärker ein Unternehmen diese Reputation im Arbeitsmarkt aufgebaut hat, desto leichter wird es. Das spricht sich immer mehr rum und das ist wie bei Parties: Da wo alle sind, wollen noch mehr Leute hin. Das heißt, je besser ein Unternehmen das aufgebaut hat, desto leichter wird es und stabilisiert sich dann sogar in gewisser Weise von selbst, wenn die Haltung stimmt und wenn man das nicht wieder zerstört, was man über Jahre aufgebaut hat. Das kann eine tröstliche Botschaft sein, auch wenn Ihnen allen, wie mir auch, klar ist: Bis so etwas erreicht ist, steckt dahinter eine ganze Menge Arbeit. Das geht nicht von alleine, sondern hat immer damit zu tun, dass diese Themen einen ganz hohen Stellenwert haben und dass es eine starke, robuste, klare Strategie gibt, eine People Strategy. Ob man die so genannt hat oder nicht, ist dabei zweitrangig. Wichtig ist, dass die Themen mit der richtigen Priorität und einer klaren Strategie umgesetzt wurden und werden.

Realitätscheck People Strategy

Schauen wir mal in die Realität, dann sieht das in vielen Firmen doch noch ganz anders aus. Viele Unternehmen sind erfolgreich geworden, weil sie besonders gut in ihrer Technologie sind, weil sie ihren Markt besonders gut kennen, finanziell stabil gesteuert sind, aber die Menschen-Themen, die sind manchmal etwas unterbelichtet, kommen zu kurz. Und das muss sich ändern. Und dann ist es oft so, dass ein Thema wie Führung nicht so weit oben steht wie die fachliche Kompetenz. Dann haben Führungskräfte nicht genügend Zeit und Priorität auf dem Thema Führung oder sind vielleicht auch die Falschen, weil sie gar nicht wirklich Lust auf Führung haben. Das kostet unglaublich viel Identifikation und Bindung der eigenen Mitarbeiter und kostet Produktivität. Aber das ist immer noch an vielen Stellen normal. Können dann Stellen nicht mehr so gut besetzt werden, dann macht man oft Kompromisse. Das ist so ein schleichender, akzeptierter Prozess, vor dem ich nur warnen kann, der es hochgefährlich. Ich nenne das die Spirale des schleichenden Todes. Wenn Sie auf dem Arbeitsmarkt so wenig sichtbar sind, wenn es schwer wird, genügend Interessenten zu gewinnen und dann besteht keine Auswahl mehr. Wenn dann Menschen für Menschen entscheiden müssen, die eigentlich gar nicht in ihre engere Wahl kommen würden, weil sie nicht richtig ins Profil passen, dann hat das fatale Folgen. Da kommt man irgendwie klar, aber man fährt im Grunde das Leistungsniveau des ganzen Teams runter. Das führt dazu, dass die besten Talente so eine Firma gar nicht mehr attraktiv finden. Sie können sich ausmalen, wozu das führt. Es hat seinen Grund, dass ich von einem schleichenden Tod spreche. Sie verlieren Wettbewerbsfähigkeit dabei. Wenn man jetzt merkt, es wird schwerer, Stellen zu besetzen, dann greifen viele Firmen zum Hörer und engagieren Headhunter, geben viel Geld aus, um irgendwo her die Leute zu kriegen, die sich von alleine nicht bewerben. Das ist teuer, kann funktionieren, ist aber meistens auch eher Aktionismus und ein kleiner Teil in die richtige Richtung als eine wirklich gute Lösung. Auch schnell gestartete Kampagnen, eine neue Karriere-Webseite, auf Facebook Kampagnen, eine Berufs-Kampagne, große Plakate draußen am Gebäude, alles was man so tut in der Not. Alles kann für sich genommen eine gute Maßnahme sein, aber es ist oft auch eher ein Hilferuf und es ist teuer. Und wenn es nicht Teil einer konsistenten Strategie ist, wird es das Problem alleine nicht lösen. In guten Zeiten geht das alles ja noch, in schlechten Zeiten zeigt sich dann, ob die People Strategy-Themen, die Personal-Themen wirklich Priorität haben oder ob man dort dann erst mal rigide spart. Ein bisschen sparen ist ja ok, aber wenn man damit Ansätze zerstört, die man über Jahre aufgebaut hat, dann ist es ein Sparen am falschen Ende. Oft geschieht auch, dass man gute Ansätze auf den Weg bringt und sie dann nicht konsistent zu Ende führt, sondern sie irgendwie versanden lässt. Und dann geht vieles, was man so immateriell aufgebaut hat, wieder verloren. Da hat man z.B. mit Führungskräften am Thema Führung gearbeitet und wenn man dann an bestimmte Schwierigkeiten kommt, hört man auf und führt es nicht weiter und ärgert sich später, dass man wieder hinter alte Stände zurückgefallen ist. Oder man investiert in Nachwuchskandidaten und hat die Führungskräfte gar nicht richtig mit an Bord. Oder man startet Personalentwicklungs-Themen und hat die eigene Personalentwicklung personell gar nicht richtig professionell aufgestellt und ist dann damit überfordert. Die Dinge kommen in Verzug und die Leute sind wieder gefrustet. Sowas passiert leider ganz, ganz häufig, obwohl die einzelnen Maßnahmen für sich betrachtet alle gut und sinnvoll und gut gemeint sind. Das Entscheidende ist aber, wegzukommen vom Aktionismus hin zu einer robusten Strategie, zu einer richtigen Roadmap und einem sinnvollen Vorgehen, Schritt für Schritt, bei dem verschiedene Dinge ineinandergreifen. Fatal ist, dass solches Handeln, wie wir es heute oft noch vorfinden, enorme Kosten hat. Die sind aber nicht so sichtbar. Ist eine Stelle nicht besetzt, weil jemand überraschend gegangen ist, hat man sogar am Schluss noch Geld im Budget übrig, weil die Personalkosten unplanmäßig gesunken sind. Eigentlich weiß aber jeder: Das hat richtig Geschäft gekostet, geht auf die Knochen der Kollegen und man hat entgangene Umsätze, die wahrscheinlich viel, viel höher waren als die Kosten. Nur das schlägt sich eben nicht so wirklich im Zahlenwerk nieder. Diese Unwahrheit in den tatsächlichen Kosten dieser Personal-Themen ist eine große Herausforderung, die müssen wir deutlicher sichtbar machen, damit in der richtigen Priorität entschieden wird. Das Thema People Strategy, ich glaube das wird dabei sehr klar, ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Geschäftsführer und Inhaber sagen ja nicht umsonst, dass der Fachkräftemangel eine der größten Bedrohungen für den zukünftigen Geschäftserfolg ist. Und damit ist auch eine gute, erfolgversprechende People Strategy ein zentraler Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens. In Zukunft vielleicht sogar der zentrale Erfolgsfaktor. Und deshalb schauen wir uns den näher an!

Warum verwende ich den Begriff People Strategy?

Man könnte ja auch ein deutsches Wort nehmen. Und ich habe ehrlicherweise relativ lange danach gesucht. Ich bin aber nicht wirklich fündig geworden. Jetzt könnte man ja sagen, man spricht von der Personal Strategie. Das ist im Grunde nicht falsch. Aber wenn Sie mein Buch lesen, dann finden Sie dort eine Menge Reflexion darüber, welche Begriffe wir in der Personalarbeit verwenden. Und alles, was mit Personal anfängt, ist irgendwie sehr stark funktional. Es geht irgendwie nicht um den Menschen als Ganzes, sondern es geht da immer sehr stark um seine Arbeitskraft. Und in meiner Haltung geht es darum, den ganzen Menschen, die ganze Persönlichkeit wahrzunehmen. Und nur dann können wir auch tatsächlich das Engagement einer ganzen Persönlichkeit im Arbeitskontext erwarten. Deswegen geht Personal Strategie nicht, obwohl das schon am nächsten dran ist. Alles was mit Human Resource Strategy oder ähnlichem Dingen zu tun hat, klingt auch nicht wirklich richtig gut. Und der andere Ansatz von Menschen Strategie oder Strategie auf der Menschenseite zu sprechen, wie ich das manchmal tue, das ist ja ganz nett, aber es klingt nicht wirklich business like und das Thema, um das es geht, ist massiv business-relevant. Deswegen habe ich mich entschieden, den englischen Begriff der People Strategy in den Mittelpunkt zu stellen, weil der eben etwas weiter ist als der funktionale deutsche Begriff der Personal Strategie. Und genau um diese Erweiterung des Verständnisses geht es mir.

Was ist jetzt die People Strategy?

Egal, wie Sie das am Ende in Ihrem Unternehmen nennen, es geht darum, wirklich eine robuste, umfassende Strategie für die Personalseite, für die Menschenseite im Unternehmen aufzubauen. Und dazu gehört eben, wie zu jedem anderen Bereich der Strategie, auch ein Selbstverständnis als Arbeitgeber mit einer Vision, einer Mission, Haltungen, Werten im Zusammenspiel mit den Menschen, die im Unternehmen arbeiten. Eine Definition, was sie für eine Art Arbeitgeber sein wollen. Manchmal definiert das einfach ein Inhaber und es ist schon Teil der DNA eines Unternehmens. Manchmal entsteht das aus einem Prozess der Führungskräfte miteinander. Und es verändert sich natürlich auch im Laufe der Entwicklung eines Unternehmens. Manchmal entsteht es auch erst an einem gewissen Punkt, wo man merkt, wenn wir da jetzt nicht handeln, dann haben wir in fünf Jahren oder in drei Jahren ein riesiges Problem. Und das ist der zweite Aspekt. Eine People Strategy ist, wie jede andere Strategie auch, eine langfristige Perspektive. Da gibt es eine Vision, da gibt es strategische Ziele und da gibt es eine gewisse Roadmap. Die darf offen und flexibel sein, gibt Leitplanken, was sie in den nächsten Jahren vorhaben. Man muss das mit dem Planen nicht übertreiben. Da geht es mehr um die Richtung, die Priorität und den Prozess und dann um sehr konkrete Maßnahmen. Vielleicht für das nächste Jahr mit Quartals-Updates. Wie auch immer Sie Ihre Planungsprozesse und Strategie Prozesse abbilden, wichtig ist diese Menschen-Perspektive braucht den gleichen Stellenwert mindestens wie eine Technologie-Perspektive oder eine Markt- und Vertriebs-Perspektive oder eine Finanz-Perspektive. Und entscheidend ist, dass Sie dafür sorgen, dass all diese Dinge richtig ineinandergreifen und dass der Stellenwert eben stimmt.

Was gehört zu einer People Strategy dazu?

Die Schwerpunkte variieren natürlich von Unternehmen zu Unternehmen. Ein paar Stichworte möchte ich benennen, Sie aber auch verweisen auf eine Checkliste, die wir erstellt haben, mit 17 Fragen zur People Strategy, die Sie sich kostenlos herunterladen können und mit der Sie diesen Themen schon mal etwas näher auf den Grund gehen können. Ich habe ja schon davon gesprochen, dass das Selbstverständnis, das Menschenbild, das die Führungskräfte haben, was in der DNA des Unternehmens begründet liegt, eine wichtige Grundlage ist. Dann geht es aber eben auch darum, klare, fundierte Grundlagen in Richtung des Bedarfs an Mitarbeitern zu haben. Das hat mit der Demografie im Unternehmen zu tun. Wann gehen welche Menschen möglicherweise in Ruhestand, wann geht uns wer möglicherweise verloren? Aber auch: Was haben wir strategisch vor und welche Kompetenzen brauchen wir dann? Wie wollen wir digitalisieren? Wie verändert sich die Arbeit und wie viele Menschen mit welchen Kompetenzen brauchen wir dann? Wann? das alles weiß keiner so ganz genau, aber sehr frühzeitig darüber nachzudenken, wo unser Bedarf liegt, ist ein wichtiges Element. Dann geht es um die Arbeitsmärkte. Kennen Sie die Mitbewerber? Wissen Sie die Potenziale in Ihren Einzugsgebieten? Wie viele Menschen kann man da überhaupt bekommen? Mit wem stehen wir im Wettbewerb? Wie kommunizieren wir dahin am besten und wie sichtbar sind wir selber als Arbeitgeber? Da kommt man dann schon in dieses große Feld von Vertrieb und Marketing auf der Personalseite. Wie sichtbar sind wir? Wie kommunizieren wir? Wie erreichen wir potenzielle Bewerber? Wie aktivieren wir die? Wie halten wir Kontakt? Das sind auch Themen, zu denen es noch vertiefende Folgen geben wird. Hat man dann mal jemanden interessiert für das eigene Unternehmen, dann kommt dieser gesamte Prozess von Kennenlernen, Recruiting, Auswahlverfahren. Ich habe aber bewusst kennenlernen gesagt. Wenn man das richtig gut inszeniert, ist das ein Prozess, bei dem alle, auch die, die nicht genommen werden, begeistert sind vom Unternehmen und positive Meinungsbildner für sie werden. Wer nur an Arbeitgeber Marketing denkt bei People Strategy, springt aber viel zu kurz. Die eigentliche Strahlkraft eines Unternehmens entsteht im Innern. Ist die Führung gut, ist die Stimmung gut, ist Personalentwicklung gut. Das führt dazu, dass die Menschen, die schon bei Ihnen sind, entweder total begeistert für das Unternehmen werben oder so… na ja…  irgendwie zwar da sind und auch nix Schlechtes sagen, aber auch die letzte Begeisterung beim Werben vermissen lassen. Oder aber auch sehr deutlich und sehr negativ – zumindest da, wo sie ehrlich reden können – ihre Meinung kundtun. Und das ist ein Multiplikator, ein Hebel. Der lässt sich halt nicht von heute auf morgen verändern. Nicht wie die Karriere-Website. Aber er ist auch wahnsinnig kraftvoll, wenn Sie hier gut investieren. Deswegen gehören diese Themen zwingend dazu. Die sind überhaupt nicht neu, aber wer es bis jetzt noch nicht auf Topniveau in den Bereichen geschafft hat, der muss sich jetzt anstrengen, weil der Preis hier zu schludern, der wird mit der Zeit unbezahlbar. Es geht natürlich auch darum, welche Karrierewege Sie bestehenden und neuen Mitarbeitern anbieten können, was Sie für einzelne Lebensphasen und Anforderungen für Antworten haben, wie Sie Menschen weiterentwickeln, was Sie für deren Persönlichkeitsentwicklung tun, wie Sie Wissen weitergeben, Mentoren-Programme intern aufbauen. Ganz, ganz viele Instrumente können hier Mittel der Wahl sein. Das rauszufinden und sich auf die richtigen zu konzentrieren, ist eben ein Teil der People Strategy. Das sind einige Stichworte und Bereiche. Wichtig ist, dass es ein Gesamtsystem gibt, eine grundsätzliche Strategie, die da ansetzt, wo sie in ihrem Unternehmen stehen und die die richtigen Prioritäten setzt. Keiner kann alles top und gleichzeitig auf die Beine stellen. Das ist immer auch eine Frage des Budgets und eine Frage einer klugen Reihenfolge und Priorisierung. Und das ist genau das, was es zu erarbeiten gilt. In welcher Reihenfolge, mit welchen Meilensteinen, mit welchen Zwischenzielen entwickeln wir diesen Sog als Arbeitgeber? Und wo setzen wir am besten an?

Wie die People Strategy ein echter Wettbewerbsfaktor sein kann

Wenn man so im alten Denken hängenbleibt, dann ist es vielleicht so, dass man sagt: Okay, wir kriegen nicht mehr genug gute Bewerber. Wir brauchen eine People Strategy, dass das wieder besser wird und das ganze Personal-Thema bleibt Mittel zum Zweck, um den eigentlichen Geschäftsinhalt erfüllen zu können. So war das in vielen Unternehmen und es ist oft auch heute noch die vorherrschende Denke. Aber eine richtig gute Personalarbeit, eine richtig gute People Strategy kann viel, viel mehr sein. Eine Aussage, die mich da ganz besonders stutzig und nachdenklich gemacht hat, kam von Frank Kohl-Boas. Er war HR-Sprecher von Google Europe und er hat bei einem Vortrag etwa sinngemäß gesagt: Google ist eigentlich keine Suchmaschine, Google ist ein Unternehmen, das um die Idee herum gebaut wurde, die besten Talente zu identifizieren, zu gewinnen und zu entwickeln. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Google ist ein Unternehmen, dazu entwickelt, die besten Talente zu finden, zu gewinnen und zu entwickeln. Und tatsächlich hat Google sehr ungewöhnliche Prozesse entwickelt, die hochgradig besser sind als das, was in vielen Unternehmen der Fall war. Wenn es darum geht, Menschen zu gewinnen, Menschen zu bewerten, auszuwählen, sich für die Richtigen zu entscheiden, kann man sich da ganz, ganz viel abgucken. Mir geht es aber nicht um Google. Mir geht’s um diesen Denkansatz. Es gibt viele andere Firmen, die auf den Spuren sozusagen sind. Im Buch habe ich einige beleuchtet. Nehmen Sie ein Unternehmen wie Sipgate. Eigentlich ist es eine Telefonanlage, aber das wirklich Spannende ist die Art, wie das Unternehmen geführt wird. Googeln Sie das mal. Eine sehr spannende Unternehmung. Sie haben möglicherweise zwei, drei Folgen vorher das Interview mit Ben Sattinger von OTL gehört. Ein Unternehmen, eigentlich ein Online-Marketing-Unternehmen. Aber die Art komplett remote zu arbeiten, mit Reisen, mit allen Mitarbeitern und sehr, sehr vielen, sehr interessanten Aspekten, die sie zu einem außergewöhnlichen Arbeitgeber machen. Das ist ein Wettbewerbsfaktor. Und so gibt es eine ganze Reihe kleiner, auch unbekannter Unternehmen, die nicht nur wegen ihres eigentlichen Geschäftes so attraktiv sind, sondern wegen der Personalarbeit, wegen der Unternehmenskultur, wegen der Art, wie man miteinander umgeht, wie man Arbeiten organisiert. Also die People Strategy kann ein originärer Wettbewerbsvorteil werden. Das ist natürlich das Weitreichendste. Was aber auch schon extrem wertvoll ist, wenn Unternehmen, die auf klassischen Wegen entstanden sind, die Menschenseite zu einem weiteren starken Pfeiler ihrer Zukunftsstrategie und Robustheit aufbauen. Und klassisch sind ja viele Unternehmen entweder entstanden, weil sie einen Technologie-Vorsprung hatten oder weil sie ihr Geschäftsmodell neu erfunden haben. Technologie-Vorsprung da wären so klassische Beispiele die beste Tunnel-Bohrmaschine, die leistungsfähigsten Hochdruckreiniger, Spülmaschinen für die Gastronomie oder Beton-Pumpen oder die Fähigkeit Glas besondere Oberflächen-Eigenschaften mitzugeben. Die deutsche Unternehmenswelt ist voll von solchen Technologieführern. Das ist und bleibt super wichtig. Aber es braucht zusätzlich auch eine entsprechende Personal Strategie, um das Ganze auch zu stabilisieren und in die Zukunft zu führen.

