Über Stefan Dietz

Stefan Dietz ist Unternehmer, Redner und Arbeitswelt-Gestalter. Er ist Autor des Sachbuchs "Glücksfall Fachkräftemangel" (Campus-Verlag, 2020). In Vorträgen sensibilisiert er für die Zukunft der Arbeit und begleitet mit seinem Team Unternehmen auf dem Weg zum großartigen Arbeitgeber. Unterstützung in Arbeitgeberstrategie, Führung, Personalentwicklung sowie Sparringspartner der Unternehmer und Geschäftsführung.

02 Corona und der Fachkräftemangel

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Der Fachkräftemangel und der Wandel im Arbeitsmarkt sind langfristige Entwicklungen. Corona als plötzliche und durchschlagende Krise verändert diese Entwicklung, bremst manches und beschleunigt anderes. Wie werden wir danach arbeiten? Welche Erfahrungen aus der Krise und welche Lehren werden wir mitnehmen können in die Zukunft der Arbeit? Stefan Dietz führt 10 Aspekte auf, über die sich nachzudenken lohnt – in der Krise und für die Zeit danach.

Podcastfolge #2

Corona und der Fachkräftemangel

Gibt es nach Corona einen Fachkräftemangel? Keiner weiß genau, wie die Krise sich auswirkt. Doch es lohnt sich, die besondere Situation zu nutzen und aus dem, was gerade passiert, zu lernen für die Zukunft der Arbeit. Denkanstöße, Impulse und Ideen, was sie tun können – in dieser Folge.

Corona hat uns vor Herausforderungen gestellt, die wir alle so noch nicht erlebt haben. Und es betrifft viele Lebensbereiche. Ich konzentriere mich ausschließlich auf das, was die Art, wie wir arbeiten, angeht. Und schon das ist mehr als herausfordernd und niemand von uns weiß so genau, welche Folgen Corona und die Maßnahmen zur Bekämpfung tatsächlich für die Zukunft haben werden. Aber das war schon sehr einschneidend. Plötzlich mussten wir arbeiten mit Abstand. Homeoffice für alle. Unterricht ohne Präsenz. Das war schon eine unglaubliche Challenge plötzlich anders zu arbeiten. Und man kann sagen das ist wie ein plötzlicher und ziemlich radikaler Audit gewesen. Wie flexibel und wie gut digitalisiert sind unsere Unternehmen, unsere Organisationen? Und es war tatsächlich etwas erbarmungslos, weil man hat Licht und Schatten gesehen. Da gibt es Firmen, die konnten, so wie wir zum Glück auch, einfach die Laptops unter den Arm nehmen und von zuhause weiterarbeiten. Wenn die Daten in der Cloud, die Firmenstruktur, die Kultur, die Art, wie man führt und zusammenarbeitet, schon so angelegt waren, dass das digital und relativ ortsunabhängig ging, konnten Unternehmen quasi komplett produktiv bleiben, zumindest wenn ihr Geschäft noch stattgefunden hat. Und umgekehrt gab es die Unternehmen und Organisationen und Verwaltungen, die plötzlich nicht mehr fähig waren zu arbeiten. Da ist Arbeit im Büro liegengeblieben, weil Laptops nicht vorhanden waren, weil die Prozesse nicht so organisiert sind, dass sie außerhalb des Büros überhaupt funktionieren, weil rechtliche Fragen nicht geklärt und enorme Vorbehalte vorhanden waren. Also, da hat sich enorm Unterschiedliches gezeigt und gleichzeitig hat sich aber auch gezeigt, dass ganz viel gelungen ist, was viele Menschen nie für möglich gehalten haben. Ganz viele haben uns berichtet, dass die Arbeit im Homeoffice sehr viel produktiver war und viel besser geklappt hat, als man sich das eigentlich gedacht hat. Und viele, die das lange abgelehnt haben, haben jetzt auf einmal andere Erfahrungen gemacht. Nicht alles ist Gold, was glänzt, aber insgesamt ist, glaube ich, schon sehr viel gelungen, was viele gar nicht für möglich gehalten hatten. Jetzt weiß niemand wirklich, wo Entwicklungen hinführen. Und die Entwicklung, die durch Corona hinzugekommen ist und die quasi als schnelle kurzfristige Krise, die vielleicht trotzdem länger anhält, als wir es uns im Moment vorstellen, einen Drall in eine Entwicklung im Arbeitsmarkt bringt, die ja eher längerfristig läuft. Demografie auch technologischer Wandel, diese Entwicklungen, die ich beschrieben habe, die zum Fachkräftemangel führen, laufen langfristig.

Corona und die Entwicklung des Arbeitsmarktes

Corona als zusätzliche plötzliche, unvorhergesehene Krise bringt einen Drall da hinein, verändert natürlich auch Dinge. Wie gesagt, wie genau, weiß noch keiner. Aber so ein paar Trends kann man schon erkennen. Da ist ein unglaublicher Schub für Digitalisierung, wo man auf einmal berührungslose, kontaktlose Dinge, die durch Digitalisierung möglich werden, schneller einführt. Natürlich im Bereich mobiles Arbeiten, Homeoffice, Videokonferenzen. Das ist auf einmal Alltag für ganz viele, was vorher nur einige wenige genutzt haben. Da ist Corona ganz sicher enorm beschleunigend. Und ich glaube, inzwischen ist man sich einig: Das wird die Art, wie wir arbeiten, mobiler machen, flexibler machen und nachhaltig verändern. So sind ja auch jetzt schon die Menschen, die Büros Kosteneinsparungen errechnen, ganz aktiv und ziemlich alarmiert sind diejenigen, die bisher in Büroimmobilien investiert haben. Da sind schon Folgen erkennbar. Auf der anderen Seite wird es natürlich Bereiche geben, in denen Corona und die Veränderungen in der Folge den Arbeitsmarkt auch verändern und Menschen eher vorsichtiger werden und längst nicht mehr so sicher sind, dass sie ganz schnell neue Jobs finden, weil wir natürlich Felder haben mit einem plötzlichen Arbeitskräfteüberschuss, mit Arbeitslosigkeit oder einer latenten Unterbeschäftigung, die durch Kurzarbeit im Moment überbrückt wird. Und viele sind dann sicherlich eher wieder vorsichtiger, trauen sich nicht so offensive Forderungen zu stellen. Und es wird auch Arbeitsmarktbereiche geben, in denen wir überhaupt keinen Fachkräftemangel, sondern das Gegenteil haben. Doch ich glaube, man kann davon ausgehen, in vielen gerade technologischen Bereichen, in Bereichen, in denen sich neue Dinge einführen, wird der Fachkräftemangel vielleicht vorübergehend gedämpft, aber er wird bleiben. Und diejenigen, die beispielsweise in der Gastronomie, im Einzelhandel, in anderen Jobs ihre Aufgaben verlieren, sind wahrscheinlich nicht genau die Menschen, die man braucht, um künstliche Intelligenz, Algorithmen zu trainieren und Digitalisierung voranzutreiben. Das heißt, wohin das Ganze genau führt, kann man noch nicht wirklich abschätzen. Aber ich möchte in dieser Folge einige Denkanstöße, einige Haltungen vermitteln, über die es sich lohnt nachzudenken und bei denen es auch gerade in dieser besonderen Phase, in der vieles so unsicher ist, eine Chance besteht, Dinge auszuprobieren, Dinge in die richtige Richtung zu entwickeln und nicht Momente zu verpassen, in denen man die Dinge sehr gut auf den Weg bringen kann. Lassen Sie mich zehn Aspekte beleuchten.

10 Aspekte zum Umgang mit Corona und dem Fachkräftemangel

Aspekt 1: die Homeoffice-Challenge

Was haben Führungskräfte nicht diskutiert, was sind nicht Bedenken formuliert worden, dass Homeoffice bei uns doch irgendwie nicht geht, obwohl Experten und Vorreiter schon seit Jahren sagen, dass man eigentlich alles, was man in Büros machen kann, auch mobil machen kann. Es gibt Firmen, die arbeiten ausschließlich so und es gibt immer schon Firmen, die in wichtigen Teilbereichen so arbeiten, dass Menschen ein paar Tage die Woche nach Bedarf auch außerhalb des Büros arbeiten können. Jetzt hat Corona etwas erzwungen und dadurch viel, viel schneller realisiert, als es sonst möglich gewesen wäre, nämlich dass ganz viele Menschen plötzlich und fast vollständig zuhause arbeiten mussten. Das sind erschwerte Bedingungen. Niemand stellt sich ein Homeoffice vor, wenn man nicht raus darf, wenn Kinder nicht betreut werden, wenn in einer kleinen Wohnung zwei Erwachsene arbeiten und zwei Schüler Hausaufgaben machen müssen. Das ist natürlich nicht ideal und es ist ja auch nicht richtig vorbereitet gewesen. Aber trotzdem hat es für ganz viele Menschen besser geklappt, als viele geglaubt haben. Und wenn man diese Erkenntnis nimmt, dann darf man auch davon ausgehen, dass das nicht ohne Folgen bleiben wird. Jeder hat erlebt, dass Arbeiten auch außerhalb des Büros funktioniert. Natürlich dürfen alle wieder in ihren Büros mit ihren Kollegen zusammenarbeiten. Das will ja niemand verhindern. Aber man muss eben nicht zum Arbeiten ins Büro. Das wird jeder Arbeitnehmer in Zukunft als Selbstverständlichkeit erwarten. Und jeder Arbeitgeber muss sich heute Gedanken machen, wie nach der Krise in normaleren Zeiten ein Konzept aussehen kann für möglichst gutes, mobiles, entspanntes Arbeiten, was es Mitarbeitern erlaubt, einzelne Tage im Homeoffice zu sein, auch mal auf Reisen zu arbeiten, im Coworking Space zu arbeiten, im Café, einem anderen Standort des Unternehmens. Die eigentliche Freiheit des mobilen Arbeitens, die hat gar nicht so viel mit Homeoffice alleine zu tun, die fängt eigentlich erst jenseits von Homeoffice und Büro an. Wenn es egal ist, wo ich arbeite, dann kann ich auch mal zwei Wochen aus Portugal arbeiten, ohne Urlaub zu machen, wenn ich einfach abends surfen gehe, aber tagsüber meinen ganz normalen Job mache. Warum soll das nicht gehen, wenn Führung, wenn klare Ziele, wenn all diese Dinge, die man natürlich entwickeln muss, gut entwickelt sind? Dazu wird es auch eigene Folgen geben. Das ist auch nicht ganz trivial und ganz einfach ein Unternehmen auf mehr Homeoffice umzustellen, das will ich gar nicht beschönigen. Die grundsätzliche Botschaft aber ist: Es sollte niemand glauben, dass diese Art des Arbeitens wieder so wird wie früher. Dass Menschen es akzeptieren werden, dass Jobs nicht auch aus dem Homeoffice erledigt werden können, die prinzipiell dafür geeignet wären. Und da lohnt es sich, die Erfahrung, die man jetzt macht, zu nutzen und zu überlegen: Was müssen wir lernen? Verändern? Welche Systeme brauchen wir? Was müssen unsere Führungskräfte lernen? Wie können wir unsere Mitarbeiter unterstützen? Und wie kann Homeoffice dann auch gut funktionieren als ganz normaler Bestandteil des Arbeitens? Und Homeoffice erweitert im Sinne von mobilem Arbeiten, egal von wo.