Wer ist für die Entwicklung der People Strategy zuständig?

Eigentlich ist das schon klar geworden. Das ist Chefsache. Und trotzdem muss ich es nochmal so deutlich sagen: Nein, Sie können das nicht einen Masterstudenten mit seiner Masterarbeit machen lassen. Und nein, Sie können das nicht den zwei Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern in der Personalabteilung aufs Auge drücken. Die People Strategy ist, wie jede Strategie, Chefsache. Und es ist wichtig, dass Sie die obersten Führungskräfte mit an Bord haben, damit die auch dahinter stehen, wenn das, was sie erarbeitet und beschlossen haben, dann im Alltag, wenn es hart auf hart kommt, sich zeigen muss und dann Priorität haben muss. Natürlich sind vermutlich Mitarbeiter aus der Personalentwicklung federführend – vielleicht auch Projektleiter – und spielen eine zentrale Rolle in diesem Thema, aber die Führungskräfte, die anderen Abteilungen, müssen an Bord sein. Sie sollten Marketing- und Vertriebs- Knowhow in die Gruppe holen. Vieles, was wir auf der Kundenseite schon seit Jahren im Unternehmen gut und richtig machen, brauchen wir auf der Personalseite im Arbeitgeber-Marketing in Zukunft dringend. Und das Knowhow haben sie meistens schon im Hause. Auch IT, auch Recht, auch andere Bereiche brauchen sie an der einen oder anderen Stelle. Und das ist wichtig. Auch den frischen Blick von Menschen, die lange da sind oder noch gar nicht lange im Unternehmen sind, mit in solche Gruppen hineinzunehmen. Das Entscheidende ist, dass die Aufhängungen des Themas der Wichtigkeit gerecht wird. Also People Strategy ist Chefsache. Wie gehen Sie das Thema People Strategie an? Ich glaube, am Anfang ist es wichtig, ein Bewusstsein im Unternehmen zu schaffen. Natürlich weiß jeder über diese Themen und diese Schlagworte, aber das in der Konsequenz bis in die Wirkungen aufs eigene Handeln zu durchdenken, das erfordert schon einige Auseinandersetzung mit dem Thema. Und es geht darum, soviel Kraft aufzubauen, dass man das Thema People Strategy auf der Tagesordnung ganz nach oben setzen kann und das auch entsprechend mitgetragen wird. Dann kommt es darauf an, in der Vorgehensweise eine kluge Strategie zu wählen. Man muss nicht beginnen mit der Mission und dem Menschenbild und den tiefer liegenden grundlegenden Dingen. Es empfiehlt sich oft mit ganz praktischen Ansätzen zu starten, bei denen alle Führungskräfte wie Mitarbeiter schnelle Effekte spüren. Besseres Recruiting aufzubauen, mit den Führungskräften zu beginnen, etwas für den Nachwuchs-/ Potenzial-Kandidaten zu tun. Das Thema Arbeitgeber-Marketing zu verbessern. Es gibt viele Ansätze, bei denen man sehr schnell positive Erfolge spürt und von denen aus man dann immer weiter in die Tiefe arbeiten kann. Das Wichtigste ist: Starten Sie diesen Weg zu Ihrer People Strategy. Wenn Sie möchten, begleiten wir Sie dabei gerne. Da gibt es verschiedene Ansatzpunkte, die Sie auf meiner Website finden. Das Wichtige aber ist, dass Sie sich auf den Weg machen. Immer in dem Bewusstsein, dass in einigen Jahren eine Situation entsteht, um die andere Sie beneiden und in dem Wissen, dass der Weg dahin eine Menge Ausdauer braucht. Beginnen Sie und freuen Sie sich auf das, was möglich wird, wenn Sie nicht im Aktionismus hängenbleiben, sondern von langer Hand geplant die richtigen Dinge auf den Weg bringen. Viel Erfolg dabei.

05 Flexibles Arbeiten – Interview mit Katharina Sowa

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Estland beherbergt einige außergewöhnlich interessante Unternehmen. Eines davon ist Pipedrive, ein führender Anbieter von CRM-Software mit Hauptsitz in Tallinn. In einem neuen Bürogebäude arbeiten hier ungefähr 300 Mitarbeiter zusammen. Es gibt nicht nur eine Firmensauna und einen Foodtruck in der außergewöhnlichen Forumsetage des Unternehmens. Es ist eher die Fülle an bemerkenswerten Leistungen eines großartigen Arbeitgebers, die den Besuch bei Pipedrive zu einer Reise  in die Zukunft der Arbeit macht. Mit Katharina Sowa – sie ist Content-Managerin für den deutschsprachigen Raum – beleuchte ich im Interview das flexible Arbeiten in Estland.

Podcastfolge #5

Flexibles Arbeiten bei einem großartigen Unternehmen

People Strategy als Wettbewerbsfaktor

People Strategy als Wettbewerbsfaktor

Warum großartige Arbeitgeber keinen Fachkräftemangel erleben und wie Sie dahin kommen.

Als was würden Sie Google bezeichnen?

Die meisten Leute denken vermutlich „Suchmaschine“. ​​

​​Dachte ich auch. Bis ich vor ein paar Jahren einen Vortrag von Ralph Kohl-Boas hörte, seinerzeit verantwortlich für die Personalentwicklung bei Google Europe. Er sagte das sinngemäß so:

„Google ist nicht so sehr eine Suchmaschine. Google ist als Unternehmen um die Idee herum gebaut, die besten Talente zu identifizieren, zu gewinnen und zu entwickeln.“

Der Satz hatte bei mir nachgehallt. In der Folge habe ich einiges gelesen und recherchiert, was Google anders macht. Wie Google viel bessere und intensivere Personalauswahlprozesse gestaltet als andere Unternehmen. Hier hat man die Zahl der Bewerbungsgespräche von 32 auf 4 reduziert, weil man durch KI-gestützte Testverfahren einen Teil der persönlichen Runden wieder eingespart hat. Setzen Sie diesen Aufwand (und die daran erkennbare Priorität für eine wirklich erfolgreiche Mitarbeiterauswahl) mal in Relation zu Aussagen wie „Für mehr als 2 Gespräche haben wir keine Zeit“. Es gibt  noch viel mehr sehr interessante Ansätze in der Google-Welt. Doch mir geht es heute gar nicht um die einzelnen Maßnahmen. Vielmehr ist es diese Idee, die People Strategy zum zentralen Erfolgs- und Wettbewerbsfaktor zu erklären, die es mir angetan hat.

Die People Strategy als originärer Wettbewerbsvorteil

Schauen wir nicht zu Google, sondern zu so vielen anderen, oft unbekannten Unternehmen, die ihre Art, zusammen zu arbeiten, Arbeit zu organisieren, ihre Unternehmenskultur als einen zentralen Grund ausgebaut haben, warum Menschen dort arbeiten wollen. Ähnliches gilt für hier bereits vorgestellte Unternehmen wie OTL oder Pipedrive oder die Neni-Restaurants.

Sicher werden nur manche Unternehmen soweit gehen, die People Strategy zum originären Wettbewerbsvorteil auszubauen. Für viele ist es ja schon mehr als genug, die technologischen Wettbewerbsvorteile durch eine gute People Strategy abzusichern und zu unterstützen.

Klar ist, dass eine so hohe Qualität als Arbeitgeber nicht von heute auf morgen – und schon gar nicht von allein entsteht. Dazu braucht es eine robuste Strategie und eine hohe Priorität für die Themen der People Strategy.

In der aktuellen Podcastfolge, die Sie jetzt anhören können, geht es genau darum. Wie sieht ein Idealbild eines großartigen Arbeitgebers aus? Und was erleben wir oft noch in der Realität? Aus diesem Spannungsfeld wird schnell klar, was eine gute People Strategy leisten muss.

Was gehört zu einer guten People Strategy?

Wie jede Strategie brauchen Sie Selbstverständnis, Mission und Vision – hier bezogen auf das eigene Verständnis als Arbeitgeber. Entwickeln muss man das nicht unbedingt am Anfang eines Prozesses. Oft geht das leichter, wenn man schon konkrete Erfolge – z.B. im Recruiting oder im Arbeitgebermarketing erreicht und ein Bewusstsein im Unternehmen für das Thema aufgebaut hat.

Dazu kommt dann sehr praktische Grundlagenarbeit. Kennen Sie die Demografie in Ihrem Unternehmen? Wer wird vermutlich wann „verloren“ gehen? Sei es durch Ruhestand, Krankheit oder Fluktuation? Es gilt zu überlegen, welche Menschen mit welchen Kompetenzen Sie wann benötigen, um neue Strategien umzusetzen und Herausforderungen zu meistern.

Eine gute People Strategy beschäftigt sich mit dem eigenen Arbeitsmarkt. Wie groß ist Ihr Einzugsbereich? Welche Zielgruppen können Sie ansprechen? Was machen Ihre Wettbewerber?

Dann braucht es eine überzeugende Konzeption in Marketing und Vertrieb in den Arbeitsmarkt. Karrierewebsite, Kommunikationsmaßnahmen, die Art, wie Sie Kontakt aufbauen und halten zu potenziellen Mitarbeitenden und natürlich die Kanäle und Formate, über die Sie konkrete Stellengesuche kommunizieren.

Doch die People Strategy beschränkt sich nicht nur auf Vision und Arbeitgebermarketing. Großartige Arbeitgeber strahlen von innen. Die Qualität der Führung im Unternehmen, die Intensität von Personal- und Karriereentwicklung, die Unternehmenskultur – das sind zentrale Faktoren, die darüber entscheiden, ob Mitarbeiter begeistert für ihre Firma werben oder eher verhalten oder gar negativ über den Arbeitgeber reden.

Wer ist für die People Strategy verantwortlich?

Komische Frage, wenn Sie an den Titel des Beitrags denken. Stimmt. Aber solche Themen werden doch allzuoft erst mal an Mitarbeiter abgegeben. Soll die Strategie greifen und Kraft haben, ist ihre Entwicklung zwangsläufig Chefsache. Sollen im Zweifel die Menschen-Themen auch in schwierigen Phasen Priorität genießen, müssen Führungskräfte in der Entwicklung einbezogen sein. Im Podcast erzähle ich noch einiges mehr darüber, wie Sie vorgehen können und wer an Bord sein sollte.

Wie gehen Sie den Prozess am besten an?

Na ja – am besten melden Sie sich zum Impuls-Seminar „People Strategy“ an 😉.

Spaß beiseite – das ist natürlich eine gute Option. Sie brauchen selbst eine gewisse Idee vom Thema, um die Weichen intern richtig stellen zu können. Nicht zu unterschätzen ist die Wichtigkeit, im Kreis der Führungskräfte und Meinungsbildner im Unternehmen Bewusstsein für das Thema aufzubauen. Denn konsequent zu Ende gedacht, sind viele in der Entwicklung und Umsetzung der People Strategy gefordert. Besseres Führen, anderes Vorgehen in Stellenausschreibung und Personalauswahl und vieles mehr. Dafür brauchen Sie ein gutes Fundament.

Viele Firmen starten auch mit einem internen Workshop – entweder mit den Führungskräften oder in einem kleinen Kreis mit Geschäftsführung, Personalabteilung und einem kleinen Team.

Das wichtigste aber ist, dass Sie sich des Themas annehmen. Als Unterstützung dazu haben wir Ihnen eine Checkliste „17 Fragen zu Ihrer People Strategy“ vorbereitet. Diese können Sie hier kostenlos downloaden.

Stellenanzeige war gestern – 7 Tipps für gelungene Arbeitgeberkommunikation

Stellenanzeige war gestern – 7 Tipps für gelungene Arbeitgeberkommunikation

Haben Sie mal darüber nachgedacht, wie unterschiedlich Firmen kommunizieren?

Auf der Kundenseite veranstalten Firmen ein Riesen-Bohei, um auf sich aufmerksam zu machen. Man lädt zu Kundenevents ein, informiert potenzielle Käufer auf allen Kanälen, zerbricht sich den Kopf, was sie wohl brauchen könnten, spricht sie häufig an, notiert sich alle Merkmale, derer man habhaft werden kann und bleibt dran. Manchmal Jahre bis es dann zum Auftrag kommt.

Auf der Mitarbeiterseite schalten wir Stellenanzeigen.

Hmhhh.

Und klagen dann über Fachkräftemangel. Warum klagt eigentlich keiner über Kundenmangel?

Ok. Inzwischen haben ja manche Firmen auch eine schöne Karriereseite und werben für sich als Arbeitgeber. Aber in der großen Linie ist der Prozess des Arbeitgebermarketings noch massiv unterentwickelt. Dominiert von der alten Erfahrung, nach der Arbeitgeber am längeren Hebel sitzen, sind die Prozesse viel schlechter als wir es auf der Kundenseite längst etabliert haben.

Diese Unterschiede und wie man viel bessere Strategien entwickeln kann, dazu habe ich im Buch eine Menge geschrieben. Für diesen Impuls will ich ein paar Tipps für pfiffigere Wege und Denkansätze zur Mitarbeitergewinnung mit Ihnen teilen. Schreiben Sie mir gerne, was aus Ihrer Erfahrung richtig gute Tipps sind.

Tipp 1: Backen Sie sich Ihren neuen Kollegen (m/w/d).

Man sagt ja so: „Wenn ich mir jemanden backen könnte…“. Dann wird man oft zum Realismus ermahnt. Dabei ist das eine höchst realistische Vorgehensweise. Viele Stellenausschreibungen sind so umfangreich, so austauschbar, so unspezifisch, dass sie überhaupt nicht zünden. Entweder wird nicht klar, was Sie wirklich suchen oder der formulierte Anspruch ist so hoch, dass dem niemand gerecht werden kann.

Je spezifischer Sie wissen, wen Sie suchen, desto besser können Sie die Kommunikation zuspitzen. Dann ist es manchmal ein Begriff, der den Unterschied macht (Wir haben mal eine „begeisterte Buchhalterin“ gesucht und gefunden). Manchmal ist es die Klarheit des Profils. Die Chance, dass sich dann die richtigen Personen angesprochen fühlen, ist viel größer. Die Botschaft: Beschreiben Sie ein klares Profil. Was soll jemand können, was als Persönlichkeit mitbringen? „Kollegen backen“ gibt es bei uns neuerdings als Methode 😉.

Tipp 2: Auch eine Stellenausschreibung ist Werbung – oder auch nicht

Was denkt jemand, der Ihre Ausschreibung sieht und liest? Sind Bilder und Formulierungen gewinnend und wertschätzend? Welches Bild bekomme ich von meinem potenziellen Arbeitgeber? Vermittelt die Ausschreibung, warum dieser Job interessant und die Firma besonders ist? Welchen Sinn die Aufgabe hat? Oder steckt da noch der Charakter dieser staubtrockenen Stellenanzeigen drin, die vor allem hohe Anforderungen formulieren und alle gleich klingen? Stellenangebote gibt es auch in pfiffig. Die Jobbeschreibung des Softwareingenieurs in Programmiersprache, der Cartoon für die Mediengestaltung oder eine starke und auffallende Bildsprache. Denken Sie Ausschreibungen mit der Werbebrille.

Tipp 3: Netzwerke nutzen

Nein, damit meine ich noch nicht die sozialen Medien. Die kommen gleich. Sondern ganz klassisch die Netzwerke bestimmter Berufsgruppen, Ausbildungseinrichtungen oder Verbände. Sehr viel spezieller als die allgemeinen Stellenportale und Medien erreichen Alumni-Netzwerke und spezialisierte Plattformen oft genau die richtige Zielgruppe. Die Kosten sind meist geringer, die Wirksamkeit höher und die Trefferquote und Qualität der Bewerber ebenfalls höher als in den großen Kanälen. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter, was Menschen mit dem Profil Ihrer gesuchten Kandidaten lesen, wo sie sich über Karrierewege austauschen und sich Tipps geben. Und dann sorgen Sie dafür, dass Sie genau dort Ihre Suche in passender Form präsentieren.

Tipp 4: Wie man heute sucht…

Was tun wir, wenn wir etwas suchen? Wir googeln. Haben Sie Ihr Angebot auf Ihrer Website gut und treffend beschrieben und die Inhalte so aufbereitet, dass sie bei einer Google-Suche auftauchen? Gibt es ein Video bei Youtube? Haben Sie gute Inhalte um Ihre Karriereseite aufgebaut, die gefunden wird, wenn jemand nach Jobs wie Ihren sucht? Wer hier gute Arbeit macht, erreicht genau die Menschen, die gerade aktiv etwas suchen.

Tipp 5: Ihr Team als Empfehler

Mitarbeiter werben Mitarbeiter. Das ist immer ein schöner Slogan. Damit das funktioniert, muss aber einiges stimmen. Das Wichtigste: sind Ihre eigenen Leute von Firma, Job, Stimmung und Perspektive nicht überzeugt, würden sie nie guten Freunden oder Bekannten eine Bewerbung bei Ihnen empfehlen. Das sagt man vielleicht nicht so offen, innerer Zweifel erklärt aber das zurückhaltende Agieren. Außerdem müssen Mitarbeiter wissen, wer warum gesucht wird. Eine Prämie, wie das manche Firmen ausloben, ist dann eher die Kür und allemal besser als das Geld in die berühmten staubtrockenen Anzeigen zu stecken. Überzeugung, Information und gemeinsames Profitieren durch die Stärkung des Teams sind aber wichtiger.

Vorträge, die begeistern und Wirkung zeigen

Fachkräftemangel, Digitalisierung, New Work – der Wandel der Arbeitswelt stellt alte Sicherheiten in Frage. Jammern hilft nicht. Strategie schon.

Bringen Sie Zuversicht und Motivation in die Köpfe und Herzen Ihrer Zuhörer. Mit Vorträgen, die begeistern, ermutigen und zum Handeln anstiften. Provokant und relevant für alle, die Verantwortung für Unternehmen und Mitarbeitende tragen.

Tipp 6: Arbeitgebermarketing ist immer

Auch wenn man nicht immer eine Stelle zu besetzen hat – so wie gute Vertriebler immer und überall potenzielle Kunden identifizieren, sind gute Personaler immer achtsam für potenzielle Talente. Einer freien Mitarbeiterin in meinem Online-Marketing bin ich zum ersten Mal beim Registrieren für einen Großhandel begegnet. Wir kommen ins Gespräch, ich frage sie, was sie studiert. Als sie von Journalismus und Mediengestaltung spricht, mache ich deutlich, dass ich vermutlich bald jemanden bräuchte, der sowas nebenher macht. Das Interesse war ehrlich und ein paar Wochen später haben wir den ersten Testauftrag vereinbart. Eine virtuelle Assistentin habe ich vor über fünf Jahren bei einem Kongress kennengelernt. Je mehr Menschen man kennt, desto größer ist die Chance, dass einem bei einem akuten Bedarf sofort jemand einfällt, den man direkt und persönlich ansprechen kann. Nicht zuletzt aus solchen Gründen landen die meisten Jobs nie in einer Stellenbörse, sondern sind längst vorher vergeben. Ein weiteres Beispiel für dieses Verfahren erzählte mir kürzlich ein Verwaltungschef. Er ist Mitglied einer Prüfungskommission. Die letzte Stelle hat er mit einem früheren Prüfling besetzt. Der hatte einen guten Eindruck gemacht und hat jetzt einen Anruf erhalten. Also: Augen auf und in Kontakt sein.

Tipp 7: soziale Netzwerke

Facebook, LinkedIn, XING, Instagram und Co – ein weites Feld auch im Recruiting. Hier tummeln sich längst spezialisierte Agenturen. Pfiffige Kampagnen bewirken mehr als die alten Anzeigen. Diese Medien erlauben ein sehr viel differenzierteres Ansprechen der richtigen Zielgruppe. Obwohl die Kosten und Anzeigenpreise längst nicht mehr so günstig sind wie noch vor ein paar Jahren – die Relation zwischen Aufwand und Ertrag kann immer noch sehr gut sein. Wir erreichen andere Zielgruppen und die Wirkung ist ebenfalls eine andere. Profile in den Netzwerken sind die neuen Bewerbungsunterlagen – immer online, immer sichtbar. Ein riesiges Handlungsfeld. Hier ist die Botschaft nur: Kümmern Sie sich um die Möglichkeiten, experimentieren Sie und erschließen sich neue Möglichkeiten.

Sieben Tipps sind nur ein kleines Blitzlicht auf dieses große Thema. Da gibt es noch so viel mehr zu sagen. Aber wenn Sie jetzt oder bald Verstärkung suchen, kann Ihnen der eine oder andere Tipp vielleicht nützlich sein. Daneben geht es mir um das grundlegende Verständnis von Arbeitgeber-Marketing.

Längst werden gute Stellen nicht mehr einfach „vergeben“. Die Wahl eines Arbeitgebers und eines Mitarbeitenden ist ein Werben, ein Kennenlernen und eine Entscheidung von beiden Seiten. Läuft es gut, finden sich Menschen beruflich für ein paar Jahre oder länger und die Zusammenarbeit funktioniert großartig. Ob das gelingen kann, erkennt man oft schon ganz am Anfang. Wer ehrlich, sympathisch und pfiffig zeigt und kommuniziert, was Firma und Menschen als Arbeitgeber ausmacht, ist schon mal gut gestartet.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Ideen für eine gelungene Kommunikation als Arbeitgeber.

PS: ach ja – nicht vergessen: egal, wie originell Sie Ihre Ausschreibung formulieren – lassen Sie vor der Veröffentlichung nochmal einen Arbeitsrechtler drüber schauen. Wenn „pfiffig“ zu Abmahnungen führt, ist Ihnen auch nicht geholfen. Arbeitsrecht und Antidiskriminierung gelten aber nicht als Ausrede. Nicht jede knuffige Formulierung und werbliche Zuspitzung ist rechtlich kritisch. Nur blauäugig sollten Sie nicht sein, das kann teuer werden.

Unternehmen ohne Büros

„Wir wollen einfach der beste Arbeitgeber der Welt sein“

Interview mit Ben Sattinger. Sein Unternehmen: 40 feste Mitarbeiter, keine Büros, coole Kultur & viel Erfolg.

Während die einen noch über Homeoffice diskutieren, gründen andere ihre Firmen gleich ganz ohne Büros. Beispiele gibt es weltweit einige – in Deutschland sind sie noch die Ausnahme. Eine davon – eine sehr erfolgreiche dazu – ist OTL in Berlin. Mit dem Gründer, Ben Sattinger, möchte ich Sie heute bekannt machen – mit einem ausführlichen Interview, das wir letztes Jahr in Kapstadt geführt haben. Kapstadt?

Geld, das andere Firmen in Büromiete und -ausstattung investieren, steckt OTL u.a. in gemeinsame Arbeitsreisen des Teams. Für zwei bis drei Wochen arbeitet das Team an coolen Orten zusammen. Arbeitet sonst jeder woanders, arbeiten auf diesen Touren alle für zwei bis drei Wochen unter einem Dach an einem schönen Ort: Thailand, Südafrika, Marokko oder Zypern. Nein, das ist kein Urlaub. Die Projekte laufen weiter, man entwickelt gemeinsam Strategien und Projekte. Natürlich bleibt auch Zeit für gemeinsame Unternehmungen und die Reisen schweißen zusammen. So fand unser Workshop in Kapstadt statt.

Doch der Blick auf den Arbeitsplatz steht heute gar nicht im Fokus – also keine Sorge – Sie dürfen Ihre Büros ruhig behalten. Komplett remote organisierte Unternehmen denken nur konsequent zu Ende, was gerade als Trends diskutiert wird: jeder arbeitet, wo wer will; die Arbeit wird online organisiert und intensive Phasen des gemeinsamen Erlebens schaffen Nähe, Verbundenheit und eine starke Gemeinschaft. Im Interview (gute vierzig Minuten) erläutert Ben, wie das funktioniert. Nehmen Sie sich einen Kaffee und etwas Zeit – es lohnt sich.

Workshops gehen auch barfuß

Mit Ben, seinen Führungskräften und seinem Team habe ich in Kapstadt einen Strategie-Workshop geleitet. Barfuß und mit Blick aufs Meer. Die Arbeit selbst war mindestens so konzentriert wie sonst im Seminarraum oder in der Firma. Aber direkt danach stehen die Füße im Meer. Das hat was.

Von diesen äußeren Eindrücken darf man sich jedoch nicht täuschen lassen. Dahinter steckt ein top organisiertes Unternehmen. Mit klaren Rollen, straffer Projektorganisation, strukturierten Meetings und richtig guter Kommunikation und Führung.

Höchste Produktivität und ein einzigartiger Lifestyle

Um Missverständnissen vorzubeugen: die vierzig Mitarbeiter sind fest angestellt, beziehen ganz normal Gehalt, haben die Sicherheit des festen Jobs – und die Freiheit des völlig anderen Arbeitens. Es gibt eine Gewinnbeteiligung, die gemeinsamen Reisen, und Teamwochenenden in Berlin, an denen alle teilnehmen. Nicht zuletzt motiviert die gemeinsame Mission, zu Gesundheit und Fitness möglichst vieler Menschen beizutragen.

Das Unternehmen macht von Anfang an Gewinn, es gibt keine externen Investoren. Insgesamt eine besondere und inspirierende Firma, von der auch „ganz normale Unternehmen“ manche Idee übernehmen können. Und manche Überzeugung könnte dabei in Frage gestellt werden.

Wie auch diese: Wenn junge Leute Youtube-Influencer werden wollen – keine Sorge. So hat Ben auch angefangen. Da kann ganz schön was draus wachsen.

Jetzt wünsche ich Ihnen erst mal sehr viele gute Impulse. Kommen Sie mit in die Hotellobby in Kapstadt. Ich wünsche Ihnen gute Erkenntnisse beim Zuschauen und freue mich über Ihr Feedback! Hier geht´s zum Video.

04 Keine Büros, coole Kultur & viel Erfolg: Interview mit Ben Sattinger

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Weitere Informationen

Interview mit Ben Sattinger, Gründer und Geschäftsführer OTL

Während die einen noch über Homeoffice diskutieren, gründen andere ihre Firmen gleich ganz ohne Büros. Weltweit gibt es etliche Beispiele,  in Deutschland sind sie noch die Ausnahme. Eine davon – eine sehr erfolgreiche dazu – ist OTL in Berlin. Mit dem Gründer, Ben Sattinger, möchte ich Sie heute bekannt  machen – mit einem ausführlichen Interview, das wir letztes Jahr in Kapstadt geführt haben. Wieso Kapstadt? Geld, das andere Firmen in Büromiete und -ausstattung investieren, steckt OTL u.a. in gemeinsame Arbeitsreisen des Teams. Für zwei bis drei Wochen arbeitet das Team an coolen Orten zusammen. Lernen Sie ein erfolgreiches und ungewöhnliches Unternehmen kennen.

Die Themen:

  • Die OTL-Geschichte – von der Gründung bis zu über 40 festen Mitarbeitern
  • Arbeiten ohne Büros – wie es funktioniert, was es braucht und worauf man achten muss
  • Wieso Youtube-Influencer ein guter Ausgangspunkt für beruflichen Erfolg sein kann
  • Wie Führung funktioniert, wenn alle woanders sind
  • Wie es gelingt, Nähe und Verbundenheit sicherzustellen
  • Die OTL-Vision: „Wir wollen einfach der beste Arbeitgeber der Welt sein“

Podcastfolge #4

Keine Büros, coole Kultur & viel Erfolg

Interview mit Ben Sattinger, Gründer und Geschäftsführer der Online Trainer Akademie (OTL)

Unternehmen ohne Büros komplett remote geführt, das gibt’s auf der ganzen Welt schon relativ häufig. In Deutschland sind es noch einige wenige. Einer der Pioniere ist die Online-Trainer-Academy. Ich spreche mit dem Gründer Ben Sattinger darüber, wie das funktioniert. Und ich kann Ihnen sagen: Da gibt’s eine Menge, was man sich als normale Firma abgucken kann.

Stefan Dietz: Jeder, der ein Unternehmen führt, hat ja seine Vorstellungen, wie das so aussieht. Wir diskutieren viel über Homeoffice und remote arbeiten und ich erzähle immer wieder gerne von Firmen, die komplett remote arbeiten – ohne Büro. Und viele glauben, das funktioniert nicht. Deswegen freue ich mich jetzt besonders auf meinen Gesprächspartner Ben Sattinger. Es freut mich, dass wir in dem Interview mal beleuchten können, wie das denn funktioniert. Denn du hast ein Unternehmen aufgebaut, da gibt’s keine Büros und ihr arbeitet ganz anders als normale Firmen. Ein komplett remote geführtes Unternehmen. Die Frage, die ich mir in dem heutigen Interview stelle, ist: Geht das? Und wenn ja, wie geht das? Und was können andere Firmen vielleicht auch davon lernen? Gib uns doch mal eine Idee: Was macht das Unternehmen, das du mit deinen Partnern in den letzten Jahren aufgebaut hast?

Ben Sattinger: Ich habe mit meinem besten Freund vor vier Jahren eine Online-Akademie gegründet. Wir sind eine TÜV-zertifizierte Akademie, die staatlich geprüfte Fitness-Trainer-Ausbildungen online anbietet. Also nicht so, wie man es früher klassisch in einem Unterrichtsraum gemacht hat. Da hat man vorne den Dozenten gehabt, den Klassenraum voll mit Lehrlingen, die dort gelernt haben. Sondern wir haben gesagt: Hey, das passt eigentlich nicht zur Zeit. Heutzutage funktioniert alles online. Warum sollte man sich nicht auch online auf professionellste und seriöseste Art aus- und weiterbilden können? Das heißt, wir haben das Unternehmen gegründet, haben es vom TÜV zertifizieren lassen – also wir sind ein echter TÜV-zertifizierter privater Bildungsträger – und unsere Ausbildungen sind auch ganz normale Fernunterrichte – nur jetzt mit der Komponente Fernunterricht mit einem Online-Zugang beziehungsweise mit online Video-Mitgliederbereich. Das haben wir uns zertifizieren lassen von der ZFU – die höchste Distanz in Deutschland, die auch echte Ausbildungen zertifiziert – und das kombiniert mit sehr cleverem, modernem, innovativem Marketing. Das ist unsere Erfolgsformel. Man kann bei uns eine Online-Ausbildung zum Fitnesstrainer kaufen.

Stefan Dietz: Da muss ich vielleicht dazusagen, wie wir zueinander gefunden haben. Wir befinden uns jetzt auch gerade in einer ganz interessanten Situation. Es ist 25 Grad Celsius draußen, die Sonne scheint. Es ist der 19. Januar, also zu einer Jahreszeit, in der es in Deutschland ziemlich kalt ist, und wir befinden uns gerade in Kapstadt. Ich hatte in den letzten Tagen auch das Vergnügen mit deinem Team, das zum Teil auch hier ist, zu arbeiten und mich davon zu überzeugen, was für eine klasse Stimmung ihr im Unternehmen habt. Erzähl doch noch ein bisschen mehr. Wie viele Leute seid ihr denn? Und ich habe ja eingangs gesagt ihr habt überhaupt keine Büros. Wie arbeitet ihr denn, wie ist denn so die Struktur des Unternehmens?

Ben Sattinger: Ich war früher YouTuber, also der klassische Influencer, wie man ihn heutzutage nennt. Ich habe vor sechs Jahren mit Fitness-YouTube-Videos angefangen. Das hat mir sehr gut gefallen, dass ich nur eine Kamera brauche, mich irgendwo hinsetzen kann oder ins Fitnessstudio gehe und irgendwelche Übungen abfilme oder irgendwelche Theorie-Videos einspreche. Und das auch in erster Linie von zuhause aus. Ich brauchte dafür kein Büro. Und in zweiter Linie hab ich das dann mit dem Reisen kombiniert. Mein Freund hat auch sein eigenes Unternehmen – Online-Grafik-Designer als Einzelunternehmen – und hat auch von Hause aus gearbeitet. Das war für uns die absolute Grundlage: Wenn wir sowas machen, dann muss das komplett online und remote sein. Wir wussten nicht, wie das funktioniert. Wir haben da keine großen Vorstellungen gehabt. Wir haben einfach mal los gemacht und haben das so entwickelt und komplett von Anfang an alles digital und remote aufgebaut. Mittlerweile haben wir 40 festangestellte Mitarbeiter, die auch alle aus dem Homeoffice arbeiten. Oder auch, so wie wir, mehr zu digitalen Nomaden werden. Digitale Nomaden sind Menschen, die im Internet ihr Geld verdienen, die nur mit dem Laptop durch die Welt reisen. Sie brauchen einen Internetanschluss, Wifi, und können von überall auf der Welt arbeiten. Das machen wir teilweise getrennt, teilweise aber auch zusammen. Deswegen sind wir auch gerade hier in Kapstadt.

Stefan Dietz: Das war für mich das Coole, als ich gehört habe, dass ihr eben nicht zwei, drei Leute seid, die zusammen ein tolles Online-Geschäft aufgebaut haben, sondern eine richtige mittelständische Firma geworden seid, mit gut 40 Festangestellten und einer Menge Freelancern. Und da, wo andere Leute Geld investieren müssen, um ein Büro zu haben, fliegt ihr tatsächlich drei Mal im Jahr mit der ganzen Mannschaft in die Sonne. Ich durfte jetzt einen Tag dabei sein in Kapstadt. Ein schönes Haus mit Blick aufs Meer und alle haben eine ganze Menge gearbeitet. Wie ist denn diese Idee entstanden? Und wie lebt ihr das heute, wirklich mit dem Team in die Sonne zu fliegen und gemeinsam an einem Ort zu arbeiten, von dem andere vielleicht im Urlaub träumen?