Aspekt 2: der Digitalisierungs-Status quo

Wenn nun auf einmal quasi erzwungen wurde, auf Abstand zu arbeiten, dann kann man sehr schnell spüren und merken, was denn nahtlos funktioniert hat und wo man im Grunde Prozesse noch hatte im Unternehmen, die auf den festen Standort angewiesen sind. Und es ist bei dem einen Unternehmen nahezu die gesamte Struktur, die gar nicht darauf eingerichtet ist, außerhalb des Gebäudes zu funktionieren und bei anderen sind es nur noch kleine Reste. Bei uns war es zum Beispiel so, dass wir alle Prozesse digital im Netz abgebildet haben, alle Daten in der Cloud, Web-Applikationen nutzen für alles, was wir an Software benutzen, außer unserem crm-system. Das haben wir gerade kürzlich, als der letzte Server abgeschmiert ist, auf einen neuen lokalen Rechner installiert. Das führte jetzt genau in dieser Phase dazu, dass immer eine Person, die dann die Rechnungen schreibt, dazu tatsächlich ins Büro fahren muss. Da alle anderen zu Hause waren, war das jetzt Corona-mäßig kein Problem, aber es macht natürlich sofort bewusst, wie aufwendig dann ein Prozess wird, der nicht komplett digitalisiert ist. Und eine solche erzwungene Situation wie Corona bietet natürlich auch eine, wenn man so will, eine Chance alles das aufmerksam zu notieren und zu vermerken, wo man spürt Okay, da bleiben wir hängen, da stimmt unsere Technologie noch nicht, da sind Widerstände, da sind Prozesse nicht so definiert, dass man sie sinnvoll delegieren kann. Es gibt kein digitales Unterschrift-System und dadurch werden Dinge automatisch kompliziert. Manche Menschen müssen Akten händisch mitnehmen zum Homeoffice, damit sie damit überhaupt arbeiten können. Manchmal funktioniert ein datenschutzkonformer Zugang zu einem Server nicht. Es können ganz technische Dinge sein. Das können eher in den Abläufen begründete Dinge sein, die noch nicht funktionieren. Und das kann man in einer solchen akuten Situation auch nicht alles perfekt lösen. Da muss improvisiert werden. Die Botschaft ist auch nicht, das alles sofort perfekt zu machen, sondern auch nicht mit sich zu hadern, weil man vielleicht an vielen Dingen so weit zurück ist, sondern neben dem, was man akut in der Krise tun muss, parallel vielleicht ein kleines Team zu beauftragen. Schreibt alles auf, was ihr merkt, wo wir besser werden müssen, sammelt alle Ideen. Und sobald dann etwas Zeit ist, setzt man sich zusammen und fängt an nachzudenken. Was lernen wir daraus und wie können wir das in Zukunft machen?

Aspekt 3: Führungskultur und Identifikation

Der dritte Aspekt hat mit der Führungskultur und Identifikation und dem Vertrauen im Unternehmen zu tun. Gerade wenn Menschen nicht mehr zusammen sind beim Arbeiten, sondern zeitversetzt arbeiten, im Homeoffice arbeiten, dann stellt es auch Führung vor ganz neue Herausforderungen. Auch das will gelernt sein und erfordert andere Kultur, wenn Menschen nicht gemeinsam in einem Raum sind und sich quasi zufällig begegnen, sondern ein Kontakt nur stattfindet, wenn er bewusst initiiert wird, als Videokonferenz, als Telefonat. Auch die Art, wie man führt, klare Ziele, transparenter Fortschritt in den Projekten. Das braucht andere Instrumente und es ist ein Feld, wo es sich sehr lohnt hinzuschauen. Haben Menschen klare Ziele, identifizieren sich mit ihren Aufgaben und können dadurch sehr eigenverantwortlich im Sinne des Unternehmens agieren? Oder entsteht eine große Verunsicherung, weil Menschen sich überhaupt nicht wertgeschätzt wahrgenommen fühlen, wenn sie nicht den ständigen Kontakt haben oder in Unsicherheit fallen, weil es gar nicht so eine klare Zielsetzung gibt? Und das gilt genauso für die Führungskräfte. Haben Führungskräfte ein klares Bild von Identifikation, von ihrer Rolle, wenn es eben nicht über Präsenz und Kontrolle funktionieren kann? Auch diesbezüglich muss sich ein Unternehmen verändern, wenn es flexibler werden will in Zeiten und Orten des Arbeitens. Ich bin ja schon länger ein Fan von Videokonferenzen.

Aspekt 4: Reisen, Meetings, Konferenzen und Lernen

Wir werden vermutlich viel mehr online und virtuell tagen, sprechen und abstimmen, als wir das in der Vergangenheit getan haben. Das Leiden der Reisegesellschaften ist die eine Seite, die negative Seite. Auf der anderen Seite werden wir alle unglaublich viel Zeit sparen, die wir auf Reisen verbracht haben, um zu einem Meeting zu fliegen oder zu fahren, was dann ein, zwei Stunden gedauert hat. Es wird sehr viel selbstverständlicher sein – da  bin ich mir schon ziemlich sicher – dass Meetings mit guter Videokonferenz-Technik stattfinden können. Wir werden eine ganz neue, auch eine Ausstattungwelle sehen. Es wird normal sein, dass in jedem Besprechungsraum eine Technik vorhanden ist, die es leicht macht, einzelne Personen zu einem Meeting, mehrere Menschen in einem Raum hinzu zu schalten. Und das in einer Qualität, die fast so gut ist, wie wenn die Menschen im Raum wären. Plastisch vor Augen geführt haben uns das die Fernsehsendungen in Talkshows, wann Menschen zugeschaltet standen, mit ihrem Bildschirm dort, wo sonst ein realer Mensch gestanden hätte. Und es war völlig normal, dass die Hälfte oder mehr der Talk Teilnehmer bei Lanz, Plasberg und Co. einfach zugeschaltet waren. Das hat wahrscheinlich umwälzende Konsequenzen auf online Lernen, auf online Konferenzen auch Messen. Je weiter sich die Technologie entwickelt – Stichwort virtuelle Realitäten, künstliche Intelligenz, Avatare – je besser diese Technologie wird, desto mehr werden wir uns ganz selbstverständlich daran gewöhnen, dass wir uns nicht räumlich örtlich bewegen müssen, um mit Menschen irgendwo auf der Welt zu konferieren. Das ist ein riesiges Thema. Da gibt’s auch noch einige eigenständige Folgen dazu, weil auch das ein Gewöhnungseffekt ist und eine Haltung erfordert, sich positiv und dauerhaft mit den Themen auseinanderzusetzen. Videokonferenzen sind keine Notlösung für eine Krise, sondern werden genauso normal, wie wir früher telefoniert haben.

Aspekt 5: Die Haltung zu mobilem Arbeiten

Der nächste Aspekt hat mit der Haltung und der Kultur zu mobilem Arbeiten zu tun. Das schließt so ein bisschen an an das, was wir bei der Homeoffice Challenge gesagt haben. Und beim Thema Führung? Ich glaube, in vielen Unternehmen wird in Zukunft die Botschaft sein: Wo sie arbeiten, ist egal. Wer da nur an Homeoffice denkt, springt, glaub ich, zu kurz. Warum soll ein Mitarbeiter nicht vier Wochen von Bali aus arbeiten? Oder eben die paar Wochen am anderen Standort in Italien sein? Und da wird es sehr, sehr unterschiedliche Modelle geben. Und Unternehmen sind, glaube ich, gut beraten, sich zu überlegen, was sie auch als Stärke ihrer eigenen Arbeitgebermarke nach außen transportieren können. Und es wird, glaube ich, sehr wichtig sein, dafür zu sorgen, dass die eigenen Führungskräfte ihre Haltungen und ihre Annahmen über produktives Arbeiten in Frage stellen und nicht der Versuchung erliegen, wieder in den alten Zustand zurück zu wollen. Die Gefahr ist nämlich groß, dass man damit das Problem des Fachkräftemangels verschärft, weil es andere Firmen geben wird, die da sehr progressiv sein werden.

Aspekt 6: Der Wandel in einzelnen Branchen und Geschäftsmodellen

Da gibt es Bereiche, da wird Corona natürlich einen Schub und eine Beschleunigung bringen für Entwicklungen, die sonst auch gelaufen wären, aber wahrscheinlich viel schleichender. Nehmen Sie zum Beispiel den Einzelhandel in kleinen Innenstädten. Das ist klar, dass sich vieles Richtung online verlagert, das nur besonders spezialisierte Läden überleben. Und wenn nun plötzlich der ganze Umsatz wegbricht, dann wird es natürlich auch zu einem großen Ladensterben führen. Vergleichbares wird es in anderen Branchen geben. Andere werden sich sehr schnell verändern in dieser Notsituation. Nehmen Sie Weiterbildung. Ganz viel wird in ganz kurzer Zeit gerade in Richtung online Lernen und virtuelle Formate umgewandelt. Das ist ein Prozess, der wäre sowieso schon gelaufen oder ist gelaufen, aber er beschleunigt sich massiv. Und was man auch nicht übersehen darf: Es gibt Wandel in Branchen, der vielleicht mit Corona gar nicht so viel zu tun hat. Nehmen Sie die Automobilindustrie, der Wandel zu der Elektromobilität. Es wird aber in vielen Firmen auch so sein, dass man diese besondere Krisensituation nutzt, um vielleicht Personal abzubauen, was man sowieso eigentlich gerne abgebaut hätte, aber in dem Umfeld ohne Krise, das nicht so leicht gegangen wäre. Da gibt es sicherlich gewisse Mitnahmeeffekte, Bereinigungseffekte. Wenn man jetzt schon in der Krise gelandet ist, dann startet man gleich mit Entwicklungen, die man sowieso vor hätte, sodass ich glaube, dass es sich erstens lohnt zu schauen: Wenn wir jetzt schon neu starten müssen, was machen wir dann gleich anders, was sonst vielleicht noch ein paar Jahre gedauert hätte? Aber auch aufmerksam hinzuschauen, was denn im eigenen Geschäftsmodell, in der eigenen Branche, auch im Umfeld, Dinge sind, die eigentlich keine guten Karten haben für die Zukunft.

Aspekt 7: der Fachkräftemangel

Ich glaube ziemlich sicher, der wird uns erhalten bleiben. Auch wenn Corona manche Entwicklung etwas bremst, wie wir eingangs gesehen haben, die große Linie verändert sich dadurch nicht wirklich. Und die eigentliche demographische Zuspitzung kommt ja tatsächlich erst in einigen Jahren. Das heißt, jeder Unternehmer, jedes Unternehmen ist heute, glaube ich, ganz gut beraten, auf der einen Seite die gute eigene Mannschaft zusammenzuhalten – das tun, glaube ich, auch alle und unsere in Deutschland sehr gut geeigneten Instrumente wie Kurzarbeitergeld, wie Hilfen für die Unternehmen tun da ein Übriges. Da geht es uns, glaube ich, besser als fast allen anderen Ländern auf der Welt. Also die Mannschaft zusammenhalten ist das eine. Das andere kann aber auch sein, dass in einer solchen Phase der Unsicherheit und auch der Krise es Möglichkeiten geben kann, Menschen an Bord zu holen, die man sonst gar nicht gekriegt hätte. Vielleicht auch aus einer anderen Branche, weil in Zeiten der Unsicherheit ist natürlich besonders attraktiv, wer auch tatsächlich eine Perspektive über diese Krise hinaus bieten kann. Mit seinem Geschäftsmodell, aber auch mit seiner Unternehmenskultur. Also ich glaube, man ist klug beraten, davon auszugehen: Der Fachkräftemangel wird bleiben. Und dafür die Weichen zu stellen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, kann sehr weise sein.

Aspekt 8: Flexibilität in Krisenzeiten

Warum sind wir eigentlich nicht immer so flexibel? Da hat es doch immer wieder Firmen gegeben, die gesagt haben, Arbeitszeit kann zwischen acht und 18 Uhr sein. Mit einer Kernzeit und unter dem Corona-Zwang, sich möglichst wenig zu begegnen, hat man auf einmal zwischen 5 und 22 Uhr arbeiten können, hat Schichten entzerrt und für manche Menschen Möglichkeiten geschaffen, zu anderen Zeiten zu arbeiten, die für einzelne in ihrem privaten Umfeld vielleicht viel verträglicher sind als die klassische Arbeitszeit. Das muss man nicht alles beibehalten, aber ich glaube, gut zu beobachten, wo uns besondere Flexibilität gelungen ist in Zeiten der Krise und diese Fähigkeit auch mitzunehmen und die Bereitschaft dazu, manche Dinge zum Dauerzustand zu machen, das kann sich auf die Arbeitszeiten beziehen, das kann sich aber auch darauf beziehen, dass auf einmal Menschen aus ganz anderen Geschäftsbereichen mitgeholfen, ausgeholfen haben, dass mehr Flexibilität auch in den Tätigkeiten entstanden ist, bis hin, dass auf einmal Firmen Masken genäht haben, die eigentlich ganz andere Dinge tun. So weit muss man, glaube ich, gar nicht gehen, aber das kann eben auch die ein oder andere Flexibilität in den Jobs, in den Einsatzgebieten wie auch im Geschäftsmodell zutage fördern. Und das sollte man sich aufmerksam anschauen und viele dieser tollen Fähigkeiten, die sich gezeigt haben, eben auch mitnehmen in die Zeit nach der Krise.