Ben Sattinger: Also Homeoffice hat natürlich auch seine Vor- und Nachteile. Meiner Meinung nach deutlich mehr Vorteile als Nachteile. Aber doch auch den einen oder anderen Nachteil und derer muss man sich bewusst sein. Ein großer Nachteil ist, dass man sozial so ein bisschen abstumpft. In einem Büro, da startet der Tag indem ich rausgehe, mich ins Auto setze oder in die U-Bahn, oder über die Straße gehe. Da sehe ich verschiedene Menschen, habe da positive, vielleicht auch negative Kontakte. Aber ich habe soziale Kontakte. Mit den Kollegen ist man zusammen im Büro und geht manchmal kurz zur Kaffeepause, Raucherpause, geht zusammen essen, auf dem Gang quatschen, hält Smalltalk. Das passiert halt alles nicht mehr, wenn man im Homeoffice sitzt. Man stumpft selber so ein bisschen sozial ab, wenn man nicht mehr so viele Kontakte hat. Das geht vielleicht mal über ein paar Wochen oder Monate gut, aber irgendwann stumpft man ab. Und für die Kollegen untereinander ist es natürlich auch nicht so eine geile Teambindung, wenn man sich eigentlich nur von kleinen Videokonferenzen an Bildschirmen kennt und noch nie so wirklich an einem Ort war und richtig miteinander agieren konnte. Und das versuchen wir auszugleichen. Das ist ein Extrem: Man hat wenig Kontakt. Mit einem anderen Extrem: Man hat sehr viel Kontakt. Da kommt man gar nicht mehr drum herum, dass wir dreimal im Jahr diese Teamreisen machen, jetzt gerade in Kapstadt. Für zwei bis drei Wochen ist das immer. Die erste Woche Vollzeitarbeit, die zweite Woche halbtags arbeiten und wir hängen dann immer noch eine dritte Urlaubswoche an. Die ist dann freiwillig. Also die ganze Reise ist freiwillig. Aber diejenigen können dann noch mit uns zusammen freiwillig Urlaub machen.

Stefan Dietz: Da muss man mal ein bisschen näher hingucken. Das sind wirklich zwei bis drei Wochen. Wo seid ihr dann hingeflogen im letzten Jahr? Was waren eure Ziele?

Ben Sattinger: Letztes Jahr waren wir in Thailand. Drei Wochen auf Koh Samui. Das Jahr davor waren wir auf Phuket. Auf Koh Samui haben wir eine schöne große Villa gehabt, mit eigenem Pool und kleinen Bungalows drum herum auf einem Plateau und hatten dann um uns herum das offene Land und dahinter dann das Meer. Das war wunderschön. Dann waren wir auf Bali für drei Wochen. Und jetzt sind wir gerade in Kapstadt. Im Juni geht es nach Los Angeles und im Oktober geht es nach Australien.

Stefan Dietz: Klingt so, dass die meisten Leute erst mal sagen: Die machen ja nur Urlaub. Aber ich habe mich selber davon überzeugen können, dass ihr da eine sehr klare Struktur habt. Was macht ihr in so einer Phase, wenn ihr zumindest die zwei Arbeitswochen zusammen unterwegs seid?

Ben Sattinger: Gemeinsam arbeiten. Also wirklich gemeinsam an einem Tisch in einem Raum wie in einem Büro. Das haben wir ja sonst nicht. Aber wir machen es wirklich wie in einem Büro. Wir wollen auch nicht ins Hotel oder so, weil wir schon unser eigenes Gebäude brauchen, unsere eigene Privatsphäre, wo nicht irgendwelche anderen Leute in der Lobby sitzen würden, sondern das ist unser Büro, das ist unsere Unterkunft, das ist unser Pool, das ist unser Haus hier. Und da sind nur wir und da können wir uns sehr ausleben, aber auch miteinander wirklich arbeiten. An einem Tisch sitzen, uns gegenseitig helfen, einander über die Schulter schauen, ein spontanes Meeting einberufen… Das alles können wir ja normalerweise nicht.

Stefan Dietz: Es ist ja ein so bisschen die verkehrte Welt. Wer den normalen Büroalltag und das mit den Kollegen Arbeiten als ganz normal kennt, für den ist das natürlich ganz erstaunlich. Für Euer Team ist das im Grunde ein ganz besonderes Event, dass man dieses Gemeinsame hat. Und durch diese besondere Umgebung, kann ich mir vorstellen, ist das natürlich unglaublich teambildend und eine ganz starke Geschichte, die man auch erzählen kann und macht Euch ja vermutlich auch super attraktiv für Menschen, die so einen Lebensstil gerne mit dem Job verbinden wollen und das in vielen Firmen gar nicht könnten. Merkt ihr das, dass da Menschen auch zu Euch kommen, die sagen: wegen dieser Freiheit und dieses Lebensstils bewerbe ich mich bei OTL und nicht bei jemand anderem?

Ben Sattinger: Ja. Ich habe ja gesagt, ich habe diese typische YouTuber-Influencer-Karriere in der Fitnessbranche hinter mir. Da war ich fünf Jahre aktiver Influencer und habe auch zu den bekanntesten deutschen Fitness-YouTubern gehört. Ich habe seitdem aber deutlich an Reichweite verloren, weil ich nicht mehr aktiv bin, habe aber trotzdem immer noch Follower, die mir noch folgen. Und die haben sich mit mir weiterentwickelt, weil ich auch immer gesagt habe: Ich habe jetzt schon zehn Videos zum Bankdrücken gemacht. Ein elftes Mal möchte ich das nicht mehr. Das interessiert mich auch nicht mehr. Ich interessiere mich jetzt für Reisen, für Unternehmertum, für Teambuilding und Mitarbeiterführung. Ich baue ein Unternehmen auf. Und das habe ich meine Videos einfließen lassen. Dementsprechend habe ich sehr viele Follower verloren. Und es sind nur noch die Follower mitgekommen, die sich mit mir zusammen weiterentwickelt haben. Und über die kann ich sehr, sehr gut rekrutieren. Das heißt, 80-85 Prozent meiner Mitarbeiter stammen aus meiner eigenen Followerschaft, die mich als Fitness-YouTuber kannten, mit mir die Reise durchgegangen sind, weil vielleicht auch nebenbei noch die Unternehmer-Videos für sie interessant waren. Sie kennen mich sehr, sehr gut. Ich habe über 1000 Videos auf YouTube veröffentlicht und die sind mir sehr loyal gegenüber. Die können mich sehr gut einschätzen. Die finden mich auf eine Art und Weise sympathisch, sonst würden sie mir nicht fünf Jahre lang folgen, und die wollen natürlich das, was ich habe. Dieses Herumreisen und ein so tolles Leben. Es ist wirklich ein schönes Leben. Und die wollen mit mir auf diese Reise kommen. Und die nehme ich auf diese Reise mit.

Stefan Dietz: Ich lache deshalb, weil – da muss ich jetzt einen kleinen Sidekick machen – wenn wir mit jungen Menschen oder über junge Menschen sprechen, die sich überlegen: Was mache ich als Beruf? Dann ist Influencer werden so die Horrorvorstellung. Viele Erwachsene sagen: Wenn meine Kinder kommen und sagen sie wollen Influencer werden, dann werde ich wahnsinnig. Schauen Sie sich mal an, was der Ben Sattinger so aufgebaut hat. Das ist glaube ich nicht die schlechteste Variante als Berufswahl. Da kann man hinterher ganz, ganz toll ein Unternehmen drauf aufbauen.

Ben Sattinger: Aber auch das hat Nachteile. Ich bin einer der wenigen Influencer von damals, die immer noch aktiv sind in der Onlinewelt und damit auch Erfolg haben. Weil die meisten Influencer keine Lust mehr gehabt haben, diese Influencer zu sein – und das Problem ist: Ich verdiene ja mein Geld damit. Also würde ich nicht das Unternehmen haben, würde ich immer noch Bankdrück-Videos machen, weil mir das die größte Reichweite bringt und damit verdiene ich mein Geld. Aber wenn ich mich weiterentwickeln möchte und nicht mehr Bankdrück-Videos machen möchte oder Theorie-Videos, weil ich schon alles erklärt habe, dann verliere ich meine Reichweite und mit der Reichweite verdiene ich Geld. Es ist schön und gut, weil man über die eigene Person sehr schnell ein Personal Branding aufbauen kann – das ist immer leichter aufzubauen als ein anderes, eigenständiges Branding. Man sollte sich dann auch wirklich sehr klug überlegen: Wo geht die Reise hin? Wie lange möchte ich es machen? Ich habe halt an meinem Peak meiner Bekanntheit gesagt: Hey, das nutze ich jetzt, um mein Fitness-Unternehmen zu gründen. Mit dieser Reichweite. Und das wird das Fitness-Unternehmen. Es war auch maximal Personal Branding. Das war Ben Sattingers Online-Akademie, was natürlich am Anfang sehr gut funktioniert hat. Und Schritt für Schritt haben wir mich immer weiter rausgeholt. Jetzt ist es nur noch die online Akademie und die Kunden kennen mich eigentlich gar nicht mehr. Also 5% der Kunden kennen mich bestimmt noch, aber die meisten kennen mich nicht mehr. Jetzt habe ich ein eigenständiges Unternehmen, eine eigene Marke, die ist bekannt geworden, und ich muss nicht mehr Bankdrück-Videos machen, um mein Geld zu verdienen.

Stefan Dietz: Natürlich ist das nicht leicht, aber du bist ja einfach ein lebendes Beispiel, wie so ein Weg weitergehen kann. Und wenn man jetzt nochmal näher drauf guckt, wie ihr das Ganze tatsächlich so führt: Du hast die Menge der Menschen gesagt, aber vielleicht magst du auch noch was zu der Größenordnung sagen – das ist ja keine kleine Klitsche, wie ich mich selbst überzeugen konnte, sondern ihr habt ja wirklich ein nennenswertes Unternehmen aufgebaut, von dem man sagen kann: Das ist ein richtiger Mittelständler.

Ben Sattinger: Wie gesagt, wir haben die 40 festangestellten Mitarbeiter und wir haben nochmal knappe 40 bis 50 Freelancer, die für uns arbeiten. Ein Großteil davon sind unsere Dozenten. Wir haben ein Dozenten-Netzwerk. Ich muss da vielleicht ein bisschen ausholen. Bei uns kann man diese Online-Fitness-Trainer-Ausbildung kaufen und komplett durchgehen, aber die letzten fünf bis zehn Prozent, da muss man tatsächlich noch in einem Fitnessstudio eine praktische Ausbildung haben und eine praktische Abschlussprüfung. Und die schriftliche Abschlussprüfung, dafür haben wir 25 Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgebaut, wo unsere Dozenten vor Ort sind und die Kunden sehr individuell in diesen zweitägigen Präsenz-Phasen durcharbeiten. Das ist ein großer Pott an Freelancern, die für uns arbeiten, die auch unsere Dozenten sind, und auch mit uns zusammen wiederum Ausbildungen erarbeiten können.

Stefan Dietz: Da ist wirklich ein ganz substanzielles Unternehmen entstanden. Das klingt trotzdem für jemanden, der das nicht erlebt hat, immer noch schwer vorstellbar. Und jetzt ist natürlich die Frage: Wie stellt man denn sicher, dass überhaupt eine Leistung funktioniert? Ihr habt natürlich Eure Umsatzziele, Ihr habt eine gute Ertragslage und Ihr müsst Ergebnisse produzieren, dass da einfach Stückzahlen gemacht werden, dass Marketingaktionen funktionieren… Und natürlich muss jeder einzelne Mitarbeiter ja auch seine Leistung zeigen, wenn nun jeder irgendwo sitzt. Auch die Frage, wie viele von ihnen reisen wirklich ständig? Wie viele sitzen einfach gerne zu Hause oder sind in der Betreuung von Kindern als Grund für die Flexibilität? Das solltest du vielleicht auch nochmal beleuchten und dann nochmal mehr dazu sagen: Wie funktioniert das eigentlich? Wie steuert Ihr, wie kontrolliert Ihr, dass die Leute auch wirklich produktiv sind?

Ben Sattinger: Ich schätze ein Fünftel von uns sind digitale Nomaden, die wirklich nur herumreisen das ganze Jahr. Die haben auch teilweise keinen festen Wohnsitz. Die sind in Deutschland abgemeldet. Zwei Fünftel sind welche, die einfach nur für sich im Homeoffice arbeiten wollen, die nicht in einem Büro sind, die auch nicht auf die Reisen mitkommen.

Die anderen zwei Fünftel sind die, die mit uns regelmäßig auf den Reisen unterwegs sind und auch selber teilweise manchmal reisen, aber trotzdem noch ihre Homebase In Deutschland habe.

Stefan Dietz: Und dadurch natürlich mehr Reisen, als sie es sonst nur in ihrem Urlaub täten.

Ben Sattinger: Und das ist auch nicht Urlaub. Das ist nicht so: Ich gehe mal eben eine Woche nach New York. Ich war zum Beispiel gerade zwei Wochen in New York. Du bist natürlich vor Ort, du arbeitest aber auch den ganzen Tag. Dann versucht man zumindest vielleicht nicht acht Stunden zu arbeiten, sondern nur sechs oder vielleicht nur halbtags zu machen, dafür früh aufstehen, dann halt irgendwie schauen, dass man am Nachmittag auch noch New York erkunden kann. Das geht aber nicht mehr in einer Woche New York. Für New York reicht eine Woche voll aus, wenn man da im Urlaub ist und von morgens bis abends was erkundet. Aber wenn man da eher diesen Reise-Charakter hat und arbeitet, dann sollte man eher die Zeit verdoppeln und vielleicht sogar verdreifachen, um sich nicht zu sehr abzuhetzen und Arbeit und Touristen-Themen einfach schnell abzuarbeiten. Dann ist es richtig stressig und das sollte es ja auch nicht sein.

Stefan Dietz: Man merkt bei Dir, dass du natürlich ein zielorientierter, disziplinierter Mensch bist. Sonst kannst du solche Ziele ja auch nicht erreichen. Aber wie steuert Ihr denn die Arbeitsprozesse? Wie kriegt Ihr mit: Was hat wer gemacht? Und stellt sicher, dass wirklich jeder produktiv ist? Gerade, wenn man irgendwo ist, wo die Ablenkung groß ist, da ist es ja doppelt schwer.

Ben Sattinger: Die Frage bekomme ich öfter gestellt: Wie kontrolliere ich eigentlich die Arbeit meiner Mitarbeiter? Wir haben natürlich die ein oder andere Möglichkeit zu kontrollieren, welche Aufgaben erledigt wurden. Wir haben ein Projektmanagement-Tool – Asana nennt sich das – in dem man auch nachvollziehen kann, an welcher Aufgabe er gerade gearbeitet hat. Man kann Daten abrufen, wann die ersten E-Mails raus- und reingegangen sind über unsere Server. Bei uns ist alles in der Cloud, das heißt, wenn der Laptop an ist und jemand arbeitet, dann ist alles in der Drop Box und das synchronisiert sich die ganze Zeit. Man kann auch schauen: Wann hat sich die Drop Box das erste und das letzte Mal synchronisiert und was sind da für Daten rauf und runter geflossen? Man kann nicht ganz genau schauen, was jemand gemacht hat. Wenn man da so ein bisschen hinterherspionieren möchte, dann kann man das in dieser Art und Weise. Machen wir aber nicht und müssen wir auch gar nicht, weil es komplett auf Vertrauensbasis ist. Es ist einfach komplett hundertprozentig Vertrauensbasis – dadurch, dass wir so eine enge Bindung zueinander haben, dass wir zusammen reisen, dass wir zusammen Abenteuer erleben. Das ist eine ganze Familie geworden. Da sind Freundschaften entstanden. Da sind Beziehungen entstanden. Das ist wie ein Klassentreffen. Wir haben nicht nur diese drei Reisen im Jahr, sondern auch noch zwei OTL-Wochenenden, wo wir alle Mitarbeiter zu uns nach Berlin holen, wo dann auch wirklich alle Mitarbeiter dabei sind. Auf den Reisen sind immer nur ungefähr ein Drittel dabei. Im Moment sind 15 mit uns hier in Kapstadt. Wir haben fünf Events, wo wir uns auf jeden Fall im Jahr zusammentreffen, entweder im Ausland oder im Inland. Und dann haben wir noch die anderen Messen und anderen Events, wo man sich auch immer wieder sieht. Es ist wie ein Klassentreffen. Und die Mitarbeiter freuen sich jedes Mal wieder, ihre richtig guten Freunde zu treffen, mit ihnen Zeit zu verbringen. Es ist eine sehr, sehr hohe Vertrauensbasis. Wir haben auch eine Tageszusammenfassung. Jeder Mitarbeiter muss an seinen Vorgesetzten in der Struktur eine Tageszusammenfassung schreiben: „Ich habe heute das und das gemacht. Da habe ich vielleicht noch die und die Rückfrage. Kannst du mir da noch mal weiterhelfen? Ich habe gemerkt, bei XY ist das Problem aufgetreten. Wie siehst du das?“ Und wir haben noch eine Zeiterfassung. Das ist ein ganz simples Excel-Dokument, wo man einfach einträgt: Ich habe jetzt um acht angefangen, da habe ich E-Mails bearbeitet, und um neun hab´ ich dann Pause gemacht. Um zehn habe ich dann Asana, um elf habe ich dann einen Call gehabt mit Team Marketing. Es wird alles nochmal dokumentiert. Und that’s it.

Stefan Dietz: Also, ich hatte ja nun gerade auch den Spaß und das Vergnügen, meinen ersten Workshop barfuß zu machen. Weil wir in einem Team-Workshop einen Status quo „Wo stehen wir in dem Wachstum?“ gemacht haben. Und ich kann es nur bestätigen, dass sind einfach tolle Typen, tolle Menschen, mit einem klasse Zusammenhalt – also das Stichwort familiäre Atmosphäre, Vertrauen, eine besondere Kultur. Das ist auch ganz oft gefallen. Wie würdest du das beschreiben? Was zeichnet die Unternehmenskultur von OTL aus?

Ben Sattinger: Erst mal diese absolute Vertrauensbasis. Das ist die absolute Basis, die wir benötigen. Die Mitarbeiter sind sehr loyal uns gegenüber. Wir sind aber auch unseren Mitarbeitern sehr loyal gegenüber. Das ist genauso, wenn man ein Bewerbungsgespräch oder Einstellungsgespräch hat – dann entscheiden ja nicht nur wir uns für den Mitarbeiter, sondern der Mitarbeiter muss sich ja auch für uns entscheiden. Ja, das Unternehmen passt zu mir, die Geschäftsführer passen zu mir. Ich kann mir das vorstellen, mit denen dann auch dementsprechend den gemeinsamen Weg zu gehen. Da sind wir auch sehr, sehr offen und transparent. Unsere Firmenphilosophie ist dieses familiäre Miteinandersein. Man ist füreinander da. Man erlebt auch gemeinsam. Wir bezahlen die Reisen. Die erste Woche ist ganztags, die zweite halbtags. Und am Nachmittag macht nicht jeder sein eigenes Ding, sondern wir gehen dann raften, wir gehen klettern, dann gehen wir hier zum Wine Tasting. Es ist einfach dieses freundschaftliche Miteinander. Wir sind alle Kollegen und wir sind auch alle Freunde.