Aspekt 9: Sicherheit und Resilienz in Lieferketten

Ich glaube, wir werden sehr viel mehr auf Sicherheit und Resilienz in Lieferketten in Abhängigkeiten achten. Da war doch auf einmal das Toilettenpapier alle. Es gab kein Mehl mehr. Mein Lieblings-Müsli war ausverkauft… Oder haben Sie versucht, am Anfang der Pandemie-Maßnahmen, eine Webcam zu kaufen? Die waren dreimal so teuer wie in der Zeit davor, wenn Sie überhaupt eine gekriegt haben. Und das ist ja mit viel stärkeren Auswirkungen bei vielen Lieferketten passiert, dass man auf einmal gemerkt hat, wow wir sind so abhängig von einem Lieferanten, der in anderen Weltregionen sitzt und wo irgendwas passieren kann, auf das wir keinen Einfluss haben. Ich bin zwar ein überzeugter Verfechter eines Beibehaltens von globalen Wertschöpfungsketten und Vernetzung und Zusammenarbeit, aber ich glaube, wir werden an vielen Stellen darauf achten müssen, eben nicht nur von einem oder von wenigen abhängig zu sein und nicht nur auf die rein wirtschaftliche Betrachtung, wenn alles gut läuft, schauen, sondern uns stabiler und krisenfester aufstellen müssen. Das ist ja das Wesen einer Krise, dass wir nicht wissen, aus welcher Ecke sie kommt. Es wird vermutlich die nächste nicht genauso ablaufen wie diese, aber es lohnt sich, im eigenen Unternehmen auch bezogen auf die eigenen Mitarbeiter, auf die eigene Führungs- und Unternehmenskultur darauf zu achten: Was würden wir denn tun, wenn? Und da krisensicherer zu werden.

Aspekt 10: Die Corona-Krise als Chance?

Ich wehre mich ein bisschen gegen diesen abgegriffene Slogan der Krise als Chance. Aber die Botschaft ist tatsächlich: Wir sollten diese besondere Phase nutzen und achtsam hinschauen, was wir daraus lernen können, was da so passiert und wozu wir auch selbst im positiven Sinne in der Lage sind. Also die Krise und die Erkenntnisse daraus nutzen, um daraus für die Zukunft der Arbeit zu lernen. Denn was für die Entwicklung, die auf uns zukommt, erfolgsentscheidend ist, für einen großartigen Arbeitgeber ist es eine klare, überzeugende People Strategie zu haben. Ein klares Bild. Wer sind wir als Arbeitgeber? Wie stellen wir uns auf? Was haben wir zu bieten? Und welche Aspekte einer richtig guten Führung und Personalarbeit können wir schrittweise immer besser entwickeln? Und jetzt ist vielleicht in dieser Krise manche Maßnahme nicht angesagt. Aber häufig ist da doch etwas mehr Zeit, mal über Dinge nachzudenken und einen guten Plan zu entwickeln, eine gute Strategie und Ansätze zu entwickeln, die man dann umsetzt, wenn sie in die Zeit passen. In diesem Sinne, glaube ich, lohnt es sich, diese Phase als Trainingslager zu nutzen. Vielleicht als Trainings-Turnier, um Dinge auszuprobieren, um Ideen auf den Weg zu bringen und mit einem gut zusammengestellten Team eine Strategie als erfolgreicher Arbeitgeber für die Zeit nach der Krise, für die Zukunft der Arbeit jetzt zu entwickeln und damit einen entscheidenden Vorsprung herauszuarbeiten.

Herausforderungen annehmen und Chancen nutzen

Das waren zehn Aspekte zum Umgehen in der Krise und zum Vorbereiten auf die Zeit danach. Wenn ich jetzt versuche, ein Fazit zu ziehen, ist mir nochmal wichtig zu sagen: Wir wissen nicht wirklich, was alles entsteht. Wir können Annahmen treffen, wir können über kluge Dinge nachdenken, oder wir können einfach nur unter der Situation leiden. Und ich hoffe, dass ich ihnen einige Dinge zeigen konnte, über die nachzudenken sich lohnt. Es geht, glaube ich, einfach darum, wachsam und achtsam zu sein, auf die Dinge zu achten, die sich entwickeln, daraus zu lernen, Chancen auch zu sehen, Dinge auch einfach mal auszuprobieren. Es muss nicht perfekt sein, aus denen man aber lernen kann und auch alle beteiligten Menschen Erfahrungen machen. Es ist dabei durchaus klug, auch vorsichtig zu sein. Stichworte wie Datenschutz, IT-Sicherheit das ist alles berechtigt. Also Vorsicht? Ja, aber Bedenkenträger? Nein. Die Bedenkenträger dürfen nicht den Ton angeben, wenn man auf dem Weg in die Zukunft vorankommen will. Handlungsdruck besteht. Na klar. Aber Aktionismus wäre jetzt auch verkehrt. Also in gewisser Weise aufmerksam, achtsam, in aller Ruhe die Dinge in die richtige Richtung zu bewegen und einen Start zu setzen, jetzt zu überlegen: Wie stellen wir uns für die Zukunft auf? Das ist aus meiner Sicht ziemlich entscheidend. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen: Bleiben Sie gesund als Mensch wie als Unternehmen und stellen Sie die Weichen richtig, sodass man im Nachhinein sagen kann: „Boah, das war eine echt heftige Herausforderung, aber es hat auch einiges angestoßen und wir haben gut daraus gelernt.“ In diesem Sinne: alles Gute.

Hässliche Büros braucht kein Mensch

Hässliche Büros braucht kein Mensch

Warum Sie „Büro“ ganz neu denken sollten und welche Büros wir in Zukunft noch brauchen

Das hätte man sich ja denken können. Controller wollen die Hälfte der Gebäudekosten sparen und Immobilieninvestoren fürchten um die Renditen ihrer Bürotürme. Ich muss schon schmunzeln, wenn man sieht, wo jetzt überall die Folgen des mobilen Arbeitens realisiert werden. Eigentlich sind die Trends ja nicht neu.

Kaum haben alle geschrieben und gesendet, dass Homeoffice ziemlich gut funktioniert. Gut – die ganze Woche und mit Kindern ohne Betreuung vielleicht nicht – aber zwei bis drei Tage die Woche – das wollen doch viele Menschen beibehalten. Medien berichten von Firmen, die Homeoffice deutlich ausweiten wollen. SAP hatte das schon lange vor Corona verkündet, Firmen wie Siemens, BASF und BMW waren damit kürzlich in den Schlagzeilen. Die allermeisten Firmen haben ähnliches vor. Soweit so gut.

Doch erstaunlich, wie schnell die Controller aus den Büschen kommen und berechnen, was man einspart, wenn man eine Büroetage abgibt, den Neubau storniert und Arbeitsplatzausstattungen reduziert. Wenn nur jeder zweite im Büro ist – wozu brauchen wir dann die ganzen Arbeitsplätze? Investoren fragen sich, ob Bürogebäude noch gut vermietet werden können? Müssen Wirtschaftsförderer Leerstände fürchten? Wie so vieles wird auch diese Entwicklung nicht so heiß gegessen, wie sie gerade hochgekocht wird. Doch es lohnt sich, über unsere Büro-Arbeitsplätze neu nachzudenken.

Wozu brauchen wir Büros – und welche ?

Wer hier schon länger mitliest, kennt mein Statement: „Alles, was man in einem Büro macht, kann man auch woanders erledigen. Büros braucht man nur, wenn sie schön sind und es dort nette Kollegen gibt!“ Das mag etwas zugespitzt sein. Man kann natürlich weiterhin einfach im Büro arbeiten und Meetings wieder live wahrnehmen. Klar. Muss man aber eben nicht mehr.

„Homeoffice ist ja ganz gut. Aber ich freue mich echt, wieder ins Büro zu kommen.“ Solche Aussagen habe ich viele gehört. Es lohnt sich, genau hinzuhören und Mitarbeiter zu fragen, was es denn tatsächlich ist, was so gefehlt hat, was wir vermissen und wonach wie uns gar sehnen. Der Desktop-PC wird es kaum sein. Der Aktenschrank vermutlich auch nicht. Was ich aber oft gehört habe – und gut verstehe – ist das menschliche Miteinander. Das Gemeinschaftsgefühl. Der Smalltalk. Gemeinsames Lachen. Vielleicht auch Lästern. Der barrierefreie Dialog, das spontane Gespräch. Die gemeinsame Pause, das kurze Brainstorming. Alles also, was mit den Menschen, dem Austausch, dem Gemeinschaftsgefühl zu tun hat. Ob uns das so klar war, dass es diese sozialen, zwischenmenschlichen Aspekte sind? Was da fehlt, wird gerade dann bewusst, wenn man es nicht hat. Dieser Grund ins Büro zu kommen, gilt für alle Firmen mit netten Kollegen und einer guten Firmenkultur.

Für den zweiten Aspekt trennt sich die Spreu vom Weizen beim Gebäude selbst. Ich habe viele Büros von innen gesehen, in denen ich freiwillig nie arbeiten würde. Kleine Räume, schmucklos-sterile Kammern, schlechte Stühle. Laute Großraumbüros. Zu kalt, zu heiß, schlechte Luft, zu klein. Solche Büros braucht kein Mensch mehr. Doch es gibt auch das Gegenteil: Tolle Gebäude, die man betritt und sich wohl fühlt. Gebäude, bei denen das Selbstbewusstsein wächst, wenn man die Eingangshalle betritt. Inspirierende Räume, komfortable Ausstattungen. Ergonomische Schreibtischstühle, große Bildschirme, leistungsfähige Infrastruktur und leckeres Essen in der Mittagspause. Solche Büros behalten ihre Existenzberechtigung – trotz Homeoffice und Coworking.

Wieviel Büro brauchen wir?

Kommen wir zu den Controllern. Die Rechnung ist einfach. 2-3 Tage Homeoffice bedeutet, dass die Hälfte der Arbeitsplätze überflüssig ist. Also Büroflächen freimachen, Kosten sparen. Jeder arbeitet, wo was frei ist. Geht klar. Oder?

Achtung! Vorsicht Falle. Es gibt Firmen, die so vorgehen. Zu der Basis erfolgreichen mobilen Arbeitens passt das nicht. Dazu braucht es nämlich eine Vertrauenskultur, Flexibilität und Wertschätzung für die Mitarbeiter. Nichts gegen Kosteneinsparungen. Doch das ist das grundfalsche Motiv für die Flexibilisierung der Arbeit. Der Eindruck ist nicht zu Unrecht: „Jetzt müssen wir zuhause arbeiten, verbrauchen unseren eigenen Strom, müssen den Stuhl selbst kaufen und können das noch nicht mal als Arbeitszimmer absetzen.“ Sollten Sie gerade Büroneubauten und -erweiterungen planen, halten Sie diese nochmal an und denken Sie neu.

Vorträge, die begeistern und Wirkung zeigen

Fachkräftemangel, Digitalisierung, New Work – der Wandel der Arbeitswelt stellt alte Sicherheiten in Frage. Jammern hilft nicht. Strategie schon.

Bringen Sie Zuversicht und Motivation in die Köpfe und Herzen Ihrer Zuhörer. Mit Vorträgen, die begeistern, ermutigen und zum Handeln anstiften. Provokant und relevant für alle, die Verantwortung für Unternehmen und Mitarbeitende tragen.

Welche Art von Büro brauchen wir?

Mobiles Arbeiten heißt nicht nur Homeoffice, Café oder Coworking. Mobiles Arbeiten kann auch bedeuten, innerhalb des Firmengebäudes an verschiedenen Orten zu arbeiten. Mal hier, mal da. Mal an einem anderen Firmenstandort, mal in wechselnden Teams. Wer Büros für die Zukunft gestalten will, sollte von guten Beispielen lernen. Die gibt es schon – auch lange vor Corona. Einige Beispiele werde ich Ihnen in weiteren Beiträgen zeigen. Es gibt keine Patentrezepte. Großraumbüros mit Containern, die man sich morgens an einen freien Tisch zieht, haben sich nicht wirklich durchgesetzt. Zu sehr widerspricht das menschlichen Bedürfnissen.

Gute Büros sind dennoch flexibel. Sie bieten Räume und Umgebungen für unterschiedliche Arten des Arbeitens: Besprechungs- und Kommunikationsflächen, Sitzinseln, Umgebungen für entspannten Dialog, das interne Café. Daneben braucht es Räume für ungestörtes Arbeiten, für Videokonferenzen, ungestörte Telefonate oder konzentriertes Arbeiten. Es kann feste Arbeitsplätze geben und Bereiche für diejenigen, die nur an einzelnen Tagen ins Büro kommen. Alles das, was Büros in Zunft interessant machen kann, wird auch Platz brauchen. Zwar werden im Schnitt weniger Leute da sein – so viel kleiner werden die Büros der Zukunft aber vielleicht gar nicht. Nur anders. Schöner. Wohnlicher. Kommunikativer. Cooler.

Was sollten wir tun?

Überstürzen Sie nichts. Verstehen Sie, was Büros wirklich wertvoll macht. Analysieren Sie, was Ihr Büro heute ausmacht und morgen interessant machen kann. Sammeln Sie Ideen für Ihr Büro der Zukunft. Beteiligen Sie Ihre Mitarbeiter. Ermutigen Sie zu unkonventionellen Ideen. Probieren Sie etwas aus. Tauschen Sie mal Büros. Vielleicht schaffen Sie ein Pilotprojekt mit einer internen Coworking-Etage. Schauen Sie sich interessante Firmen an.

Lassen Sie sich nicht von architektonischen Vorzeige-Projekten blenden. Für die Qualität eines Büros sind die inneren Werte vermutlich wichtiger als die teure Architektur oder Einrichtung. Gute Büros sind inspirierende Umgebungen, in denen man gerne arbeitet. Solche Büros haben Zukunft. Hässliche dagegen haben ausgedient. Das ist auch gut so.

Nutzen Sie die Erfahrungen und Erlebnisse rund um die Krise und die erzwungene Büro-Abstinenz. Stellen Sie Ihre Bürowelt in Frage, erfinden Sie sie neu, und treffen Sie die richtigen Entscheidungen. Sie werden Büro anders denken und gestalten. Ihre Mitarbeiter werden es Ihnen danken. Schöne Büros werden auch in Zukunft ein Ort sein, an dem Menschen gerne arbeiten. Alle anderen haben ausgedient. Wer die Bedeutung attraktiver Büros richtig verstanden hat, denkt nicht nur an Kosteneinsparungen, sondern an kluge Investitionen in die Attraktivität der Büros. Das lohnt sich.

Vielleicht gehen Sie mal in den nächsten Tagen mit sehr offenen Augen durch Ihre Räumlichkeiten und stellen sich vor, wie es werden könnte. Ich wünsche Ihnen viel Freude und gute Ideen dabei.

01 Glücksfall Fachkräftemangel

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Weitere Informationen

Der Fachkräftemangel gilt für viele in der Arbeitswelt als Bedrohung für den künftigen Unternehmenserfolg. Stefan Dietz sieht das anders. Seine These: Der Fachkräftemangel ist ein Glücksfall. Nicht für alle Unternehmen – aber für die guten. In dieser ersten Podcast Episode erklärt Stefan Dietz, welche Entwicklungen den Arbeitsmarkt umwälzen und welche Folgen das hat. Er zeigt, für wen der Fachkräftemangel ein Glücksfall sein kann und was Unternehmen heute schon tun können, um morgen als großartige Arbeitgeber erfolgreich zu sein.

Podcastfolge #1

Glücksfall Fachkräftemangel

Zum Auftakt geht es um die Frage, warum der Fachkräftemangel ein Glücksfall ist und was Unternehmen und gute Führungskräfte heute tun müssen, um von dieser Entwicklung morgen zu profitieren.

Der Arbeitsmarkt im Wandel

Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Und das bezieht sich jetzt gar nicht auf die aktuelle Corona Krise. Die gibt einigen Dingen nochmal einen besonderen Drall. Es geht um eine viel längerfristige Entwicklung, die schon länger läuft und die uns auch noch länger beschäftigen wird. Der Arbeitsmarkt dreht sich nämlich. Und um das zu verstehen, muss man vielleicht ein bisschen zurückblicken auf das, wie wir alle den Arbeitsmarkt kennengelernt haben. Arbeitslosigkeit war eigentlich der prägende Begriff und im Grunde war jedem klar, wenn ein Unternehmen wächst, dann braucht es Mitarbeiter, dann hat man Stellen ausgeschrieben, hat Bewerbungen gesammelt, eine Weile gewartet, dann die Besten zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Es war auch klar, dass die Bewerber diejenigen sind, die beim Bewerbungsgespräch schwitzen und wenn die irgendwie unverschämte Forderungen gestellt haben, dann haben die nächsten schon gewartet. Von daher waren die Kräfteverhältnisse immer klar, die Unternehmen am längeren Hebel und die Bewerber mussten froh sein, wenn sie einen guten Job finden. Und damit war der Ton gesetzt. Der Spruch „Jeder ist ersetzbar“, den hat man relativ oft gehört. Und jeder, der mal 38 oder 50 war, hat sich in der Regel nicht mehr getraut, noch einmal den Arbeitgeber zu wechseln. Man weiß ja nicht, ob man so was nochmal findet. Das ist jetzt ein bisschen vereinfacht gesagt, aber klar war, dass die Arbeitgeber am längeren Hebel sitzen. Damit sind die meisten, die heute in Verantwortung in Unternehmen sind, einfach auch aufgewachsen. Und diese Entwicklung dreht sich gerade um. Der Arbeitsmarkt dreht sich in die Richtung, dass die Talente, dass die gut qualifizierten Kräfte immer stärker am längeren Hebel sitzen und sich im Grunde ihre Jobs aussuchen können. Warum ist das so?

3 Faktoren für die Entwicklung des Arbeitsmarktes

Das hat im Grunde Ursachen in drei ganz großen Trends, die wir uns näher anschauen wollen. Da ist zum einen eine unglaubliche technologische Entwicklung. Da gibt’s zum anderen eine demografische Entwicklung, weil sich die Bevölkerungsstruktur komplett verändert. Und es verändern sich einfach auch die Lebensentwürfe. Die Wünsche, die Werte der Menschen an sich. Und diese drei großen Entwicklungen führen dazu, dass sich im Arbeitsmarkt ganz viel verändert und dreht. Schauen wir uns das mal etwas näher an!

Wie moderne Technik den Arbeitsmarkt beeinflusst

Beginnen wir mit dem technologischen Wandel. Der ist natürlich in aller Munde. Stichwort Digitalisierung, Automatisierung, künstliche Intelligenz, Industrie 4.0. Unglaublich viele Begriffe, die für eine Entwicklung stehen, die unglaublich an Fahrt aufnimmt. Jetzt ist die Angst, dass Technologie uns unsere Jobs wegnimmt, im Grunde schon uralt. Schon in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts, gab es Titelseiten „Nehmen uns die Roboter die Arbeit weg?“. Und man hat sich fast schon daran gewöhnt, dass es immer ganz kühne Prognosen gibt und dass die wirklich umsetzbar funktionierende Technik dann doch oft wieder enttäuschend ist und doch die Dinge noch nicht so schnell funktionieren, wie man das ursprünglich mal glaubte, wie das zumindest die Visionäre glaubten. Aber genau das dreht sich. Die Technologie wird so viel schneller, dass wir ganz häufig überrascht sind, wie gut Technologie schon funktioniert. Ob es sich darum dreht, dass man Texte in eine fremde Sprache übersetzt und es auf einmal sehr, sehr gut funktioniert, dass man gesprochenen Text in Schrift übersetzt, ganz automatisch und es funktioniert sehr gut, dass künstliche Intelligenz Schach spielt, dass künstliche Intelligenz beim Friseur einen Termin vereinbart und niemand gemerkt hat, dass das keine echte Stimme war. Also die Geschwindigkeit, in der Technik wirklich funktioniert, und die Qualität dessen, was dabei in der Umsetzung gelingt, hat enorm an Fahrt aufgenommen. Und wo wir früher oft enttäuscht waren von den Ergebnissen, zum Beispiel dem, was aus dem 3-D-Drucker rauskam, dann sind wir heute ganz oft positiv überrascht, manchmal irritiert, manchmal verwundert, was Technik schon kann. Das geht also sehr viel schneller und diese Geschwindigkeit nimmt auch noch zu, da sind sich die Experten einig.

Jobs verschwinden

Und das hat jetzt gravierende Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Das Naheliegendste und die naheliegende Angst, die viele Menschen natürlich haben, ist ‚werden unsere Jobs wegrationalisiert‘, und es werden auch ganz, ganz viele Jobs verschwinden, die in der Vergangenheit ganz selbstverständlich und ganz sicher waren. Das merken wir schon lange im Alltag für unsere Zugfahrten online, wir checken für unsere Flüge ein, wir kommen zum Flughafen, dann gibt’s da einen Automaten, da stellt man sein Gepäck selber drauf. Und die vielen Jobs, die vielen Menschen, die da früher am Schalter freundlich den Service erbracht haben, an denen man lange gestanden hat, die sind alle weg. Wir gewöhnen uns daran. Wir übernehmen ganz viele Dinge gemeinsam mit der Technik selbst. Und die Dienstleistungsjobs sind verschwunden. Es wird eine ganze Menge Jobs geben, die verschwinden. Alles das, sagen die Experten, was nach einem bestimmten Schema, nach einer bestimmten Logik gemacht wird, also alles das, was Menschen intellektuell tun können, können Maschinen, kann künstliche Intelligenz, irgendwann besser. So ähnlich ist es in manchen Produktionsthemen. Viele Dinge, die Menschen körperlich können, können Roboter, können Automationen über kurz oder lang besser. Ob es schon günstiger wird, das ist noch die Frage. Manchmal wird es doch länger dauern, dass Menschen in Arbeitsprozessen bleiben, als es technisch möglich wäre, weil es sich einfach noch nicht lohnt. Aber wir werden sehen, dass unglaublich viele Jobs verschwinden werden. Und das wird auch ganz viele Bürojobs treffen. Das wird Verwaltungsjobs treffen. Es wird ganz viele treffen, die heute noch glauben, sie hätten einen sicheren Beruf. Also, dieser Aspekt wird große Einschnitte bringen. Ganz, ganz viele Jobs werden verschwinden. Aber trotzdem muss uns, glaube ich, um die Beschäftigung gar nicht bange sein. Alle Experten, mit denen ich gesprochen, von denen ich gelesen habe, gehen davon aus, dass zumindest die nächsten zehn bis 20 Jahre die Zahl der Jobs mindestens gleich bleibt, wenn nicht sogar steigen wird. Warum ist das so?

Jobs wandeln und verändern sich

Es gibt einen zweiten Block. Es werden sich ganz viele Jobs wandeln und verändern. Also wo einerseits Dinge verschwinden, entstehen gleichzeitig andere Formen der gleichen Arbeit neu. Man hat ganz viele Verluste im Printmedienbereich, in der Werbung. Dafür entsteht ein riesiges Feld im Social Media Marketing und in der Folge entstehen auch ganz viele neue Jobs. Und so gibt es ganz, ganz viele Bereiche, in denen Jobs sich verändern, indem wir zum Beispiel ganz anders kommunizieren. Wo man früher Faxe geschrieben hat und Briefe geschickt hat, werden heute Chat-Programme und Online-Projektmanagement-Tools zu Kollaborations-Tools entwickelt.

Neue Jobs entstehen

Ganz viel entsteht auch an neuen Jobs, weil all diese Techniken entwickelt, eingeführt und trainiert werden müssen. Es wird also ein riesiger Arbeitsbedarf entstehen, um bestehende Abläufe zu digitalisieren, um Prozesse zu automatisieren, um Software zu programmieren, um Menschen und Abläufe zu trainieren, auch Algorithmen zu trainieren. Es wird unglaublich viel Job-Bedarf entstehen in Verbindung mit all diesen Veränderungsprozessen rund um Digitalisierung, um verändernde Organisationsformen, veränderte Kommunikation. Klar ist natürlich, es werden andere Jobs sein als manche, die vielleicht gerade im Zuge der Corona Krise in anderen Branchen verschwinden. Das bedeutet auch enorm hohe Anforderungen an die Menschen, deren bisherige Ausbildung und Kompetenz nicht genau zu dem passt, was in Zukunft gebraucht wird. Also auch da wird man dann eine hohe Flexibilität brauchen. Viele werden vieles neu lernen müssen, um am Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu sein. Aber in den technischen Kompetenzen, in den Zukunftskompetenzen, die gebraucht werden, werden wir einen verschärften Fachkräftemangel erleben. Davon können wir im Grunde ausgehen. Es werden Jobs verschwinden, es werden sich Jobs und die Art, wie wir arbeiten, massiv verändern. Aber was man, glaube ich, auch nicht vernachlässigen darf, es werden auch immer wieder neue Jobs entstehen. Das war schon immer so, dass Menschen Bedürfnisse haben, eigentlich unendliche Bedürfnisse haben, und sich nur die Form, wie bestimmte Dinge erfüllt werden, verändert. Nehmen wir die Musik. Früher hat man Platten oder Kassetten gehört, dann hat man CDs gehabt, dann hat man Tauschbörsen gehabt. Heute läuft es über Plattformen, über Streaming-Plattformen. Da verändern sich natürlich Jobs und Bereiche, aber es wird trotzdem weiter bestehen. Genauso wie Jobs also verschwinden werden, Jobs sich wandeln werden, werden aber auch neue Jobs entstehen.