Stefan Dietz: Als wir uns abgestimmt haben, worum es in dem Workshop so gehen kann und ich witzigerweise in Bangkok war und du in Berlin, fand ich es hochspannend als ich gefragt habe, wie Ihr Euch organisiert. Ich war ganz erstaunt, dass Ihr im Grunde eine super klar strukturierte Besprechungs-Hierarchie und Struktur im Unternehmen habt. Die Frage, die sich natürlich jeder stellt, ist: Wie macht Iihr denn Besprechungen, wenn keiner im Büro ist? Wie funktioniert das?

Ben Sattinger: Erst mal zur Struktur und Hierarchie vielleicht. Wir haben zwei Geschäftsführer, ich und mein bester Freund. Dann haben wir Abteilungsleiter: Marketingabteilung, Kundenmanagement, IT, die Dozenten – also einen, der die ganzen externen Dozenten betreut – und Personalwesen und Buchhaltung. Das ist unsere Struktur. Wir haben wöchentliche Team-Meetings. Montags und freitags ist ein Team-Meeting, wo das ganze Team zusammen in einem sogenannten Zoom-Call, an einer Videokonferenz, teilnimmt, wo der Bildschirm in kleine Bildschirme aufgeteilt ist und man sieht alle auf einen Blick. In einer großen Runde. Dann haben wir einmal pro Woche einen Abteilungsleiter-Call. Das heißt, alle Abteilungsleiter sitzen zusammen und besprechen die anstehenden Themen. Wir haben einmal in der Woche den Gesellschafter-Call. Der Gesellschafter bin ich als Gesellschafter/Geschäftsführer, Sven als Geschäftsführer und dann noch unser CMO, das ist unser Marketing-Abteilungsleiter, der Gesellschaftsanteile bekommen hat. Und in dieser Konstellation callen wir dann auch nochmal. Und dann hat natürlich jede einzelne Abteilung nochmal ihren eigenen Abteilungs-Call.

Stefan Dietz: Also im Grunde ganz genau eins zu eins das, was man auch jedem Offline-Unternehmen, wo alle an einem Standort sitzen, sagen würde, nur dass es dort in Meeting-Räumen stattfindet. Und für Euch ist ganz selbstverständlich, ein Meeting ist natürlich per se ein virtuelles, ein Zoom-Call, ein Skype-Call. Und die Ausnahme ist, wenn man wirklich persönlich zusammen ist. Und dann macht ihr natürlich ganz andere Dinge, die im Grunde viel wertiger sind. Wenn du jetzt vergleichst, Zoom-Calls, Besprechungen, die komplett online stattfinden… Wenn man das so gewöhnt und vertraut ist, wie Ihr es seid, ist das produktiver als richtige Meetings an Tischen, oder siehst du da Unterschiede? Worauf kommt es an, dass das funktioniert?

Ben Sattinger: Es ist schwer zu sagen, was genau jetzt produktiver ist. Wir haben auch einen, der das ganze Team-Meeting protokolliert. Bevor der Call beginnt, haben wir schon Tagesordnungspunkte, die auch von allen Teams in dieses Protokoll eingetragen werden können, in Asana, unserem Projektmanagement-Tool. Und jeder hat dann die einzelnen Punkte vor sich vor Augen. Es wird live mitprotokolliert und jeder sieht, was gerade geschrieben wird. Und Du bist natürlich immer sofort am Ball und kannst sofort mitlesen und sofort einsteigen. Ich glaube, dass das in einem Meeting so nicht so einfach funktioniert. Da sitzt vielleicht einer, der mitprotokolliert und vielleicht gibt’s eine Tafel, wo die Tagesordnungspunkte angeschrieben sind, aber währenddessen kann nicht jeder noch nebenbei den nächsten Punkt vorbereiten und einen Asana-Task aufmachen, in dem er sich schon vorab ein paar Punkte notiert hat. Ich kann dazu nur sagen, dass die Team-Meetings sehr, sehr gut funktionieren, sehr, sehr produktiv sind und man auch immer sofort durch unser Projektmanagement-Tool Folgetasks vergeben kann und dann wird dort wieder weitergeschrieben. Also sehr produktiv.

Stefan Dietz: Also ich finde das immer so witzig, wenn ich so zwischen den Welten unterwegs bin, weil natürlich diejenigen, die vom analogen Meeting her kommen, das als den Normalfall empfinden. Und der Übergang ist sicherlich manchmal auch schwierig. Diejenigen, die sozusagen direkt im virtuellen Meeting aufwachsen, für die hat es sofort Vorteile. Das kann ich inzwischen sehr nachvollziehen, weil man viele Dinge viel effizienter machen kann. Und es kann ganz genauso gut funktionieren. Das ist ja der Kern. Der Eindruck ist ja ganz klar. Da ist ein super gut funktionierendes, wachsendes Unternehmen mit Herausforderungen, die andere auch haben, und die Lösungen sind gar nicht so arg anders. Es ist nur das Medium ein anderes und die Menschen sitzen halt an verschiedenen Stellen und nutzen einfach diese Freiheit. Was siehst du denn, wenn du so in der Unternehmensführung weiterdenkst? Was sind die größten Herausforderungen in Eurer Konstellation als remote-geführtes Unternehmen mit dieser besonderen Kultur?

Ben Sattinger: Das ist das Wachstum, weil für uns natürlich sehr wichtig ist, dass wir das Familiäre untereinander auch beibehalten. Wenn wir jetzt vielleicht mal hundert Mitarbeiter sind, wird es durchaus schwieriger. Es ist nicht unmöglich. Wir müssen einfach die Strukturen noch weiterführen. Da gibt es natürlich noch eine weitere Abteilung und noch eine Unterkategorie, noch mehr Teams. Das würde schon alles gut funktionieren. Eine Abteilung oder ein Team oder eine Führungsperson mit fünf bis sieben Mitarbeitern in einem Team zusammen, das würde ohne Probleme funktionieren. Nur dieses familiäre Miteinander würde vielleicht etwas verloren gehen, weil wir nicht mehr dieses „Hey jetzt fliegen wir mal dahin“ hätten. Hier in Kapstadt habe ich jetzt die größte Villa gebucht, und sie hat acht Schlafzimmer. Da können wir nur fünfzehn, sechszehn Personen mitnehmen. Mehr geht nicht. Und ich will jetzt auch nicht zwei Villen, die getrennt voneinander sind, weil dann da zwei Gruppen sind, und ich will auch nicht ins Hotel. Da sind wir schon ein bisschen limitiert.

Stefan Dietz: Also liebe Immobilienbesitzer: baut, größere Villen. Es wird Bedarf geben. Ich glaube das wird es öfter geben.

Ben Sattinger: Definitiv, aber wir versuchen, uns jetzt darauf zu konzentrieren, nicht noch weiter in der Mitarbeiterstruktur zu wachsen. Natürlich wollen wir vom Umsatz her noch weiter wachsen, vom Gewinn noch weiter wachsen. Aber wir müssen einfach noch effizienter werden. Mehr auf das konzentrieren, was wir schon gut können, nicht noch ein paar tausend Projekte nebenbei, sondern vielleicht auch mal zu Projekten sagen: Nein, können wir nicht. Das sprengt den Rahmen. Wir wollen gar nicht mehr so viel wachsen. Wir bleiben so. Besser werden, optimieren, effizienter und die Produkte und Prozesse, die wir haben, einfach noch besser machen.

Stefan Dietz: Also wie gesagt, ich habe jetzt auch viele aus eurem Team kennenlernen dürfen und mich näher damit beschäftigt, wie ihr arbeitet. Und da kann man wirklich sagen: Ein tolles wachsendes Unternehmen, das jetzt gut vier Jahre alt ist und eine Größe und eine Struktur geschaffen hat, für die andere sicherlich viel, viel länger brauchen. Und komplett remote organisiert mit dieser Besonderheit dieser Reisen, die natürlich einen hohen Identifikationsfaktor haben, einer tollen Kultur, die so eine Friendship-Qualität, Familien-Qualität hat. Also beste Voraussetzungen damit natürlich auch weiter erfolgreich sein zu können. Und was ich hoch spannend finde: Ein lebender Beweis, dass man ein Unternehmen remote führen kann. Gerade das remote Führen, Du hast es ja beschrieben, da gibt es einige Mitarbeiter, die sind permanent woanders. Es gibt andere, die bleiben zu Hause. Ihr beide als Leader-Paar sozusagen, lebt nochmal einen besonderen Stil. Du bist so oft auch gar nicht in Berlin. Wie ist dein persönliches Modell des Unterwegsseins?

Ben Sattinger: Meine Freundin arbeitet auch bei uns im Unternehmen – ist Personalchefin geworden. Das passt natürlich perfekt, wenn ich mit meiner Freundin zusammen um die Welt reisen kann und wir währenddessen in meinem Unternehmen zusammenarbeiten können.

Stefan Dietz: Als Du mir das erzählt hattest, hatte ich so die Analogie: Das ist das klassische Modell im erfolgreichen Handwerksunternehmen oder in vielen kleinen Mittelständlern, in denen diese Verbindung aus Familie und Beruf oft sehr, sehr gut und vertrauensvoll funktioniert. Aber bei Euch ermöglicht das natürlich auch noch einmal einen anderen Lebensstil.

Ben Sattinger: Es ist natürlich auch sehr, sehr gut, dass meine Freundin die Personalführung übernimmt und das Personalwesen, weil sie auch für mich so ein bisschen das Ohr ist, in die Mitarbeiter. Ich kann natürlich nicht mehr mit jedem einzelnen Mitarbeiter persönlichen Kontakt haben, aber das kann sie und das macht sie. Und sie bekommt viel, viel einfacher, viel schneller mit, wenn es vielleicht mal irgendwo irgendwelche Probleme gibt. Wenn ein Mitarbeiter ein privates Problem hat, bekomme ich das nicht mit, aber das bekommt sie mit. Und das kann man dann so noch auf einem direkten, einfachen Weg klären.

Stefan Dietz: Euer persönliches Modell. Ihr seid ja nicht nur in den 14 Tagen in Kapstadt, sondern in der Regel dann auch nochmal länger unterwegs. Auch das ist ja immer eine Frage: Welche Lebensstile können Chefs denn realisieren?

Ben Sattinger: Wir sind schon sehr zu digitalen Nomaden geworden. Wir haben in Berlin unsere Homebase. Wir haben dort ein schönes, großes Loft, das man sehr gut über AirBnB untervermieten kann. Das heißt wir haben nicht mal Kosten, wenn wir weg sind. Wir haben das Loft, das schon eine ordentliche Miete hat, die wir aber wieder reinbekommen und sogar noch Gewinn machen. Wir können das sehr, sehr gut über AirBnB vermieten, weil wir halt auch viel über Ranking und Onlinemarketing wissen. Wir haben einfach das beste Loft in ganz Berlin. Da kann man dementsprechende Preise verlangen. Das heißt, wir sind unterwegs, haben trotzdem unsere feste Base, verdienen damit noch Geld obendrauf. Ein bisschen was für die Reisekasse. Wir sind teilweise umsonst unterwegs, weil das teilweise sogar die Reisen finanziert. Und wir sind acht, neun Monate unterwegs. Wir sind jetzt zwei Monate lang in Kapstadt, wir sind zwei Monate lang an der US-Westküste, wir sind zwei Monate in Australien. Das ist eine unserer großen Reisen, wo wir natürlich auch mit dem Team da sind. Wir sind schon mal vor Ort, die anderen kommen dann nach und wir bleiben noch mal länger. Dazwischen gibt es immer noch mal kleine Mini-Reisen, sodass man irgendwie auf acht, neun Monate kommt.

Stefan Dietz: Cool. Sehr schön. Einfach ein tolles Konzept, das auch sehr gut funktioniert. Natürlich hat man ganz oft, wenn man so etwas diskutiert, so den Blick: Ja, das können die Internet-Unternehmer so machen, aber in so einem „richtigen“ Gewerbe funktioniert es nicht. Da würde ich jetzt gerne mit Dir nochmal drauf schauen, weil Du natürlich auch verschiedene Unternehmen gesehen hast, und Iihr hattet das auch immer wieder in der Diskussion stehen mit dem, was Ihr macht. Wenn man sich jetzt so die klassische analoge Welt anguckt, auch da wird ja viel diskutiert. Manche diskutieren noch über Homeoffice, andere diskutieren schon über: Kann man Remote in einem normalen Unternehmen als Mitarbeiter arbeiten? Wenn Du diese beiden Welten siehst, was glaubst Du denn, wie wird sich das entwickeln? Wird es viel mehr Unternehmen geben, die so was wie Ihr so konsequent leben? Oder wird das die Ausnahme bleiben?

Ben Sattinger: Wenn es die Ausnahme bleibt, dann werden die Unternehmen zukünftig große Probleme haben. Es gibt eben andere Unternehmen, die bessere, innovativere, flexiblere Arbeitsbedingungen bieten und dann werden den großen Unternehmen, die das nicht machen, die Mitarbeiter weglaufen. Ganz einfach. Bei uns sind sie flexibel, frei, haben einen gut bezahlten Arbeitsplatz, haben Gewinnbeteiligung am gesamten Unternehmensgewinn. Das ist mittlerweile auch schon nicht wenig. Wir können vielleicht auch mal die Umsatzzahlen reden. Wir haben 2018, also letztes Jahr, zwischen 2,6 und 2,9 Millionen Euro Umsatz gemacht. Ich schätze mal so auf 2,8 Millionen wird es hinauslaufen. Und wir haben eine dreiviertel Million Euro Gewinn dabei. Und die Mitarbeiter haben daran Gewinnbeteiligungen. Und umso weiter, umso besser das Unternehmen wächst, desto mehr Umsatz, mehr Gewinn, desto mehr wird der Mitarbeiter da dementsprechend immer einen Bonus bezahlt bekommen. Wir versuchen einfach, der beste Arbeitgeber der Welt zu sein. Wir versuchen, alle unsere Wünsche und die Ziele der Mitarbeiter zu erfüllen, ihnen den besten Arbeitsplatz zu bieten, dass sie ihre beste Arbeit leisten können und dass sie sich selbst verwirklichen können, dass sie aufgehen können, dass sie ihre privaten Ziele auch mit den Unternehmenszielen in Einklang bringen können. Dass sie sehr viel Verantwortung haben. Selbstverwirklichung, das ist eigentlich auch ein ganz großgeschriebener Punkt bei uns. Jeder kann das Unternehmen auch noch weiter nach vorne bringen.

Stefan Dietz: Das ist auch ein Punkt, der zum einen spürbar war, wenn man mit dem Team gearbeitet hat oder der mir auch sehr gut gefällt an der Art, wie Du über Führung sprichst. Du selber sagst, es geht nicht nur darum, über die Arbeit und die Leistungen zu reden, sondern es geht insgesamt darum, dass sich jemand mit dem Unternehmen identifiziert, seine persönlichen Ziele hat und dass Ihr euch dafür auch Zeit nehmt und auch miteinander arbeitet und Unterstützung und Modelle ganz unterschiedlich sein können. Ich glaube, es wird deutlich: diese unglaubliche Flexibilität plus die ja nun wirklich attraktive Form, von der manche meinen, dass man davon nur träumen kann: Ihr lebt es vor. Es geht und es ist eine tolle Umgebung. Stellen Sie sich vor: Auch jetzt im Workshop. Die Teilnehmer sitzen nicht auf Stühlen. Es gibt keine Pinnwand, es gibt kein Flipchart, es ist ein großes Wohnzimmer. Jeder hat irgendwie ein Kissen, ein Sofa. Alle in Shorts und T-Shirt. Es ist 25 Grad. Wir gucken gemeinsam aufs Meer und trotzdem ist es genauso, wenn nicht konzentrierteres und hoch energetisches Arbeiten, wenn es darum geht: Wo stehen wir? Wo klemmt es? Wo können wir uns weiterentwickeln? Im Grunde ist das mindestens so produktiv, wie wenn man in den angeblichen top Umfeldern arbeitet. Aber sofort wenn man aufgehört hat, können die einen in den Pool springen, die anderen können Sport auf dem Rasen machen und die dritten gehen ans Meer, und es ist ganz nah beieinander. Und das ist natürlich eine großartige Form von Produktivität und Lebensqualität in einem. Und das eben nicht nur für einzelne Freelancer, die für sich super erfolgreich sind, sondern eigentlich für alle, die dabei sind. Das ist ja eine großartige Form.

Ben Sattinger: Im Prinzip sind alle unsere Mitarbeiter Unternehmer in einem eigenen Unternehmen. Genau so funktionieren auch alle. Jeder denkt für das Unternehmen und denkt mit dem Unternehmen. Und das ist auch ein Teil ihres Unternehmens, auch natürlich mit der Gewinnbeteiligung. Es ist extrem wichtig, um Mitarbeiter zu halten. Denn wenn ein Mitarbeiter einmal kündigt oder wenn der Mitarbeiter einmal unzufrieden ist und irgendwann mal für sich selber die Entscheidung trifft: Nein, irgendwie ist das nicht mehr so richtig was für mich. Ich werde nicht wertgeschätzt, oder ich verdiene zu wenig, oder meine Kollegen sind scheiße zu mir oder sonst was. Dann hat er auch irgendwann schon für sich damit abgeschlossen. Das heißt, die Produktivität wird nicht mehr bei 100 Prozent liegen. 100 Prozent ist es eh bei niemandem. Auch im Büro sind die Mitarbeiter nicht 100 Prozent produktiv. Im Gegenteil. Da wird man ganz oft abgelenkt. Da gibt’s immer zwei, drei Büroclowns, die dann Quatsch mache. Ich würde sagen, dass im Homeoffice die Produktivität höher ist. Klar wirst du da auch abgelenkt. Du machst vielleicht währenddessen Mittagessen, der Postbote klingelt und vielleicht gehst du mal kurz Gassi oder die Freundin sitzt noch im Hintergrund. Aber du kannst ja diese Zeit komplett selbst einteilen. Nicht ganz – wir haben eine Kernarbeitszeit. Da muss jeder da sein, damit wir uns überhaupt alle erreichen können. Aber wir haben auf jeden Fall auch Gleitzeit und die restlichen Stunden können sie sich komplett selbst einteilen, so wie es in ihren Arbeitsalltag rein passt.