Menschliche Bedürfnisse schaffen Arbeitsplätze

Die menschlichen Bedürfnisse scheinen unendlich zu sein und mit jedem ungelösten Problem, mit jeder neuen Herausforderung, entstehen auch neue Potenziale für neue Jobs, für neue Firmen. Also, mit unglaublich viel neuer Technologie wird auch ein Beratungsbedarf entstehen, wie man damit umgeht. Mit jedem, Mehr an Möglichkeiten für die berufliche Orientierung wird mehr an persönlichem Coaching, an Beratungsbedarf entstehen. Es wird auch ganz, ganz viele Jobs geben in persönlichen Dienstleistungen, in der Gastronomie, im Tourismus, im Einzelhandel, in der persönlichen Beratung, sodass auch dort nicht mit einem Rückgang von Jobs zu rechnen ist. Also Fazit insgesamt: Sehr, sehr viel Wandel, sehr viel Veränderungsbedarf für alle Beteiligten. In Summe vermutlich eher mehr als weniger Jobs, zumindest für die nächsten zehn bis 20 Jahre. Danach kann es durchaus sein, dass wir so viel automatisieren und Dinge von alleine laufen, dass ganz viel, was wir heute als Arbeit tun müssen, als Menschen, automatisiert wird und wir uns damit nicht mehr beschäftigen müssen. Das muss so schlecht auch gar nicht sein, wenn alle an dem partizipieren, was da an Wertschöpfung entsteht. Aber dazu kommen wir später noch.

Fachkräftemangel durch demografischen Wandel

Lassen Sie uns die zweite Entwicklung anschauen. Das ist im Gegensatz zur Technologie eine viel länger laufende, langsame Entwicklung. Die Demografie. Im Grunde sagen uns das die Forscher schon seit 20 Jahren. Und alle die, die vor zehn, zwanzig Jahren nicht geboren sind, können sich heute oder in zehn Jahren auch nicht in den Arbeitsmarkt entwickeln. Und die Grundbotschaft ist, dass im Jahr 2030/2035 uns in Deutschland bei einem, wie gerade gesehen, vermutlich mindestens gleichbleibenden Arbeitsmarkt sage und schreibe sechs Millionen Arbeitskräfte fehlen. Das ist ungefähr jeder Vierte, jeder Fünfte. Das ist unglaublich viel. Und jetzt kann man, wenn man da tiefer einsteigt, davon ausgehen, dass die Hälfte dieser sechs Millionen gehoben werden können, indem man alles dafür tut, dass alle Menschen, die hier sind und im Grunde im Arbeitsmarkt produktiv sein könnten, das auch tun können. Das heißt, Menschen, die bisher vielleicht im Schulsystem auf der Strecke bleiben, besser fördern und in den Arbeitsmarkt integrieren, dafür sorgen, dass die Quote von Berufstätigkeit und Familie deutlich höher geht, dass einfach mehr Menschen auch im Beruf aktiv sein können, auch in Familienphasen, dafür sorgen, dass man auch Menschen länger gesund erhält, länger im Arbeitsleben erhält. Die Verrentung später zu machen, sodass die Phase, in der man arbeiten kann, länger wird. Also wenn man all diese Dinge aktiv nutzt, dann ist es nach Aussage der Experten möglich, etwa die Hälfte dieser Arbeitskräftelücke zu schließen. So und dann bleiben drei Millionen Menschen als Bedarf. Und das kann schlicht nur erfüllt werden, wenn diese Menschen zu uns kommen. Das ist natürlich ein durchaus immer auch politisch heikles Thema. Aber es geht hier schlichtweg um die Frage ‚Sind wir attraktiv für Menschen mit der richtigen Qualifikation, sodass die zu uns kommen und Arbeitsplätze bei uns füllen und damit Wohlstand und Produktivität bei uns stattfindet?‘

Verabschiedungskultur für Arbeitsplätze?

Die Alternative? Ich sage immer gerne: Entweder entwickeln wir eine Willkommenskultur für Menschen oder eine Verabschiedungskultur für Arbeitsplätze. Die Arbeit wird irgendwo erfüllt. Weltweit sind immer auch genug Menschen da. Das heißt, letztlich ist es einfach eine Frage des Wettbewerbs, der Positionierung eines Landes, einer Region. Sind wir attraktiv, dass die richtigen Talente zu uns kommen, bei uns bleiben? Und dann kann Produktivität und Wachstum in einer Region, in einem Land stattfinden oder eben nicht. Jetzt könnte man ja sagen: Diese demografische Entwicklung ist irgendwie schon ein alter Hut. Und da haben wir ja tatsächlich alle schon oft und lange davon gehört. Aber es ist alles andere als ein alter Hut, im Gegenteil. Das eigentliche Drama kommt erst noch. Früher war es so, dass in jedem Jahrgang ungefähr gleich viele Leute aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden sind und 30 Jahre Jüngere wieder neu in den Arbeitsmarkt hinein gekommen sind. Es gab die Phase der Babyboomer, und da war es genau so, dass da doppelt so viele Menschen pro Jahrgang bestehen wie 25, 30 Jahre später. Und das wird dazu führen, dass in vier, fünf Jahren beginnend jedes Jahr 500-800 000 Menschen mehr in Rente gehen, als neu in den Arbeitsmarkt dazukommen. Und dann erst wird es richtig schmerzhaft. Und das, obwohl schon heute viele Firmen merken, dass es schwerer wird, Jobs zu besetzen, erfahrene Leute zu ersetzen, die in Rente gehen. Das wird sich erst richtig dramatisch entwickeln in einigen Jahren. Wir sehen also, das sind zwei ganz fundamentale Trends, die da laufen. Technologie verändert die Art, wie wir arbeiten, vernichtet Jobs, schafft neue Jobs. Demografie sorgt dafür, dass einfach Druck auf dem Kessel bleibt, dass der Arbeitsmarkt sich dreht, dass die Talente, die gut qualifizierten Mitarbeiter, am längeren Hebel sitzen werden und die Unternehmen sich viel, viel mehr anstrengen müssen, um gute Leute zu gewinnen. Und zu allem Überfluss kommt jetzt noch eine dritte Entwicklung dazu.

Mehr Menschlichkeit auf dem Arbeitsmarkt

Schon immer haben Menschen darunter gelitten, wenn sie in einer schlechten Stimmung gearbeitet haben. Wenn die Arbeit irgendwie unmenschlich war, wenn Führung nicht gut stattgefunden hat. Und Menschen haben unglaublich viel auf sich genommen, für und wegen der Arbeit. Den Wohnort gewechselt, Wochenendbeziehungen geführt, ihre Kinder nicht aufwachsen sehen, ganz oft runtergeschluckt, wenn sie eigentlich persönlich unzufrieden mit dem Job waren. Also, es war früher ganz selbstverständlich so, dass man für den Job eine ganze Menge Kompromisse gemacht hat. Jetzt dreht sich der Schuh um. Jetzt muss ich mir nicht mehr so viele Dinge gefallen lassen und gleichzeitig entstehen durch neue technologische Möglichkeiten, durch neue organisatorische Möglichkeiten, viel mehr Freiheitsgrade in der Art, wie wir arbeiten. Da gibt es Menschen, die flexibel arbeiten. Da gibt es ganz unterschiedliche Arbeitszeitmodelle. Es gibt Firmen, die ganz verrückte Dinge tun, die Mitarbeitern tolle Freiheiten gewähren. Und je mehr Beispiele wir sehen von Menschen, die ein freieres, menschlicheres, angenehmeres, flexibleres Arbeiten leben können, in ihrer Firma, desto größer wird die Versuchung zu sagen: Hey, warum sollte das eigentlich für mich nicht auch gehen? Je mehr die Mitarbeiter auf der stärkeren Seite des Arbeitsmarktes sitzen, desto weniger werden sie sich, zu Recht, gefallen lassen. Verdammt nochmal, wenn meine Führungskraft mich einfach nicht richtig wertschätzt und sich nicht richtig kümmert und wenn in der Firma für mich einfach nichts vorangeht, dann fange ich jetzt an, woanders zu suchen. Und alle finden heute in ihren Social Media Feeds permanent neue Jobangebote. Alle lesen Zeitung, sehen in den Medien, dass die Talente am längeren Hebel sitzen. Also wird die Fluktuation sich deutlich erhöhen. Immer weniger Menschen werden sich Dinge gefallen lassen, werden bereit sein, faule Kompromisse zu machen. Und das führt eben auch dazu, dass die Ansprüche, die Menschen an ihren Job und an ihre Arbeitgeber haben, steigen. Und das ist im Grunde genommen auch gar nichts Schlechtes, weil das sind Wünsche, die auch früher schon richtig und berechtigt waren, die man sich aber eben nicht getraut hat zu formulieren. Und das schmilzt aber immer mehr ab. Es wird immer mehr dazu führen, dass mehr Menschen einfach mit höheren Ansprüchen an ihr Arbeitsleben herangehen und weniger faule Kompromisse machen. Und wenn wir diese Gesamtentwicklung sehen, dann wird der Arbeitsmarkt der Zukunft ganz anders aussehen, als die meisten von uns das in den letzten Jahren und Jahrzehnten erlebt haben und daran gewöhnt sind.

Und jetzt behaupte ich: Der Fachkräftemangel ist ein Glücksfall?

Jetzt könnte man natürlich sagen: Okay, na klar, das ist ein Glücksfall für gute Mitarbeiter, die können sich ihre Jobs aussuchen. Klar. Und es ist natürlich, wenn man so will, auch ein Glücksfall für junge Leute, für Einsteiger, die eine richtige Qualifikation haben, die etwas können, was am Markt in Zukunft gebraucht wird. Auch die können sich im Grunde ihren Job absolut aussuchen. Auch richtig. Aber das wäre ja zu einfach. Ich gehe da tatsächlich viel, viel weiter, weil ich felsenfest davon überzeugt bin, dass auch für Unternehmen diese Entwicklung ein Glücksfall und eine Chance ist. Jetzt muss man fairerweise dazusagen: Nicht für alle. Nur für die Guten. Denn klar ist: Eine Firma, die nicht attraktiv ist, die mit schlechter oder nicht vorhandener Führung, die Leute, die da sind, verprellt, die im Grunde auf hohem Ross sitzt und glaubt, die Dinge müssten so gehen wie früher, und sich darüber beschwert, dass die Schule und der Staat und die Leute überhaupt heute nicht mehr so funktionieren wie früher, die werden alle ein riesiges Problem haben. Möglicherweise werden sie scheitern. Viele Firmen werden auch verschwinden und für manche Branchen und manche Firmen wird der Fachkräftemangel eher ein Todesurteil sein als ein Glücksfall. Aber kommen wir zu den Guten.