Stefan Dietz: Das ist auch, was ich wirklich von vielen Menschen, die ich dazu gesprochen habe, höre: Homeoffice kann hoch produktiv sein. Wie mir das kürzlich jemand sagte: Überleg dir mal Folgendes: normalerweise, wenn jemand ins Büro geht, steht er auf. Die Mädels mehr als die Jungs, stehen eine ganze Weile im Bad, um sich irgendwie schick zu machen für Leute, die man gar nicht unbedingt mag, sondern einfach nur mit ihnen arbeitet. Dann steht man noch eine Stunde im Stau und dann fährt man irgendwo hin, fährt seinen Rechner hoch und telefoniert mit Menschen. Und so kannst du aufstehen und hast ein zerknittertes T-Shirt an, nimmst dir deinen ersten Kaffee, klappst den Rechner auf und bist produktiv. Da fällt einfach ganz viel Blindleistung weg und Ihr zeigt, dass man das auch steuern kann. Jetzt will ich trotzdem nochmal weiterfragen. Ihr als Gründer seid das Ganze ja von Anfang an mit dem Konzept angegangen, dass bloß nichts im Büro stattfindet. Da ist es dann konsequent und es ist die einzige Struktur. Jetzt haben aber natürlich die meisten Unternehmen eine analoge Grundstruktur. Und natürlich legen viele ihre Daten in die Cloud und vieles modernisiert sich von der technischen Seite. Was würdest Du denn Unternehmern, die jetzt ein ganz klassisches Unternehmen führen, empfehlen? Haben die ne Chance, sich zu transformieren? Oder müssen sie einfach warten, bis andere Firmen sich nebendran neu gründen und ihnen das Geschäft wegnehmen?

Ben Sattinger: Das wäre der größte Fehler, den sie machen können. Die meisten Tätigkeiten, die im Büro heutzutage gemacht werden, sind am Computer. Und da muss man nicht ins Büro gehen, um dort seinen Computer zu haben. Man kann sich den Computer zu sich nach Hause holen. Dann kann man genau die gleiche Arbeit machen. Ob ich jetzt mit jemandem in einem Meeting sitzen muss oder über Skype eine Videokonferenz habe – das Ganze funktioniert genauso. Ich muss nicht ins Büro gehen, um mit jemandem den ganzen Tag zu telefonieren. Das kann ich auch von zuhause. Man kann alles digitalisieren und irgendwie in der Cloud ablegen. Und da brauche ich keine Aktenordner mehr. Wir haben auch keine Aktenordner. Wir haben natürlich auch viele Dateien und Dokumente, aber die sind digitalisiert. Jeder ist da mit einem Klick da. Ich muss nicht mal irgendwo hingehen und die Aktenordner holen. Es geht definitiv alles. Man muss es einfach nur einmal wagen und den ersten Schritt machen. Der erste Schritt ist, dass man schaut: Was haben die Mitarbeiter für alltägliche Aufgaben? Was machen die den ganzen Tag? Vielleicht kann man sich mal ins Büro nebenan setzen. Und wenn das gut funktioniert, dann muss er nicht im Büro sitzen, sondern kann vielleicht auch bei sich zu Hause sitzen. Und wenn das gut funktioniert, dann kann er auch in einem anderen Land auf der anderen Seite der Welt in einer anderen Zeitzone sitzen.

Stefans Dietz: Was wir ja auch immer wieder feststellen: Am Strand in Thailand ist das WLAN mindestens so gut, wie wir das kennen.

Ben Sattinger: Teilweise besser als in Deutschland.

Stefan Dietz: Von daher ist das tatsächlich technisch alles schon längst möglich. Ihr seid, wie gesagt, ein wunderschönes Beispiel dafür, wie man das ausgestalten kann in einer besonderen Form, die sowohl für Mitarbeiter total klasse ist, aber auch für die Chefs natürlich ein hohes Maß an Lebensqualität hat und auch ein tolles Beispiel sein kann, was ermutigen soll. Das ist für mich auch so ein ganz wichtiger Punkt zu sagen: Es geht viel mehr, als man gemeinhin glaubt. Und wenn man jetzt ein klassisches Unternehmen hat, kann man vielleicht einfach mal mit einem Team oder mit einzelnen Mitarbeitern Dinge ausprobieren und sich langsam herantasten und dann feststellen: Es geht ja und es kann ganz viele Vorteile bringen. Da sind glaube ich ganz viele Menschen, die einfach ein Bedürfnis nach Freiheit haben und nach mehr Flexibilität. Und das ist natürlich in einem gewachsenen Unternehmen schwierig, wenn man IT-Strukturen hat und man ganz viele Dinge beachten muss. Es dauert bis so etwas funktioniert. Aber ihr seid in jedem Fall ein tolles Beispiel. Zum Schluss, wenn du so in die Zukunft guckst und mal fünf Jahre weiterdenkst: Wo siehst Du Euch?

Ben Sattinger: Wir haben mal so ein bisschen herumgesponnen und wir haben in den letzten Jahren ein sehr schönes, rasantes Wachstum gehabt, einen komplett gesundes organisches Wachstum, ohne Investoren. Unsere ersten 400 Euro Gründungskosten sind mittlerweile zu mehreren Millionen geworden. Schon beachtlich, was in den vier Jahren so organisch, von sich selbst, gesund entstanden ist. Und in den nächsten sagen wir mal vier Jahren werden wird bestimmt irgendwo doppelt so effizient sein oder noch effizienter und vielleicht schon dreifache Umsätze haben und fünffache Gewinne. Dann stellt man sich auch die Frage: Was machen wir mit dem ganzen Geld?

Stefan Dietz: Happy Problems nennt man das.

Ben Sattinger: Wir würden gerne komplette Standorte aufbauen, dass wir nicht mehr hier die größte Villa in Kapstadt mieten müssen, sondern dass wir vielleicht die größte Villa in Kapstadt kaufen oder selbst bauen. Und dann haben wir drei, vier, fünf Standorte auf der ganzen Welt verteilt, wohin wir dann unsere Teamreisen machen. Wo aber auch unser Team vor Ort einfach leben und arbeiten kann und auf das Team wartet, dass es mal vorbeikommt.

Stefan Dietz: Oder zwischendurch andere Unternehmen in ähnlicher Größenordnung eure Locations nutzen können.

Ben Sattinger: Es ist wirklich so. Das ist ja auch nicht günstig, die größten Immobilien an den besten Plätzen immer zu bekommen, zu mieten. Dann kann man vielleicht auch mal dort das Ganze als Immobilieninvestments ansehen und wir müssen eh unser Geld reinvestieren. Und ob wir es jetzt in Immobilien in Deutschland investieren oder in Immobilien auf der ganzen Welt verteilt, das ist natürlich auch ein ganz großer Unterschied. Aber das wäre so ein Punkt, der bestimmt in den nächsten Jahren auf uns zukommen wird.

Stefan Dietz: Coole Vision.

Ben Sattinger: Vielleicht andere Unternehmen übernehmen, unsere Konkurrenz übernehmen. Unsere Konkurrenz ist komplett offline. Vielleicht Akademien. Vielleicht kann man da, je nachdem, wie das mit dem Geld ausschaut, dort die Konkurrenz übernehmen. Also wir haben dann einfach ein Offline-Unternehmen und ein Online-Unternehmen, dass die Offline-Welt nicht mit der Online-Welt konkurriert, dass wir sie aber auch kontrollieren können. Konkurrenz ist natürlich ein Problem. Was machen wir denn, wenn alle Offline-Akademien online platziert werden? Das könnte doch auch eine Konkurrenz für uns werden. Da muss man vielleicht schauen, was wir da für einen großen Fortschritt haben und vielleicht auch schon so groß sind, dass wir diesen Schritt nochmal irgendwie unterbinden können. Ich hoffe mal, von den Mitarbeitern werden wir nicht noch viel größer, weil ich schon noch dieses Familiäre behalten möchte. Vielleicht werden es mal 50 Mitarbeiter. Im Moment sind wir sehr gut aufgestellt. Wir müssen jetzt nicht mehr unbedingt von den Mitarbeitern her wachsen. Also 50 Mitarbeiter. Dann haben wir mehrere Standorte auf der ganzen Welt, an den schönsten Plätzen der Welt.

Stefan Dietz: Man merkt an Deiner Art, dass es Dir nun überhaupt nicht an Visionen mangelt. Und die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich nicht wirklich weiter wächst, ist gar nicht so wahnsinnig groß, so wie ich Dich erlebe. Und das ist auch gut so. Das ist glaube ich auch sehr  typisch, wenn man so ein Unternehmer-Gen im Blut hat, wenn es dann mal irgendwann so einen Punkt erreicht hat, wo man merkt: Jetzt sind wir richtig. Dann wird es langweilig und dann kommen ganz schnell neue Dinge dazu.

Ben Sattinger: Wir haben ja nicht nur diese Fitness Akademie, von der ich jetzt erzählt habe. Wir haben auch noch fünf andere Akademien, die wir im Laufe der letzten zwei Jahre aufgebaut haben, die so ein bisschen vor sich hin dümpeln, weil wir gesagt haben, wir können jetzt nicht nur auf das eine Fitness-Pferd setzen. Wenn da vielleicht mal die anderen Akademien kommen, dann könnte es problematisch werden. Aber dieses Wissen, das wir uns angeeignet haben, jetzt in den letzten vier Jahren – wie produziert man eine Ausbildung? Wie zertifiziert man diese Ausbildung? Wie vermarktet man die ordentlich im Internet? Wie funktioniert dieses Ganze von A bis Z? – das können wir ja mittlerweile. Und das haben wir einfach in anderen Branchen adaptiert und haben dort andere Akademien aufgebaut. Die sind alle schön lukrativ. Das sind digitale Info-Produkte. Da muss man nicht großartig viel machen. Das haben wir aufgebaut, einmal geworben und das kann man skalieren und es wird organisch immer besser und immer besser gerankt und es wächst schon fast automatisch. Wenn man mal Kapazitäten und Zeit hat, baut man das vielleicht noch komplett auf.

Stefan Dietz: Man darf hoffen, dass es bei Euch auch in Zukunft einige interessante Arbeitsplätze geben wird. In jedem Fall wünsche ich Euch da sehr, sehr viel Erfolg bei, freue ich mich, an der einen oder anderen Stelle, mit dabei zu sein. Und ganz herzlichen Dank dafür, dass Du so offen und ehrlich von vielen Dingen erzählt hast. Ich glaube, das kann und soll einfach sehr, sehr inspirierend sein für jeden, der an die Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens denkt. Denken Sie auch an die Kids. Influencer ist einfach nicht das Schlechteste als Start. Man macht auf jeden Fall gute Erfahrungen und in Einzelfällen wird dann sogar ein richtig florierendes Unternehmen daraus.

Beendet Corona den Fachkräftemangel?

Beendet Corona den Fachkräftemangel?

Sieben Fragen und Ideen für vorausschauende Arbeitgeber


Über den Fachkräftemangel zu klagen, ist gerade etwas aus der Mode gekommen. Kurzarbeit, Konjunktureinbruch und Jobverlust sind die Stichworte in den Medien. Menschen haben wieder Angst um ihre Arbeitsplätze, die Arbeitslosigkeit steigt. Ist der Fachkräftemangel Geschichte?

Wir können noch nicht absehen, wie tief die Einschnitte in Konjunktur und Arbeitsmarkt sein werden. Gestern Abend berichtete das Heute-Journal über Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern. So sehr viele sich Sorgen machten, ob alle Jugendlichen in Corona-Zeiten Ausbildungsplätze finden würden – das Gegenteil ist der Fall: Längst nicht alle Ausbildungsplätze können besetzt werden.

Zwar war die Kontaktaufnahme herausfordernder als sonst, weil Jobmessen und Schulbesuche genauso ausfielen wie die normale Berufsberatung. Dadurch hat alles ein paar Wochen länger gedauert als sonst. Was man aber sehen kann: den Betrieben ist völlig klar, dass sie an der Ausbildung nicht sparen dürfen. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Nach der Krise wird die Arbeitsmarktsituation in vielen Berufen wieder ähnlich sein wie vor Corona. Mindestens. Denn die Entwicklung zum Fachkräftemangel haben wir ja größtenteils noch vor uns. Die demografische Verrentungswelle der Babyboomer kommt erst noch – und längst nicht alle Jobs werden wegdigitalisiert.

Der Kampf um die Talente gerät durch Corona in manchen Branchen vielleicht ins Stocken, verschwinden wird er nicht. Wer jetzt glaubt, sich als Arbeitgeber nicht mehr so anstrengen zu müssen, dürfte einem Trugschluss erliegen. Besser ist es, den Blick nach vorne zu richten und sich gerade in dieser schwierigen Zeit kluge Fragen zu stellen. Sieben davon möchte ich Ihnen als Impuls mitgeben:

1. Sind wir als Arbeitgeber auch online sichtbar?

Wer – das gilt für die Suche nach Auszubildenden genau wie für alle anderen Mitarbeitenden – bisher nur auf klassischen Wegen präsent war, sollte die aktuelle Situation unbedingt nutzen und ein paar Dinge ausprobieren. Online sichtbarer werden, Kontakte über soziale Medien aufbauen, mit Videos zeigen, was man als Arbeitgeber zu bieten hat. Nichts muss perfekt sein, aber diese Zeit ist eine gute Gelegenheit für einen Anfang.

2. Wie können wir möglichst viele Talente an Bord halten?

Politik und Wirtschaft in Deutschland machen das gerade nahezu vorbildlich. Kurzarbeit und großzügige Hilfsprogramme sichern Arbeitsplätze, die in anderen Ländern schlicht verloren gingen. So können Mannschaften am Start bleiben, die beim Anziehen der Konjunktur so schnell und so eingespielt nicht wieder zu bekommen wären. Ähnliches gilt auch für den einzelnen Betrieb. Versuchen Sie mit kreativen Lösungen für möglichst viele Mitarbeiter und guter Kommunikation alle guten Leute an Bord zu halten und bleiben Sie mit potenziellen Interessenten in Kontakt. Den Lohn fahren Sie später ein.

3. Könnten wir nicht gerade jetzt einstellen?

Wenn Sie keine Einbußen haben, kann diese Zeit eine seltene Gelegenheit sein, gute Mitarbeiter zu gewinnen, die sonst gar nicht auf dem Markt wären – oder wenn, dann nur zu sehr viel höheren Konditionen. Wer Bedarf hat, für den lohnt sich gerade jetzt das Arbeitgebermarketing. Wer jetzt sogar über Bedarf einstellt oder Einstellungen anbahnt, gewinnt Wettbewerbsvorteile für bessere Zeiten. Muss man sich leisten können – aber so ist das öfter mit Chancen.

4. Wie können wir gerade jetzt auf uns aufmerksam machen?

Es kann gut sein, dass während der akuten Phase der Krise deutlich weniger Bewegung im Arbeitsmarkt ist als sonst. Doch Menschen schauen sich um und Unternehmen, die jetzt einen guten Eindruck machen und als Arbeitgeber interessant sind, können sich dann in ein paar Monaten oder Jahren über Bewerbungen freuen. Wie können Sie Ihre Stärken als Arbeitgeber gerade jetzt zeigen? Gibt es Aktivitäten, über die Sie berichten können? Gibt es Initiativen Ihres Teams, die Solidarität zeigen, sympathisch auf Sie aufmerksam machen? Setzen Sie Ihre Helden des Alltags in Szene und zeigen Sie, wenn Sie in der Krise ein toller Arbeitgeber sind.

5. Wie können wir unser Bewerbungsverfahren modernisieren?

Unter Kontaktbeschränkungen und Hygienevorkehrungen fallen auch Bewerbungsprozesse anders aus. Auch das ist eine Chance. Haben Sie erstmal Videointerviews als Element entdeckt, können Sie damit auch später viel schneller in persönlichen Kontakt kommen als mit dem klassischen Weg über Telefon und persönliches Interview. Videointerviews gehen schnell, beide Seiten sparen Zeit für den ersten Eindruck. Das wichtigste: Sie können in der Regel viel schneller reagieren. Je umkämpfter Talente sind, desto mehr ist im Vorteil, wer zuerst im persönlichen Kontakt ist.

6. Ist unsere Karriere-Website gewinnend?

Schauen Sie mal auf Ihre Website mit dem Blick eines potenziellen Bewerbers, der oder die Ihr Unternehmen noch nicht kennt. In manchen Firmen prangt auf der Karriereseite in Zeiten ohne offene Stellen nur die Botschaft „Zur Zeit keine Stellenangebote“. Gewinnend ist das nicht. Gute Karriereseiten machen Lust auf Firma, Perspektiven und potenzielle Teamkollegen. Erklären Sie, was Sie zu bieten haben und bieten Sie eine unkomplizierte Form der Kontaktaufnahme.

7. Was können wir gerade jetzt in Angriff nehmen?

Nutzen Sie die Zeit. Wenn Aufträge ausbleiben, Projekte storniert werden und manches nicht so läuft wie sonst, kann das auch eine Chance sein. Nehmen Sie Dinge in Angriff, die sonst liegen bleiben würden. Lassen Sie Azubis Mitarbeiterportraits als Videos drehen, erarbeiten Sie Inhalte für die Karriere-Website, beschäftigen Sie sich mit Social Media für Ihr Recruiting oder starten Sie die Arbeit an Ihrer Strategie als Arbeitgeber.