Fachkräftemangel ist eine Bedrohung für das Wachstum der Firmen

Vielleicht ist diese Entwicklung des Fachkräftemangels natürlich ein Leidensdruck. In Umfragen zeigt sich, dass Geschäftsführer, Inhaber von Firmen, in den letzten Jahren immer stärker in ihrem Bewusstsein dafür sensibilisiert sind, dass der Fachkräftemangel die größte Bedrohung für das Wachstum der Firmen ist. Und es hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert, wird vermutlich durch Corona ein bisschen in den Hintergrund treten und dann wieder nach vorne kommen. Jetzt ist es ein Leidensdruck, der aber zu etwas zwingt, was für viele Dinge gut ist und für viele Menschen gut ist. Führt der Fachkräftemangel dazu, dass Unternehmen sich richtig massiv Gedanken machen, wie sie großartige Arbeitgeber werden können? Was sie auf dem Arbeitsmarkt zu bieten haben? Wie sie sich dort positionieren, wofür sie stehen, was sie zu bieten haben? Dann bietet das eine riesige Chance. Denn das Thema Fachkräftemangel und Arbeitsmarkt ist ein stark in den Medien vorhandenes Thema. Das hat man vor Corona gesehen, das ist immer mehr geworden, dass Medien über Entwicklungen berichten, über tolle Beispiele berichten, von Unternehmen, die außergewöhnliche Dinge tun, aber auch über Auswüchse und Probleme berichten. Und wozu führt das? Jede Firma, die was Tolles tut mit einem Thema, was für die Öffentlichkeit relevant ist, hat die Chance auf Medien, auf Presse, auf Öffentlichkeitsarbeit. Und wenn bekannt wird, was eine tolle Firma tut, wird sie auch zusätzliche Mitarbeiter gewinnen. Die Entwicklung, die wir gerade besprochen haben, greift hier auch. Wenn Menschen sich weniger gefallen lassen, dann führt es auch dazu, dass sie schlechte Firmen eher verlassen und für gute Firmen neu auf dem Markt verfügbar sind. Also wo die einen leiden, profitieren die anderen. Ich beschreibe das immer gerne in einem Bild, in einer kleinen Geschichte von zwei Jungs, die gemeinsam auf eine Reise mit Rucksack in der Steppe Namibias unterwegs sind und da so gemütlich entlang wandern, beide mit Rucksack, auf dem Rücken, in Sandalen und wandern so vor sich hin und merken auf einmal: ‚Hey, dahinten, da kommen Löwen.‘ Und der eine sagt sofort zu seinem Kumpel: ‚Hey, komm schnell. Da sind Löwen, wir müssen loslaufen.‘ Und der andere bleibt ganz ruhig, nimmt seinen Rucksack runter, nimmt die Sportschuhe aus dem Rucksack, wechselt die Sandalen gegen die Sportschuhe, packt die Sandalen wieder ein. Und der andere ist völlig konsterniert und sagt: ‚Hey, was machst du denn? Glaubst du denn, mit den Sportschuhen bist du schneller als der Löwe?‘ ‚Nee.‘ sagt er. ‚Ich muss nicht schneller sein als der Löwe. Ich muss nur schneller sein als du.‘ Das ist hart, aber so ein bisschen trifft es die Situation im Arbeitsmarkt. Da ist natürlich ein Wettbewerb um die Talente, die da sind. Die besten Firmen werden nie Fachkräftemangel haben, die schlechtesten Firmen werden möglicherweise verschwinden. Und dazwischen gibt es alle Schattierungen. Also gute Firmen werden vom Fachkräftemangel profitieren.

Warum gute Firmen vom Fachkräftemangel profitieren

Erstens, weil das Thema dazu führt, dass sich gute Dinge herumsprechen. Zweitens, weil der Leidensdruck dazu führt, dass man sehr viel mehr Energie, Geld, Aufmerksamkeit in die Themen von attraktivem Arbeitgebertum verlagert, dadurch auch wirklich besser wird, und das bringt unglaublich viel. Und das ist aber auch noch nicht alles, weil es profitieren nicht nur die Unternehmen, es profitieren auch die guten Führungskräfte. Menschen, die mit einem guten Menschenbild für Führung verantwortlich sind, wussten immer schon, dass dies Aufmerksamkeit, Energie und eine gewisse Priorität für Führungsaufgaben braucht. Wer nur in seiner Fachlichkeit versinkt und keine Zeit für Führung hat, kann den Führungsjob nicht richtig machen. Und wer führen will, muss auch Fingerspitzengefühl für Menschen haben. Und manchmal führen in Firmen einfach die falschen Leute oder die richtigen, die gut führen, können sich nicht so durchsetzen gegen die, die andere Interessen als wichtiger ansehen. Und auch das wird sich ändern, weil, je wichtiger es ist, durch richtig gute Führung zu einer hohen Identifikation von Mitarbeitern und einer hohen Produktivität zu gelangen, desto mehr wird der Stellenwert von Führung in der Firma ein höherer werden. In dem Arbeitsmarkt der Zukunft können sich Unternehmen schlechte Chefs und schlechte Führung einfach nicht mehr leisten. Dann gehen nämlich die guten Mitarbeiter von alleine. Und deswegen werden alle, die gut führen und die Führung im Unternehmen stehen, von dieser Entwicklung ebenfalls profitieren, weil Druck und Priorität für die richtigen Dinge entsteht. Und sogar die, die heute in der Führungsposition sind und eigentlich froh wären, wenn sie mit diesem Menschen-Gedöns nichts mehr an der Backe hätten, weil sie viel lieber eine fachliche, eine rein sachliche Aufgabe übernehmen würden, auch die dürfen darauf hoffen, dass sie nicht einfach abserviert werden oder gezwungen werden, die Führungsrolle weiterzumachen, sondern dass Firmen so clever sind, dafür zu sorgen, dass man wertvolle Mitarbeiter, die sich vor allem fachlich als Experten positionieren, im Unternehmen hält und ihre Führungsrolle in andere Hände gibt, zu Menschen, die Freude an Führung haben. Und auch das macht die Situation, wie sie Menschen in Firmen erleben, für alle Beteiligten besser. Zusammengefasst kann man sagen: Der Fachkräftemangel dreht den Spieß im Arbeitsmarkt um. Das ist erst mal eine wahnsinnige Bedrohung und Herausforderung. Aber es ist eine riesige Chance für alle, die die Weichen richtig stellen und die begreifen, dass da eine unausweichliche Veränderung auf uns zukommt.

Fachkräftemangel als Chance

Und wer sich dieser Veränderung nicht nur stellt, sondern proaktiv dafür sorgt, die Dinge richtig zu machen, richtig gut zu führen, ein richtig attraktiver Arbeitgeber zu sein und auch dafür zu sorgen, dass die Menschen wissen, was es für Jobs und für Leistungen bei unserem Unternehmen gibt, die werden profitieren. Und wenn die sich früh auf den Weg machen, dann werden Sie als Top-Arbeitgeber, als großartiger Arbeitgeber auch Gewinner dieser Entwicklung sein. Und genau darum geht es mir. Ich möchte, dass möglichst viele Unternehmen, Organisationen, Verwaltungen, kleine wie große, richtig großartige Arbeitgeber werden. Und dafür habe ich diesen Podcast gemacht. Dafür habe ich mein Buch geschrieben. Dafür halte ich Vorträge. Dafür begleiten wir Unternehmen auf dem Weg zum großartigen Arbeitgeber, weil ich davon überzeugt bin, das richtig verstanden am Ende des Tages die Arbeitswelt besser wird und für möglichst viele Menschen eine Qualität von Arbeiten entsteht, die für alle Beteiligten Freude macht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen die richtigen Lehren aus der Entwicklung der nächsten Jahre, viel Erfolg im Arbeitsmarkt der Zukunft. Und werden und sind Sie ein großartiger Arbeitgeber.

Ich liebe Videokonferenzen

„Ich liebe Videokonferenzen“ – Trainingslager für die Zukunft der Arbeit

Corona schafft eine echte Digitalisierungs-Challenge. Mit einem Schlag wird sichtbar, wie gut wir vorbereitet sind auf digitales Arbeiten. Das kann man beklagen, man kann es ablehnen oder man kann sich über die Tücken der Technik aufregen. All das hilft nichts – und klug ist es auch nicht.
Natürlich freuen wir uns alle auf entspannte persönliche Begegnungen ohne dauernde Vorsichtsmaßnahmen. Doch digitale Formen des Zusammenarbeitens von verschiedenen Orten aus – sie waren vor Corona schon möglich und sinnvoll. Jetzt werden sie für ganz viele Menschen erlebbar. Und in Zukunft? Ich gehe davon aus, dass sie ein normaler Bestandteil unseres Arbeitens sein werden – wie gestern das Telefon und heute die Email.

Technik trifft auf Gewohnheit

Die Technologie entwickelt sich rasend schnell weiter. Sie trifft auf uns Menschen, in vielerlei Hinsicht „Gewohnheitstiere“ – inklusive Widerstände und Unsicherheiten, wenn wir Neuland betreten.
Der Schlüssel für die Zukunft? Die Haltung von „Warum kann nicht wieder alles so wie gestern sein?“ umdrehen zu „Was kann ich heute ausprobieren für die Welt von morgen?“.
Mit einer neugierig-positiven Einstellung lassen sich die vorhandenen technischen Hürden leichter lösen, man probiert aus, macht Fehler und lernt. Ein zusätzlicher Effekt: man entdeckt Vorteile und Möglichkeiten, die man sonst gar nicht gesehen hätte. Drei solcher Vorteile am Beispiel guter Videokonferenzen:

Video schafft Nähe.

Gutes Video bringt viel mehr Nähe als Telefon – man sieht den ganzen Menschen, erkennt die Mimik, kann sich gut unterhalten. Trifft man sich virtuell, spielt die Entfernung keine Rolle. Mit Menschen, die an anderen Standorten oder Regionen arbeiten, entsteht sehr viel mehr Nähe. Man kann sich öfter treffen und intensiver zusammenarbeiten als nur bei selteneren und aufwändigeren persönlichen Treffen.

Video spart Zeit. Wie viel Zeit haben wir auf der Straße, im Zug oder irgendwie unterwegs verbracht? Ein großer Teil des Unterwegsseins fällt weg. Sie sind eben noch im intensiven Beratungsgespräch und fünf Minuten später im eigenen Garten. Welche Lebensqualität das schaffen kann. Nochmal im Bett umdrehen, statt eine Stunde täglich im Auto. Waldlauf statt Heimfahrt. Da kann man sich dran gewöhnen.

Video ist effizient. Wer sich durch Telefonkonferenzen als Sitzungsersatz quälen muss, sehnt sich natürlich zurück zu einer „richtigen Besprechung“. Nutzt man gute Ausstattung – Headset, zweiter Bildschirm, gute Kamera – und weiß, wie man Bildschirme teilen, gemeinsam an Dokumenten arbeiten und sogar die Moderation von Gruppendiskussionen virtuell machen kann, vermisst man Besprechungen mit Tisch und Beamer überhaupt nicht mehr.

Das beste aus beiden Welten

All diese Vorteile zu erschließen, braucht natürlich Zeit. Da muss Technik eingerichtet, die Anwendung gelernt und Abläufe umgewöhnt werden. Das geht. Es braucht Menschen, die positiv vorangehen, ausprobieren, ermutigen und ein Bewusstsein der positiven Möglichkeiten haben und kommunizieren. Das gute an der Gewohnheit: haben wir sie erstmal etabliert, ist die neue genauso stabil wie die alte. Wir brauchen also nur gemeinsam etwas Schwung, bis die alten Widerstände weg und die neuen Gewohnheiten etabliert sind. Dann wird es leicht und selbstverständlich.
Zusammenarbeiten können wir in Zukunft – egal wo wir sind: im Büro, zuhause oder unterwegs. Persönlich treffen werden und wollen wir uns natürlich weiterhin. Diese Treffen sollten wir nutzen, um gemeinsam wirklich wichtige Dinge zu entwickeln, mehr voneinander zu erfahren und ein starkes Gemeinschaftsgefühl aufzubauen. Dann gehen beide Welten Hand in Hand. Als neues „Normal“ in Zukunft.

In diesem Sinne: probieren Sie Neues aus, experimentieren Sie mit den technischen Möglichkeiten für Nähe und Effizienz in der Zusammenarbeit. Das wichtigste: Bleiben Sie gesund und bleiben Sie zuversichtlich.

Spitze auf der Menschenseite

Worum es geht in diesem Blog!

Wie Unternehmen unwiderstehlich für Talente werden

Als erfolgreiches Unternehmen sind Sie Spitze in Ihrer Technologie. Sie kennen Ihren Markt und behaupten sich dort. Das bleibt wichtig – aber Gefahr droht von einer ganz anderen Seite: auf der Menschenseite brauen sich neue Bedrohungen zusammen.

Der Fachkräftemangel beginnt gerade erst. Für viele erfolgreiche Firmen wird es immer schwerer, die richtigen Mitarbeiter zu finden. Je unbekannter die Firma, je ländlicher die Region, desto schwieriger. Andererseits werden die Menschen immer anspruchsvoller, was ihre persönlichen Vorstellungen vom Arbeitsleben, von Work-Life-Balance angeht. Der technologische und gesellschaftliche dramatische Wandel tut sein Übriges. In Zeiten von Digitalisierung und Virtualisierung wird sich die Art, wie wir arbeiten, grundlegender verändern, als viele sich das heute vorstellen können.

Und die Gallup-Studie fördert alljährlich zutage, dass nur jeder 7. Mitarbeiter in Deutschland sich voll mit seinem Job und seinem Unternehmen identifiziert. Hier schlummert ein riesiges Potenzial – und hier naht eine bedrohliche Gefahr.