Sie sehen – es gibt so viel Sinnvolles zu tun im Bereich Arbeitgebermarketing und -strategie. Klar ist die Situation in verschiedenen Branchen unterschiedlich. Hört sich für manche das Schlagwort vom Fachkräftemangel eher wie Hohn an, suchen andere gerade in der Krise händeringend nach Mitarbeitern. Legt der Arbeitsmarkt gerade eine Atempause ein, korrigiert das vielleicht manche Übertreibung, regelt manche Erwartungshaltung wieder etwas herunter. Aber die Tage, in denen der Fachkräftemangel als Stichwort in den Medien die Corona-Begriffe wieder verdrängt – sie werden vermutlich bald wiederkommen. Bezüglich der Bewältigung der Krise hoffen wir alle darauf.

Bezüglich des Fachkräftemangels wird deutlich besser dastehen, wer seine Hausaufgaben gemacht hat. Wer das nicht tut, wird von der akuten Corona-Krise direkt in die nächste Krise schliddern – die Fachkräftekrise. Bei Corona wurden wir alle überrascht. Der Fachkräftemangel hingegen ist lange absehbar. Niemand wird sich später darauf berufen können, überrascht worden zu sein.

In diesem Sinne – nutzen Sie diese besonders herausfordernde Zeit. Pausieren Sie nicht im Arbeitgebermarketing, nur weil Sie vielleicht aktuell keine oder wenige Stellen zu besetzen haben. Vielleicht ist gerade jetzt eine gute Zeit für kluge Fragen.

03 Videokonferenzen sind erst der Anfang

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Für viele sind Videokonferenzen ein krisenbedingter Ersatz für das „normale“ Arbeiten. Doch es geht um viel mehr. Virtuelle Formate für Besprechungen, Konferenzen und Workshops machen die Zusammenarbeit produktiv und vom Ort der Beteiligten unabhängig. Das schafft neue Freiräume und wird in der Zukunft der Arbeit normal sein. Entscheidend ist, wie zukunftsoffen, neugierig und lernwillig wir alle mit diesen Möglichkeiten umgehen.

Podcastfolge #3

Videokonferenzen sind erst der Anfang

Videokonferenzen sind doof?

Nee, ich glaube, Videokonferenzen sind richtig cool und sie sind erst der Anfang. Sie schaffen mehr Nähe und Kontakt, sie sparen viel Zeit und erlauben produktives Arbeiten. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie weiter.

Videokonferenzen sind eigentlich schon ganz lange üblich und möglich. Es gibt Firmen, die arbeiten komplett remote, also ohne Büros. Konzerne mit weltweiten Standorten konferieren global über Videokonferenzen und sogar Oma Lina hält den Kontakt über Videokonferenz zu den reisenden Enkeln. Eigentlich schon immer möglich, nur irgendwie hat das keiner so richtig gemerkt. Vor Corona war das normal, dass die Menschen lange Wege zur Arbeit in Kauf nehmen. Zuerst ins Büro und dann dort ihren Rechner hochfahren. Und um was zu tun? Um E-Mails zu schreiben, um sich mit anderen Menschen abzustimmen, in Meetings, um Konzepte auszuarbeiten, Angebote zu machen, zu verhandeln. Also alles Dinge, für die man überhaupt nicht ins Büro muss. Und jetzt ging das zwar schon länger, aber es hat eben irgendwie keiner gemerkt. Bis Corona kam. Wie eine plötzliche Challenge, für Arbeiten auf Abstand, haben wir auf einmal festgestellt, dass diese Technologien längst da sind, mehr oder weniger in der eigenen Firma. Und dass ganz andere Dinge möglich sind. Und es wird nicht ohne Folgen bleiben.

Neue Möglichkeiten durch virtuelle Formate

Eines möchte ich vorwegschicken: Persönliche Begegnungen sind und bleiben wichtig und die werden auch dauerhaft wichtig bleiben, wenn sie intensive, wirkliche Begegnungen sind. Gleichzeitig sind Videokonferenzen auch erst ein Anfang. Es entwickeln sich in enormer Geschwindigkeit neue Technologien und Formate, die viel mehr möglich machen, als wir es aus der Vergangenheit kannten. Es geht aber in dieser Podcast Folge überhaupt nicht um die Technik. Es geht mir um die Möglichkeiten. Es geht mir darum, zu zeigen, was alles heute schon geht und in welche Richtung sich virtuelle Formate entwickeln werden. Denn ich bin ganz fest davon überzeugt, dass in der Zukunft der Arbeit virtuelle Formate genauso normal sein werden wie in der Vergangenheit das Telefonieren oder ein ganz normales reales Meeting. Und diese Methoden und andere Formen des Zusammenarbeitens werden auch ein hohes Maß an Flexibilität, an Freiheit mit sich bringen. Die wird man einfach auch erwarten. Und etwas Entscheidendes, um was es mir geht, ist die Haltung, wie wir mit solchen neuen Möglichkeiten umgehen. Und da sehe ich eine gewisse Gefahr, weil gar nicht wenige Menschen mir den Eindruck machen, dass sie zwar vielleicht jetzt mal ein paar Videokonferenzen mitmachen, aber eigentlich insgeheim einfach nur darauf warten, bis alles wieder so wird wie früher und sich nicht wirklich offensiv damit auseinandersetzen. Und das ist extrem schade. Und auf der anderen Seite ist es auch gefährlich. Denn wenn junge, technikaffine Menschen, die mit solchen Medien ganz selbstverständlich umgehen, dann später auf Führungskräfte treffen, die immer noch Vorbehalte haben, obwohl das niemand mehr versteht, dann ist es für die Attraktivität des Arbeitgebers eigentlich Gift. Und gleichzeitig wünsche ich mir, dass möglichst viele Menschen, auch gerade die, die schon ein paar Jahre Berufserfahrung haben, sich lernfreudig, experimentierfreudig, positiv neugierig, mit neuen Möglichkeiten auseinandersetzen. Und dafür möchte ich in dieser Folge werben, möchte ein paar Ideen geben, was man wie auch heute schon nutzen kann. Wie gesagt, um die einzelne Technik geht es überhaupt nicht. Dafür gibt’s dann andere Formate.

Ich möchte zu verschiedenen Formaten Möglichkeiten aufzeigen und jeweils ein paar Tipps geben, wofür man die einsetzen kann und auf was man achten kann, dass die auch Freude machen und gut funktionieren. Das fängt beim Eins-zu-eins-Gespräch an, geht über Team-Meetings bis hin zu Workshops, Webinaren und Kongressen.

Das Eins-zu-eins-Gespräch als Videotelefonat

Starten wir mit dem Eins-zu-eins-Gespräch. Ein riesen Vorteil von Videotelefonaten gegenüber normalen Telefonaten ist, dass man einfach viel mehr von seinem Gegenüber mitbekommt. Man sieht Mimik und Gestik, man hat einen ganz anderen Eindruck der Reaktionen eines Gesprächspartners und es macht Gespräche wesentlich intensiver und verbindender, als wenn man rein miteinander telefoniert. Man hat natürlich nicht alle Sinne, wie man die bei einem Live Gespräch hat, aber man ist schon ganz schön nahe dran. Wie kann man das einsetzen? Das gilt natürlich im Grunde für alle Gesprächssituationen. Ob das jetzt der Teamleiter mit seinem Mitarbeiter, der Geschäftsführer mit seiner Führungskraft ist, ob das ein Verkaufs- oder Kundengespräch ist. Wir nutzen das sehr viel in Beratungs- und Coaching-Situationen, die auch sehr intensiv als Video-Coaching funktionieren. Aber man kann auch eher diese informellen Gespräche als Video-Call abbilden. Das mag für viele ungewohnt klingen, aber Unternehmen, die komplett ortsunabhängig arbeiten, machen das ganz systematisch. Beispielsweise kann man sich mit einem Kollegen zum virtuellen Coworking verabreden. Das heißt, wir haben eine Videokonferenz an für eine Stunde und jeder arbeitet durchaus ein bisschen unterschiedliche Dinge. Hier und da macht man was zusammen, fragt sich mal was. Also so, als ob man in einem Büro nebeneinander arbeitet und voneinander Dinge mitbekommt. Das geht natürlich auch virtuell, auch wenn das ein ungewohnter Gedanke ist. Auch ein kleiner Smalltalk oder eine Kaffeepause oder eine Mittagspause kann man gemeinsam als Videokonferenz machen, sodass auch trotz des räumlichen Abstands eine gewisse Nähe entsteht und man auch in der Lage ist, auch Smalltalk zu haben. Videokonferenz bedeutet nicht automatisch hochkonzentriertes Produktivsein. Das kann eben auch ein entspannter Dialog sein, bei dem man so von einem aufs andere Thema kommt. Und das ist ein Teil dieser wichtigen Bürokommunikation, die vielen fehlt. Das liegt aber nicht nur an der Methodik, denn das kann man durchaus auch virtuell machen.

Vorbereitung von Videokonferenzen

Jetzt hat wahrscheinlich jeder in den letzten Wochen und Monaten Videokonferenzen hier und da schon gemacht. Trotzdem gibt es für das Wie doch einige Hinweise, die dazu beitragen, dass das auch wirklich gut gelingt und Freude macht und angenehm ist. Das hat tatsächlich auch mit guter Technik zu tun. Natürlich langt ein Tablet oder Notebook einfach mit dem eingebauten Mikrofon und Kamera. Aber sie kriegen viel bessere Qualität mit einer separaten Webcam, die man vielleicht auch ein bisschen höher positionieren kann oder mit einem guten Mikrofon oder Headset, was es ermöglicht, die Hände frei zu haben und in einer angenehmen Qualität den Gesprächspartner zu hören und auch besser rüberzukommen, sozusagen in der Art, wie wir sprechen. Eine gute Beleuchtung, in jedem Fall ein zweiter Bildschirm, der mehr Raum gibt, um Bildschirme zu teilen und nebenbei andere Dinge auch noch zu sehen. Das sind so Zutaten, mit denen sich, glaube ich, jeder, der davon ausgeht, dass er auch in Zukunft diese Methoden braucht, jetzt beschäftigen sollte und dafür sorgen sollte, so die technischen Zutaten dazu zu haben, dass das reibungslos und gut funktioniert. Was sollte man nicht machen? Da gelten eigentlich ganz ähnliche Dinge wie bei sonstigen Besprechungen auch. Aber vor allem ist es ein wichtiger Punkt sich klarzumachen, dass man bewusste Pausen einbaut. Denn eine Gefahr bei Videokonferenzen ist: Man kann quasi von einer in die nächste gehen. Man muss nicht einmal auf die andere Etage, den Medienraum wechseln oder gar von A nach B fahren. Das heißt, diese natürlichen Unterbrechungen, die man normalerweise hatte, die gibt es gar nicht und die muss ich bewusst einbauen. Sonst muss man sich nicht wundern, dass man nach sechs Stunden pausenlos eine Konferenz nach der anderen einfach komplett platt ist. Also bewusst Pausen einbauen und dafür sorgen, dass das Ganze in einer guten Balance auch durch den Tag entsteht.

Was ist das Potenzial von Video-Calls?

Ich merke bei uns selbst, man gewöhnt sich sehr schnell im Team daran, dass der normale Anruf ein Video-Call ist und es gelingt ganz gut, eine Nähe zu halten, auch mit Kollegen, die weiter weg ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt haben. Und man kann dadurch auch Erfahrungsaustausch und Dialog unabhängig vom Ort organisieren und in diesem Sinne mehr Nähe halten, auch da, wo es sonst nicht möglich wäre.

Teambesprechungen als Video-Calls

Dann lassen Sie uns zu den Teambesprechungen kommen. Da möchte ich eine Unterscheidung machen und zuerst über die Teambesprechungen reden, bei denen alle an ihrem eigenen PC in ihrem eigenen Büro sind, egal, wie weit diese Büros auseinanderliegen. Als Teambesprechung kann im Grunde alles gelten, was man in einem klassischen Meeting macht. Ob das das wöchentliche Status-Meeting ist, ob das eine Projektbesprechung ist, ob das ein Erfahrungsaustausch ist… Ganz egal. Aber auch hier bitte wieder daran denken: Nicht nur die formalen Meetings können Videokonferenzen sein, sondern auch die informellen. Das Feierabend-Bierchen, eine virtuelle Mittagspause. Das alles können ganz wichtige Räume sein, in denen Mitarbeiter Kommunikation stattfinden lassen, die sonst vielleicht einfach im Vorbeigehen an der Kaffeemaschine stattfindet. Der entscheidende Punkt ist: Er passiert halt nicht zufällig. Man muss ihn einmal irgendwie anleihern und dafür sorgen, dass es diese Begegnungsmöglichkeiten gibt. Wie sollte man das machen?

Worauf sollte man bei Team-Video-Calls achten?

Hier gilt das gleiche, wie eben schon gesagt, natürlich eine gute Technik bei jedem Einzelnen. Dann kommt aber, wenn es um das ganze Team geht, hinzu, dass es sich sehr bewährt hat, Projektmanagementtools, Visualisierungstools zu benutzen, bei denen man dann den Fortschritt von Projekten gemeinsam digital sieht, also das, was im Meeting-Raum möglicherweise eine Flipchart oder eine per Beamer gezeigte Präsentation ist, in ein digitales Instrument zu verlegen. Es gibt ganz viele Tools, auch hier wieder, zum Beispiel Kanban-Boards wie Trello oder Meistertask. mit denen man den Fortschritt von Projekten super dokumentieren kann, wo man auch protokollieren kann und dadurch eine Transparenz für alle schafft.

Meetings mit Struktur

Und im Team-Meeting gilt natürlich genau wie im analogen Meeting, dass eine gute Struktur, eine gute Moderation, eine gut gestaltete Besprechung mindestens so wichtig ist wie im Offline-Meeting. Der Vorteil beim Online-Meeting ist: Im Zweifel kann man was anderes machen, ohne dass es stört. Aber das ist eigentlich immer nur ein Zeichen dafür, dass die Organisation und die Moderation nicht richtig gut sind. Wie sollte man es nicht machen? Auch hier gilt: Zu lange Meetings ohne Pausen sind unglaublich anstrengend. Das funktioniert offline schon nicht gut und sollte man online erst recht nicht machen. Und wichtig ist auch für diese informellen Anlässe, Räume zu schaffen. Das Potenzial ist im Grunde riesengroß, weil man Teams, die sinnvoll zusammenarbeiten würden, auch komplett unabhängig von ihrem räumlichen Arbeitsort zusammenstellen kann. Je normaler es wird, dass Team-Besprechungen einfach ortsunabhängig sind, desto mehr Freiheiten gewinne ich, Teams so zusammenzustellen, wie das von der Arbeit her sinnvoll und notwendig ist. Dieses Stichwort „Freiheit, weil der Ort keine Rolle mehr spielt“, das wird noch öfter vorkommen.

Hybride Team-Meetings

Das Team-Meeting, wenn jeder an seinem eigenen Notebooks sitzt, ist vergleichsweise einfach. Komplizierter wird es, wenn es um hybride Team-Meetings geht. Was bedeutet hybrid an der Stelle? Das heißt, da sind einige Menschen in einem Besprechungsraum und einige andere vielleicht an einem anderen Standort in einem anderen Besprechungsraum dazugeschaltet und dann noch drei Menschen im Homeoffice. Das ist im Prinzip auch ganz einfach, aber hier kommt jetzt das Aber gleich mit. Auch hier brauche ich eine richtig gute Technik. Und was für die eine Person vom Laptop relativ einfach ist, wird technisch gleich sehr viel aufwendiger, wenn ich fünf oder sieben Menschen in einem Besprechungsraum habe. Dann brauche ich eine Kamera, die einfach ein entsprechendes Weitwinkel-Bild hat, mit einer hohen Qualität. Ich brauche mehrere Mikrofone und ein sehr gutes, Raum-Mikrofon und gute Lautsprecher. Denn meine Messlatte ist die Besprechung mit zugeschalteten Menschen muss in der Kommunikation genauso angenehm und gut verständlich sein, in beide Richtungen, als ob die Menschen im Raum säßen. Das ist schnell gesagt, aber das ist eine hohe Hürde. Und ich weiß, es macht extrem wenig Spaß, wenn Mensch im Homeoffice kaum zu verstehen ist oder umgekehrt, die zugeschalteten Menschen vom Ende des Tisches keine klare Aussage mehr hören, weil die einfach nicht bis zum Aufnahmegerät kommt. Das sind eigentlich banale Dinge, aber die sind gar nicht so leicht zu lösen. Sie sind aber elementar notwendig, um eine wirklich zukunftsfähige Besprechungsstruktur und Technik auf die Beine zu stellen. Denn hat man das, dann entsteht tatsächlich eine ganz neue Freiheit. Es wird völlig egal, wer zu welchem Zeitpunkt wo ist. Und da denkt man immer nur so an das reisende Teammitglied oder jemanden, der im Homeoffice ist. Das kann genauso gut sein, dass eine Führungskraft mal eine Woche an einem anderen Standort verbringt und trotzdem in vier, fünf Meetings zugeschaltet ist, an denen sie eigentlich klassisch an ihrem eigentlichen Büro-Standort beteiligt wäre. Also diese neue Freiheit, die entsteht, die gilt in ganz viele Richtungen, bis hin, dass sie Mitarbeiter zu festen Teammitgliedern machen können, die fünfhundert Kilometer entfernt leben, die sie sonst gar nicht hätten rekrutieren können. Stichwort, dass auch hochqualifizierte Jobs komplett remote ausgeführt werden können und jemand nur ein paar Mal im Jahr am Stammsitz wirklich live auch da ist.

Online Lernen mit Kamera und Headset

Die nächste Kategorie ist das online Lernen. Webinare, Online-Seminare. Das unterscheidet sich dadurch von der klassischen Videokonferenz, dass ich in der Regel als Teilnehmer nur höre und zuschaue, aber mein Mikrofon und meine Videokamera eher abgeschaltet sind. Das erlaubt umgekehrt sehr aufmerksames Zuhören und Lernen von neuen Inhalten. Der Sendende hat natürlich weniger Rückmeldung, aber es bietet für die, die senden, eine wunderbare Möglichkeit, viel mehr Leute zu erreichen, ganz niederschwellig, als das bei realen Veranstaltungen der Fall wäre und dann zum Beispiel Informationen über neue Produkte leichter zu transportieren. Journalisten haben mir berichtet, dass virtuelle Pressekonferenzen sehr viel besser besucht waren, als das normalerweise der Fall ist, weil man sich einfach einklinkt, hört zu, wenn es interessant ist, ist man präsent und schreibt mit. Und wenn Dinge kommen, die einen nicht interessieren, kann man an seinem Schreibtisch ja parallel andere Dinge machen. Menschen mit Headset auf dem Kopf hören einer Präsentation und einem Vortrag zu und gehen sich gleichzeitig Kaffee machen. Oder ich habe schon Blumen gegossen dabei. Man bleibt ja konzentriert und kann sich ein bisschen bewegen. Also komfortabel für die Nutzer. Leicht und niederschwellig sind viele erreichbar für die, die senden. Und das lässt sich beliebig weiterentwickeln. Stellen Sie sich das in Kombination mit virtueller Realität vor und Sie können Menschen, die sich ganz woanders befinden, komplexe Methoden und Maschinen zeigen und die haben das Gefühl, sie sind schon mitten im neuen Fahrzeug. Oder Sie sehen die neue Maschine schon in der Werkshalle. Da wird ein riesiges Feld an neuen Möglichkeiten entstehen. Aber dieses Lernen, Erklären und Zeigen über Distanz wird sich mit Sicherheit noch deutlich weiter ausweiten.

Vorteile von Online Workshops

Ist die Kommunikationsrichtung beim online Lernen ja relativ klar in eine Richtung orientiert, wird es bei Workshops und Formaten, bei denen man gemeinsam Dinge entwickeln will, schon etwas schwieriger. Doch auch das, was wir in Seminar-Hotels und Besprechungsräumen als Klausuren, als Workshops mit Pinnwänden, Flipcharts und all den Materialien und Kleingruppenarbeiten so machen, auch das geht online. Es gibt hervorragende Workshop-Software, die können Sie sich so vorstellen, als ob man eine 20 mal 20 Meter große Wand hätte oder die auf dem Boden als Fläche hätte, auf der alle Teilnehmer digital wie Moderationskarten schreiben können, auf Ideen der anderen Bezug nehmen können mit allen erdenklichen Methoden, mit Grafik, mit Bildern, mit ganzen Schaubildern, mit einzelnen Begriffen. Also da lassen sich Brainstormings abbilden, da lassen sich Ideenentwicklungen, Projektkonkretisierungen abbilden und immer mit dem Effekt: Alles ist sofort digital. Es kann vergrößert werden, man hat es automatisch gesichert und kann fast genauso gut damit arbeiten, wie man das in realen Situationen bisher gewohnt war. Fast muss ich einschränken, weil eigentlich ist es besser, weil es noch viel mehr Möglichkeiten hat. Man kritzelt nicht an Pinnwände, sondern man kann gut lesbar Dinge schreiben. Man könnte auch sehr viel schneller gemeinsam Ergebnisse erzeugen.
Hinzu kommen weitere Vorteile. Stellen Sie sich vor, Sie nehmen eine Führungsmannschaft jeden Tag ins Hotel. Dann haben Sie einen Workshoptag und das ist es dann. Stellen Sie sich vor, Sie würden im Hotel sagen: Wir kommen zwei Tage vorher, richten den Raum her. Den halten Sie uns bitte zehn Tage frei, dann gibt’s einen Tag, da kommen die alle, dann arbeiten wir und in den nächsten acht Tagen kann immer noch jemand reinkommen und nochmal was im Seminarraum verändern. Das lassen Sie bitte alles da stehen. Klar, dass das nicht geht, aber virtuell gar kein Problem. Wir richten einen virtuellen Workshop-Raum her. Es gibt bestimmte Aufgaben, die man vorher schon übernehmen kann. Die eigentliche Session, die man gemeinsam macht, ist vielleicht kürzer, als sie sonst gewesen wäre. Und dann lässt man den Raum noch acht Tage offen, so dass die Menschen die guten Ideen, die am Tag danach kommen, da noch mit hineingeben können. Und sie können jederzeit in den Seminarraum gehen, virtuell, und können dort nochmal Ideen beisteuern. Sie sehen, die Formate, wie man da arbeiten kann, die werden sich weiterentwickeln, aber es entsteht eine ganz hohe Produktivität. Und Zusammenarbeiten geht mit Workshop-Software auch online hervorragend. Man muss sich ein ganzes Stück umgewöhnen, sowohl in der Moderation als auch bei den Teilnehmern. Aber funktionieren tut es, ich glaube, wahrscheinlich an vielen Stellen sogar besser, als man das in der Offline-Welt kennt.

Online Konferenzen mit virtueller Interaktion

Und mit Workshops ist das ja noch gar nicht das Ende der Fahnenstange. Die Menschen, die große Konferenzen lieben und die den Austausch dort auch sehr schätzen, für die ist diese Corona-Phase jetzt ein harter Schock gewesen, weil alle solche Veranstaltungen ausgefallen sind. Große Kundenevents, Führungskräftetagungen, messeartige Branchentagungen… all das ist ausgefallen. Das muss aber gar nicht so sein. Es gibt heute schon Tools, mit denen virtuelle Konferenzen sehr interaktiv gestaltet werden können. Ich habe im April selbst an einer Konferenz mit 180 Teilnehmern teilnehmen können, bei der es zum einen Vorträge von der Bühne gab – so ganz klassisch – bei denen aber nicht nur wir per Chat alle Fragen stellen konnten, sondern die Fragen automatisch gevotet wurden, sodass die von vielen Leuten interessant empfundenen Fragen dem Moderator quasi nach oben gespült wurden. Das war schon ein schöner Effekt. Der eigentliche Clou aber war der zweite Modus. Stellen Sie sich einen Tagungsraum vor, wie wenn Sie von oben in den Tagungsraum fliegen und schauen runter auf ganz viele runde Tische mit sechs oder acht Plätzen, die im ganzen Saal verteilt sind. Und das ist dort virtuell nachgebaut. Das heißt, ich kann mit meiner Maus auf einen solchen Sechser-Tisch klicken und bin dann mit genau den Menschen, die dort auch hin geklickt haben, in einer kleinen Videokonferenz zu dritt oder zu sechst. Da kann man dann entweder ein Thema bearbeiten, oder man hat einfachen Smalltalk und lernt Menschen kennen, die man noch nicht kennt. Oder man verabredet sich mit Menschen, die man auf der Teilnehmerliste gesehen hat. Dann kann man sich gleich über das LinkedIn-Profil oder Xing-Profil miteinander vernetzen.

Permanente Innovationen statt technischer Spielerei

Also solche Tools bilden bis zum virtuellen Speed-Dating mit Teilnehmern ganz viele Strukturen nach, die man in der realen Konferenz erlebt hätte und die wir dort kennen und bereichern sie um die digitalen Formate. Das kann nach oben beliebig gesteigert werden. Es gibt ganz viele Möglichkeiten, Vorträge zu streamen an verschiedene Standorte. Man kann Podiumsdiskussionsteilnehmer, die an verschiedenen Standorten sind, zusammenschalten. Das wird durchaus aufwendig, aber man kann dann auch zu hybriden Events kommen, das man sagt, man hat hundert Menschen, wir sagen gerne so Wetten… dass-Format, 100 Menschen im Studio für die Live Atmosphäre und dann vielleicht 2000 an verschiedenen Standorten auf der Welt, die zugeschaltet sind. Entweder 50 in einem Raum oder auch einzeln. Beides wird es geben und wenn entsprechende Technik hinterlegt ist, können sich einzelne Teilnehmer auch in die Sendung einklinken und können vom Moderator dazugeholt werden. Man kann das mit Workshops kombinieren. Also auch da ist, finde ich, eine unglaublich interessante Bewegung, eine permanente Innovation neuer, interessanter Tools. Und Menschen entwickeln auch mit der Zeit eine Kompetenz, dass das keine technische Spielerei ist, sondern dass da gut entwickelte, gut mit einer guten Dramaturgie versehene Konferenzen entstehen.

Die Botschaft: Es geht viel mehr online, als viele glauben

Man kann ganz viel auch online machen, viel mehr, als viele glauben. Es lohnt sich da zu experimentieren und Absagen ist meistens die schlechteste Lösung. Die Zeiten, wie wir sie jetzt haben, bieten eine riesen Chance, neue Formate auszuprobieren. Und hat man die mal ausprobiert, dann wird man die auch so schnell nicht wieder aufgeben. Sie werden ein Bestandteil von Konferenzen und Tagungen sein. Diesen hybriden Formate, denen gehört nach Meinung vieler Experten die Zukunft. Also eine meiner Botschaften ist, sich mit all diesen Technologien und Methoden zu beschäftigen. Das ist nicht reine Krisenbewältigung in Corona-Zeiten. Das ist Investition in die Zukunft des Arbeitens, des Konferierens, des Zusammenwirkens und es lohnt sich allemal, weil all diese Methoden werden uns erhalten bleiben. Und wer up to date sein will, der muss sie einfach mit in seinem Repertoire haben.

Warum Sie dem Trend der Videokonferenzen folgen sollten? Der Lohn wird ein Vielfaches sein. Wir gewinnen enorm an Flexibilität. Es wird möglich, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die weit weg sind. Sei es punktuell oder auch Menschen zu beschäftigen im eigenen Unternehmen, die ganz klassisch am Standort fast nie da sein können. Es wird aber auch möglich, flexibler zu arbeiten. Das bedeutet nicht nur das Arbeiten aus dem Ferienhaus, sondern das bedeutet auch das Arbeiten vom anderen Standort aus. Eine Führungskraft kann mehrere Standorte bereisen und ist dann nicht wochenlang weg, sondern ist einfach jede Woche an einem anderen Standort, kann sich aber zu allen wichtigen Meetings und Konferenzen einklinken. Es ist nämlich einfach egal, wo man ist. Und diese Form des einerseits persönlich präsent an verschiedenen Orten sein Könnens und trotzdem den Kontakt zu den Menschen zu halten, mit denen man permanent zusammenarbeitet, die wird noch viel zu wenig gesehen. Es entsteht eine ganz neue Freiheit durch diese Unabhängigkeit vom Ort, an dem man sich befindet. Und alleine das lohnt sich schon. Dann kommt hinzu, dass man unglaublich viel Reiseaufwand spart, dass man Zeitaufwand spart. Es kommen also viele positive Aspekte dazu, die uns produktiver, freier machen und mehr Lebensqualität in den Arbeitsalltag bringen, weil wir nicht unnötigerweise ganz viel von A nach B reisen müssen, nur um uns zu besprechen oder abzustimmen. Das geht in Zukunft anders und ich wünsche mir, dass sie diese Möglichkeiten, so sie das nicht sowieso schon so getan haben, mit Freude, mit Neugierde, mit Experimentierfreude anschauen. Nicht alles klappt sofort. Es gibt immer wieder technische Hürden, man muss sich selber auch ganz schön umgewöhnen für manche Dinge, aber es lohnt sich. Das möchte ich Ihnen mitgeben, wünsche Ihnen richtig gute online und virtuelle Erfahrungen und dann auch immer wieder intensive persönliche Begegnungen mit dem entsprechenden Tiefgang.
In diesem Sinne: Viel Erfolg!

Trailer: Podcast Glücksfall Fachkräftemangel

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Weitere Informationen

Glücksfall Fachkräftemangel

Impulse für großartige Arbeitgeber

Der Podcast von Stefan Dietz begleitet Arbeitgeber in die Zukunft der Arbeit. Er beleuchtet Trends, zeigt Veränderungsbedarf und liefert konkrete Ideen. Der Fachkräftemangel und der Wandel in der Arbeitswelt sind für schlechte und durchschnittliche Firmen eine Bedrohung. Für großartige Arbeitgeber sind sie ein Glücksfall. Jede Folge beleuchtet ein Thema, eine Strategie oder ein inspirierendes Beispiel. Zum Glücksfall wird die Entwicklung, wenn Unternehmen eine überzeugende People Strategy erarbeiten, in die Entwicklung Ihrer Mitarbeiter wie ihrer Kultur investieren und für gute Führung sorgen. Sind sie dann noch als Arbeitgeber sichtbar und vom ersten Kontakt an attraktiv, gewinnen sie immer genügend gute Talente.

Herzlich willkommen zum Podcast von Stefan Dietz: Glücksfall Fachkräftemangel – wie sie als großartiger Arbeitgeber in der Zukunft der Arbeit erfolgreich sind.

Wieso sagst du, Stefan, ist der Fachkräftemangel ein Glücksfall?

 Nein, eigentlich ist es natürlich für viele Firmen eine Bedrohung. Aber der Arbeitsmarkt dreht sich. Die guten Leute können sich in Zukunft die Firmen aussuchen. Und für die Firmen, die sich richtig aufstellen, für die wird der Fachkräftemangel ein Glücksfall sein. Wir werden viel mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die werden viel mehr Mitarbeiter bekommen, die sich woanders schlechtere Umständen nicht mehr gefallen lassen. Und dafür arbeite ich. Dass möglichst viele Firmen richtig erfolgreich durch diese Krise gehen.

Aktuell hat Corona die Wirtschaft ja ganz schön erschüttert und überlagert alles, was wir bisher kannten. Spielt der Fachkräftemangel nach Corona überhaupt noch eine Rolle?

Oh ja, da bin ich mir ganz sicher, weil das ist eine langfristige Entwicklung. Corona verändert da natürlich einiges. Es gibt Branchen, da wird der Fachkräftemangel erst einmal nicht so eine Rolle spielen, aber in anderen bleibt er bestehen. Und Corona hat unheimlich viel Schub in Richtung Digitalisierung, mobiles Arbeiten gebracht. Es wird vieles verändern und massiv beschleunigen. Das Thema Fachkräftemangel wird uns unbedingt erhalten bleiben. Noch ein paar Jahre. Das lohnt sich, sich damit zu beschäftigen.

Für wen ist Dein Podcast gedacht?

Für alle, die sich für die Attraktivität ihrer Firma als Arbeitgeber verantwortlich fühlen. Das fängt naturgemäß an der Spitze an: Inhaber, Geschäftsführer, Führungskräfte, Personaler, Marketing, Mitarbeiter… Alle, die die Qualität des Arbeitens verbessern und die Firma erfolgreich machen wollen.

Und worum geht es dir dabei im Kern?

Na, ganz kurz gesagt geht es um glückliche Chefs, glückliche Mitarbeiter und glückliche Kunden. Dann ist letztlich allen geholfen. Und der Schlüssel dazu ist, einfach eine Firma richtig gut aufzustellen und zu führen.

Welche Themenschwerpunkte wird es denn geben in Deinem Podcast?

Im Grunde das ganze Spektrum. Was man dazu braucht, einen attraktiven Arbeitgeber aufzubauen. Und das fängt damit an: Ist die Firma überhaupt sichtbar bekannt? Wie werden potenzielle Mitarbeiter angesprochen? Was erleben sie, wenn sie sich für das Unternehmen interessieren und entscheiden? Das ist so das eine, das Marketing. Das andere ist, dass man die Firma aber auch richtig gut führen muss. Firmen müssen sich um ihre Mitarbeiter kümmern. Eine gute Personalentwicklung haben und dafür sorgen, dass eine richtig positive, gute Führung besteht. Nur dann bleiben Menschen, und es spricht sich rum. Und nicht vergessen darf man auch; die Menschen an der Spitze sind ziemlich entscheidend. Menschen prägen Firmen. Es gibt immer auch Impulse für die, die ganz vorne stehen.

Wie werden Deine Folgen aufgebaut sein?

In der Regel eine Viertelstunde zu einem Thema und zu jedem Thema möchte ich ein, zwei, drei ganz konkrete Ideen und Impulse mitgeben, über die man nachdenken, die man umsetzen kann. Das wird so die Basis sein. Dazu gibt es noch Interview Folgen. Die können dann auch länger dauern, weil ich mich mit interessanten Menschen verabrede und die entweder bestimmte Aspekte der Arbeitswelt beleuchten oder als Unternehmen tolle Beispiele sind. Und ein drittes sind Reisen in die Zukunft der Arbeit. Ich bin auch viel in letzter Zeit unterwegs, habe mir interessante Unternehmen auch in anderen Ländern angeschaut und werde auch meine Zuhörer mitnehmen auf diese Reisen.

Stefan, Du hast viele Jahre Erfahrung in der Beratung von Firmen unterschiedlicher Branchen und Größen. Wieso ist Dir darüber hinaus Deine eigene Erfahrung als Unternehmer besonders wichtig?

Das ist mir auch besonders wichtig, weil ich glaube, die Perspektive ist nochmal eine andere, wenn man weiß, wie sich das anfühlt, wenn man für die Gehaltszahlung verantwortlich ist, wenn man selber führt, wenn man auch Lehrgeld gezahlt hat. Ich fühle mich einfach mit all den Unternehmern, die ihr Lebenswerk aufbauen und weiterentwickeln wollen, sehr verbunden und glaube, mit meiner Erfahrung auch inzwischen einiges sagen zu können. Wir sind auch selbst als attraktiver Arbeitgeber zwei-, dreimal ausgezeichnet worden. Das ist ein ganz, ganz wertvoller Erfahrungshintergrund für mich.

Glücksfall Fachkräftemangel – wie Sie als großartiger Arbeitgeber in der Zukunft der Arbeit erfolgreich sind.

Der Podcast von Stefan Dietz. Wir wünschen Ihnen gute Erkenntnisse und viel Spaß beim Zuhören.

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