Wenn Sie Verantwortung für Mitarbeiter, für ein ganzes Unternehmen tragen, dann sind Sie genau hier sehr gefordert, wenn Sie die Zukunft Ihres Unternehmens nicht aufs Spiel setzen wollen.

„Glücksfall Fachkräftemangel“

Die Entwicklungen am Arbeitsmarkt werden vielen Firmen den Garaus machen. Das wird nicht lustig. Aber keine Entwicklung ohne Chancen! Ich bin davon überzeugt, dass die Unternehmen, die jetzt die Weichen richtig stellen, eine unglaubliche Anziehungskraft auf talentierte und engagierte Menschen ausüben können. Das ist insbesondere eine riesen Chance für agile Mittelständler, für überschaubare Firmen und Organisationen, die mit einem guten Menschenbild und klarer „people-strategy“ geführt werden. Aus solchen Firmen werden wahre Arbeitgeberperlen, die gesund und munter wachsen können, während andere Unternehmen ins Stocken geraten. Der Fachkräftemangel tut weh, aber er kann der Auslöser sein, sich um die Dinge richtig zu kümmern, die für die nächsten Jahre erfolgsentscheidend sein werden.

Was Sie hier tun können und tun müssen, darum geht es mir in meinem Tun und davon handelt dieser Blog.

Die drei großen Herausforderungen für Ihre Existenz als Firma

es sind diese drei großen Herausforderungen, um die Sie sich kümmern müssen:

  1. Die nächste Revolution am Arbeitsmarkt. Arbeit und Führung verändern sich dramatisch. Das bietet Chancen und verzeiht wenige Fehler. Wer die Zukunft gestalten will, muss verstehen, was hier geschieht.
  2. Führung entscheidet. Die Ursache für hohe Leistung, Identifikation und dauerhaftem gesunden Engagement von Mitarbeitern liegt in der Qualität der Führung, die Menschen erleben. Die kommt nicht von ungefähr. Spitzenunternehmen stellen Spitzenführung sicher und verstehen Personalentwicklung als erfolgsentscheidende strategische Aufgabe.
  3. Ihre Strategie als Arbeitgeber ist dafür verantwortlich, ob Sie in Zukunft die richtigen Menschen finden und binden können. Wenn Sie nichts zu bieten haben und dafür auch bekannt sind, bewerben sich die richtigen Leute erst gar nicht bei Ihnen. Das Rennen ist gelaufen, ehe Sie starten.

Ich weiß, das sind alles Themen, die eine Menge Aufmerksamkeit fordern. „Wann soll ich das auch noch alles leisten?“, werden sie vielleicht fragen.

Zu diesen Themen werden wir überflutet mit Thesen, Szenarien, immer neuen Konzepten. Was stimmt wirklich? Was ist relevant?

Genau hier setzen wir an.

Der Blog – make work a better place – was wir wollen

Mit meinem Blog will ich

  • Orientierung geben im Gewirr von Schlagwörtern, Trends, Methoden und angeblichen Allheilmitteln,
  • Impulse geben für die Reflektion Ihres Unternehmens, Ihrer Führungsarbeit und Ihrer Strategie,
  • Sichtweisen von Experten auf wichtige Themen vorstellen,
  • anhand von Beispielen von Unternehmen zeigen, was man alles machen kann,
  • mit Ihnen im Dialog sein über Ihre Sicht, Ihre Erfolge und Ihre Einschätzungen zum Thema,
  • Sie immer wieder ermutigen, mit langem Atem auf Kurs zu bleiben – zum Spitzenunternehmen auf der Menschenseite.

In den nächsten Absätzen werde ich in den drei genannten Themenblöcken interessante Aspekte herausgreifen. Mein Anspruch ist es, dass die Beiträge für Sie immer nützlich und relevant sind. Wo möglich, ergänze ich konkrete Fragen für Ihren Transfer oder Hinweise auf nützliche Hilfsmittel.

Ein kleiner Vorgeschmack auf die Inhalte in den drei großen Themen:

1. Die nächste Revolution am Arbeitsmarkt

Demographen und Arbeitsmarktforscher prognostizieren, dass 2030 in Deutschland an jedem vierten Arbeitsplatz eine qualifizierte Arbeitskraft fehlen wird. Die attraktivsten Unternehmen werden die verbleibenden Mitarbeiter aufnehmen – die anderen schauen in die Röhre.

Arbeit 4.0, Digitalisierung, der Wegfall ganzer Berufe, Arbeiten in virtuellen Teams, Freelancer-Plattformen, digitale Nomaden, Co-Working, 3D-Druck, augmented reality – die Reihe der Schlagworte lässt sich beliebig fortsetzen. Es ist jedenfalls eine Menge los da draußen und die Veränderungen werden enorm sein.

Und die Menschen? Das ist der eher stille Teil der Revolution – aber mindestens genauso wichtig, wie der technologische Wandel! Die Sensibilität für den Sinn im Arbeiten steigt, ethische Anforderungen an Arbeitgeber entscheiden immer öfter, wo Menschen sich überhaupt bewerben. Wo die psychische Belastung steigt, wächst die Anforderung an ein gesundes, gutes Arbeitsumfeld, an die Work-Life-Balance. Auszeiten, Elternzeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, hochflexible Arbeitszeitmodelle. Entwicklungs- und Lernmöglichkeiten stehen längst ganz oben auf den Wunschlisten nicht nur junger Menschen.

Und ich prophezeie – Angebot und Nachfrage gelten auch hier – je mehr sich herumspricht, dass gute Fachkräfte immer mehr zum knappen Faktor werden, desto weiter werden die Ansprüche steigen und sie werden offensiv artikuliert. Wer heute glaubt, mit dem Angebot von Home-Office irgendjemanden hinter dem Ofen hervorlocken zu können, wird bitter enttäuscht werden.

2. Führung entscheidet – wie Sie mit Menschen Großes erreichen

Das größte Potenzial finden Sie nicht da draußen! Es schlummert in Ihrem Unternehmen. Laut aktueller Gallup-Studie ist es immer noch nur jeder 7. Mitarbeiter, der von sich behaupten kann, mit Freude an der richtigen Stelle zu arbeiten, sich mit seinem Unternehmen voll zu identifizieren und sich dort gut aufgehoben zu fühlen. Die anderen sechs bleiben weit unter ihren Möglichkeiten.

Die Ursache ist vor allem die Qualität der Führung. Nur wer für richtig gute Führung sorgt, kann dauerhaft motivierte und begeisterte Mitarbeiter erwarten. Das ist nicht neu – aber es reicht nicht, das zu wissen. Gute Führung muss gelebte Praxis sein. Haben Sie die richtigen Führungskräfte? Wie werden Führungspositionen besetzt? Nur nach fachlichen Kriterien oder mit klarem Blick auf die Führungsaufgaben? Können die Führungskräfte führen und tun es auch mit der nötigen Priorität? Gibt es Führungsfeedback? Sind mindestens ein Mal jährlich Mitarbeiterentwicklungsgespräche etabliert, die den Namen auch verdienen?

Gute Führung und gute Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeiter sind eine zentrale strategische Aufgabe. Gibt es eine Karriere- und Entwicklungsplanung für jeden Mitarbeiter? Bieten sie unterschiedliche Karrierewege an? Haben Sie Systeme, mit denen bei Personalwechseln das Know-how im Unternehmen bleibt? Arbeiten Sie neue Kollegen so ein, dass sie auf hohem Motivationsniveau starten und dort bleiben? Personalentwicklung wird mehr und mehr zum entscheidenden Faktor für die Zukunft und muss ganz oben verankert sein. In der Realität fristet die Personalentwicklung oft noch ein Schattendasein. Das muss sich ändern. Hier gibt es viel zu tun und viel zu gewinnen – oder zu verlieren.

3. Ihre Strategie als Arbeitgeber

Je knapper Fachkräfte sind und je stärker das spürbar wird, desto mehr rücken Maßnahmen zum Arbeitgebermarketing in den Vordergrund. Agenturen wittern neues Geschäft und reihenweise werden neue Websites und Firmenbroschüren auf den Markt geworfen. Das ist nicht falsch, aber oft der zweite Schritt vorm ersten. Das hilft nämlich alles nichts, wenn die Menschen, die schon bei Ihnen arbeiten, nicht begeistert sind. Hier müssen Sie ansetzen. Das beste Arbeitgebermarketing sind begeisterte Mitarbeiter, die im Freundes- und Bekanntenkreis aktiv werben und tolle Mitarbeiter anziehen.

Im Arbeitgebermarketing entscheidend ist, dass Sie überhaupt als tolles Unternehmen bekannt sind. Wenn der Moment des Bewerbens naht, müssen Sie schon fest verankert sein. Sie brauchen eine aktive Strategie: Wen suchen wir morgen? Wie erreichen wir die richtigen Menschen? Kennen sie uns überhaupt? Was erwarten sie von uns? Was haben wir zu bieten? Wie können wir richtig interessant werden als Arbeitgeber?

Wirksame Maßnahmen selbst sind oft gar nicht so kompliziert. Da werden Mitarbeiter gezielt informiert und eingebunden, zum Botschafter des Unternehmens gemacht. Andere organisieren spannende Events mit Absolventen oder Studierenden aus der richtigen Zielgruppe. Wirksam wird das aber alles nur, wenn Sie klare Ziele haben und eine wirkliche Botschaft, die von denen gelebt und weitergetragen wird, die schon bei Ihnen sind. Die besten Unternehmen werden nie einen echten Fachkräftemangel erleben.

Make work a better place

Was mir besonders am Herzen liegt, sind die mittelständischen Unternehmen, die überschaubaren Organisationen – egal ob als Unternehmen, als Behörde, als soziale Einrichtung. Überall da, wo Sie als Inhaber, Geschäftsführer, Führungskraft die Weichen selbst stellen können, ist Veränderung möglich und Einsatz aussichtsreich.

Firmen müssen sich verändern. Führungskräfte müssen sich entwickeln und lernen, gut zu führen. Und jeder kann selbst sehen, was er aus seiner Position heraus verändern kann.

Ich bin fest davon überzeugt, dass der Fachkräftemangel zwar eine Bedrohung für viele ist. Aber er hat auch sein Gutes. Themen rund um gute Führung rücken stärker in den Fokus, Menschen lassen sich weniger gefallen und Unternehmen werden gezwungen, sich mit den menschlichen Themen im Unternehmen zu beschäftigen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass gerade mittelständische Unternehmer und Führungskräfte hier Großes vollbringen können. Nicht von heute auf morgen – aber in wenigen Jahren kann aus einem „normalen“ Unternehmen ein Spitzen-Arbeitgeber werden. Wer das schafft, kann nachhaltig weiter wachsen, während die anderen massive Probleme bekommen.

Machen sie sich mit uns auf diesen ambitionierten Weg zu besseren Unternehmen und einer besseren Arbeitswelt. Es gibt unglaublich viel zu tun, denn da draußen arbeiten noch so unendlich viele Menschen in einem Job, den sie nicht lieben, arbeiten für und mit Führungskräften, von denen sie sich nicht gesehen und wertgeschätzt fühlen oder unter denen sie sogar leiden.

Ich freue mich auf den Dialog und den gemeinsamen Weg mit Ihnen!

Ihr Stefan Dietz

Deutschland zieht aus

Digitale Nomaden – Weckruf für die Wirtschaft?

Sie sind jung, braungebrannt und die Augen leuchten, wenn sie von ihrem Lifestyle erzählen. „Fuck 9 to 5“ – die Botschaft hört man oft. Wo andere Frust schieben und das Unvermeidliche zerknirscht akzeptieren, haben sie bewiesen, dass es auch anders geht. Und sich an die Spitze eines Trends gesetzt. Die digitalen Nomaden verdienen ihren Lebensunterhalt während sie um die Welt reisen. Und manchmal treffen sie sich – wie jetzt wieder im Oktober in Berlin (DNX-Berlin). Ich werde wieder dabei sein und die Erinnerung an die letzte Konferenz im Mai ist noch sehr präsent….

Arbeiten im Büro und auf den Urlaub warten war gestern

Sebastian war gerade zwei Monate in Australien mit dem Camper unterwegs. Conni hat die letzten Wochen auf Bali verbracht. Sabrina war zwei Monate in Südafrika und lebte vorher acht Monate in Chiang Mai in Thailand. Tim bevorzugt eher lange Aufenthalte – 2014 sechs Monate in Bangkok, sechs Monate in Berlin, 2015 Bangkok, Taipei, Saigon und Berlin.

Klingt nach „Beruf Sohn“ und Aussteigerjahr – ist es aber nicht. Die Crew auf dem Bühnenrand ist die Crème de la Crème der deutschen digitalen Nomaden. Solopreneure. Sie reisen um die Welt, verweilen an coolen Orten und arbeiten von unterwegs. Als Blogger und online-Unternehmer. Die Welt ist das Büro, die Daten in der Cloud, die nötige Hardware im Rucksack.

Die Besten verdienen fünfstellige Summen – im Monat wohlgemerkt. Nicht am Anfang, aber nach zwei bis drei Jahren disziplinierter Arbeit beweisen die Pioniere, was geht.

Ein Trend wird wahrnehmbar

2007 hat ein Amerikaner mit einem Buch für Furore gesorgt– die 4-Stunden-Woche. Die steile These: Wenn man sich auf das wirklich Wesentliche fokussiert und alle Funktionen seines Business auslagert, kann man seinen Job mit vier Stunden pro Woche erledigen. Und zwar von überall auf der Welt. Von vielen gelesen, von manchen kopfschüttelnd belächelt – haben andere, angefixt von der Idee, nicht mehr ruhig schlafen können. Und einige setzen das um, was Timothy Ferriss in seinem Buch beschrieben hat.

Mein erstes Aha-Erlebnis in diese Richtung hatte ich vor zwei Jahren im Spanienurlaub.

Die_perfekte_Arbeitsumgebung

Die perfekte Arbeitsumgebung

Vierzehn Tage Familienurlaub standen an. Meine Firma ist so organisiert und mein Team so gut, dass ich im Urlaub wirklich frei habe, keine Mails lesen und nicht im Büro anrufen muss.

Mein Laptop ist trotzdem immer mit dabei – zum Googlen, wo es die besten Restaurants gibt und um mit zu sehen, ob der 1. FC Kaiserslautern gewonnen hat.

Verblüfft stellte ich in Spanien fest, dass sich inzwischen einiges verändert hat. Das WLAN in der Ferienvilla war super schnell. Die Flatrate meines Handys hätte mir stundenlanges Telefonieren ohne Mehrkosten erlaubt. WOW. Dieses Mal wollte ich einfach nur Urlaub machen – aber was als vage Idee schon lange in meinem Kopf rumspukte, wurde auf einmal greifbar: immer mal wieder eine Woche in der Sonne sitzen, aufs Meer schauen und Geschäftsideen entwickeln, schreiben oder einfach die Planung für das nächste Jahr auf die Beine stellen.

Die Idee lässt mich nicht mehr los

Etwas später war ich für ein paar Tage in Berlin. Hier war ich früher immer nur zu konkreten Terminen und immer fasziniert vom Pulsieren der wahrscheinlich hipsten und coolsten Stadt Deutschlands. Dieses Mal hatte ich nur abends Veranstaltungen und tagsüber Zeit. Ich ging täglich den gleichen Weg und am dritten Tag war der Döner-Laden „Mein Döner“. Ich fing an, mich heimisch zu fühlen. Auf dem Heimweg fragte ich mich, wie es wohl mit mehreren Wohnsitzen wäre. Zuhause fühle ich mich pudelwohl, bin glücklich. Aber die Impulse der Großstadt und die Denkpause in der Sonne – das ist immer mal wieder für eine Woche ein super Modell. So entstand mein erster kleiner Nomadenschritt: mein „virtual second home“ – Leben an drei Standorten: Winnweiler, Berlin und in der Sonne.

Auch im Netz verfolgt mich das Thema

Wochen später tauchte im Netz ein Bericht über die „digitalen Nomaden“ und die nächste Konferenz im Mai in Berlin auf. Innerhalb weniger Sekunden war die Anmeldung abgeschickt und der Termin im Kalender. Und auch jetzt, Monate später, bin ich immer noch ziemlich angefixt. Für mich selbst, für den Motivationsschub zum Aufbau des eigenen Online-Business und über den Trend, den die Pioniere des Digitalen Nomadentums setzen.

Digitale Nomaden live on stage

Auf der DNX traf ich sie dann. Cool, unkompliziert und fast ein bisschen überrascht, dass der eigene Traum tatsächlich funktioniert. Da standen sie jetzt auf der Bühne eines alten Kinos – rote Plüschsessel, Theateratmosphäre – mitten in Berlin und berichteten über ihr Business. 500 angehende digitale Nomaden hingen an ihren Lippen und holten sich Mut, Inspiration und eine Menge Tipps.

Am Ende des Tages standen diejenigen auf der Bühne, die bei der ersten DNX Feuer gefangen hatten. Und sie können nach nur wenigen Monaten auf beeindruckende Erfolge verweisen. Das steckt an.

Betroffen gemacht hat mich der verbreitete Frust über das normale Arbeitsleben. Wer sich bei der DNX als „ich bin noch im normalen Job angestellt“ geoutet hat, fühlt sich mies. Er hat es noch nicht geschafft. Fast alle, die nach Berlin gekommen sind, haben mit ihrem derzeitigen Arbeitsplatz und ihrem jetzigen Chef innerlich abgeschlossen. Sie wissen noch nicht genau wie, aber sie suchen nach dem Weg in eine andere, selbstbestimmtere, freiere Arbeitswelt. Und viele werden diesen Weg finden.

Der Frust, die Enttäuschung, die Resignation über die Realität in den heutigen Firmen ist mit Händen zu greifen. Wer nach einem Tag Homeoffice pro Woche fragt und abfällige Kommentare hört, versucht es nicht weiter. Wer nicht dem vollen Druck ausgesetzt bleiben will, und kein Gehör für den Wunsch nach einem Teilzeitjob oder einer Auszeit findet, sucht seinen Weg nicht mehr weiter innerhalb des Unternehmens. Das Leben als digitaler Nomade verspricht ganz andere Freiheitsgrade.

Ein neuer Trend?

Ich bin begeistert und fühle mich dennoch wie ein Wanderer zwischen den Welten. Die Leute, mit denen ich sonst zusammen bin – Unternehmer im Mittelstand, Personaler in Konzernen, Berater, Führungskräfte aus allen Ebenen – die können sich das nicht vorstellen und müssen sich warm anziehen, wenn sie nicht erleben wollen, dass die High Potentials von morgen lieber in die Sonne flüchten als sich auf den tristen Arbeitsalltag in der deutschen Arbeitswirklichkeit einzulassen.

„Jetzt mal nicht so schnell“, werden Sie vielleicht sagen. Man muss nicht gleich Angst vor überfüllten Stränden in Thailand und Bali und leeren Büros in Deutschland haben. Stimmt. Aber wie so oft werden Entwicklungen oft übersehen, solange sie noch klein sind. Und hinterher will es keiner gewusst haben. Als ob der Fachkräftemangel an sich nicht schon bedrohlich genug wäre – hier übersehen viele Chefs wichtige Trends. Damit wir uns nicht falsch verstehen: ein wirkliches Leben als digitaler Nomade fordert eine Menge Disziplin, Durchhaltevermögen und Unternehmergeist – wie im analogen Unternehmerleben. Das alleine wird schon dafür sorgen, dass die Büros in Deutschland nicht völlig verwaisen. Aber unterschätzen sollte man den Trend keineswegs.

Wie groß ist das Phänomen?

Welche Fragen wirft es auf? Und welche Chancen bietet es für mutige Unternehmer, die Zeichen setzen wollen?

Die Zahl der Digitalen Nomaden, die als Solopreneure so erfolgreich sind wie die Protagonisten auf der Berliner Bühne, ist sicher noch überschaubar. Aber:

  • Längst gibt es Plattformen, die online die Dienste von Freelancern vermitteln. Weltweit. Vom Design über Lektorat, Programmierung, SEO-Strategien bis zum Zeichnungsservice für Architekten. Diese Plattformen sind nicht mehr klein. (Auf einer dieser Plattformen werden alle zwanzig Sekunden fünfzehn Jobs vergeben und 1,2 neue Jobs hochgeladen. Die Nutzer kommen aus über 150 verschiedenen Ländern. Eine weitere Plattform wartet mit neun Millionen registrierten Freelancern auf.). Im Zuge der Digitalisierung können wahrscheinlich 5-10 % aller Arbeitsverhältnisse weltweit ortsunabhängig erbracht werden. Das klingt unglaublich viel, aber wen würde es wundern, wenn in 10 Jahren Dinge normal sind, die sich heute keiner vorstellen kann?
  • Es ist wie immer im Leben. Solange es nicht geht, bleibt es eine Träumerei. Haben aber einige Leute vorgemacht, dass es funktioniert, weckt das Begehrlichkeiten. Wenn Sie glauben, alle Zeichner, Programmierer, Texter, Redakteure, Telefonisten, Sachbearbeiter, etc. müssten im Büro sitzen –heute haben Sie noch recht. Weil sie es sich bisher nicht anders vorstellen konnten.

Womit Sie rechnen sollten

  • Wenn Sie bisher schon geschluckt haben oder sich gestört fühlten, wenn Mitarbeiter nach Homeoffice oder flexibleren Zeitmodellen gefragt haben – das ist der vorsichtige Anfang viel weitreichenderer Ansprüche.
  • Die Zahl der Mitarbeiter, die längere Auszeiten nehmen wollen oder Teile ihrer Arbeit ortsunabhängig erledigen wollen, wird steigen. Und die Zahl positiver Beispiele auch.

Man muss kein Prophet sein, wenn man annimmt, dass sich dieser Lifestyle bei Mitarbeitern schneller entwickelt, als Unternehmen dazu einen Rahmen schaffen bzw. erlauben. Das wird den Trend nicht aufhalten. Manche derer, die im Unternehmen kein Gehör finden, werden sich zu ganz neuen Firmen zusammentun und von Anfang an ihre Vorstellungen als Teil des Firmenkonzeptes einbauen. Die Folge wird sein, dass sich neue Firmen erfolgreich entwickeln, die von vorneherein „remote“ aufgestellt sind. Das heißt, komplett ohne Büro und festen Arbeitsplatz agieren, von Beginn an mit Menschen starten, die ortsunabhängig arbeiten wollen und Strukturen schaffen, die auf diese Art zu arbeiten ausgelegt sind. Prüfen Sie Ihr Business – sind Sie wirklich gefeit gegen Wettbewerber, die mit digital vernetzten Mitarbeiternetzwerken rund um die Welt agieren? Hier könnte sich eine neue Revolution abzeichnen. Erste Unternehmen in den USA und auch bei uns in Deutschland sind schon so aufgestellt.

Was Sie tun können

  • Beschäftigen Sie sich mit diesen Trends neuer Arbeit. Entdecken und erproben Sie den Reiz und die Chancen. Denken Sie sich hinein in das digitale Nomadenleben.
  • Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und nutzen Sie selbst ortsunabhängiges Arbeiten. Das schafft Verständnis und eröffnet auch für Unternehmer neue Möglichkeiten.
  • Schaffen Sie Arbeitsgelegenheiten und Freiräume für einzelne oder Teams. Vereinbaren Sie mit Mitarbeitern einen Rahmen, in dem ihre Mitarbeiter Urlaubstage und Arbeitstage zu einem Trip mit Arbeit und Freizeit verbinden können.
  • Die Themen ortsunabhängiges Arbeiten, Flexibilität und Freiheit, Arbeiten aus der Sonne, surf&work-Camps etc. sind hip und werden es vermutlich noch mehr werden. Wenn Sie als Arbeitgeber hier konkrete, innovative Projekte umsetzen und die Nase aus der Masse herausstrecken, dürfen Sie mit guter Presse und top Resonanz bei potenziellen Mitarbeitern rechnen.
  • Eine gute Möglichkeit, sich mit neuen Arbeitsstrukturen zu beschäftigen, ist es, selbst Freelancer über entsprechende Portale einzusetzen und das eigene Team dadurch zu ergänzen und zu entlasten.
  • Sich mit den rasend schnell entwickelnden Online-Business-Modellen zu beschäftigen, ist schon aus Gründen der Existenzsicherung als Unternehmer essentiell. Wenn Sie es aus dem Blick des digitalen Nomadentums tun – auch in Ordnung. Prozesse des ortsunabhängigen Arbeitens sind ja auch praktisch, wenn man gerne zu Hause auf der Terrasse oder im Kreise seiner Familie ist.

Ressourcen und Links zur Vertiefung

Webseiten

Wirelesslife.de – Hier finden Sie alle Informationen rund um das selbstbestimmte Leben und ortsunabhängige Arbeiten. Sebastian Kühn führt dieses Leben selbst und lebt in Shanghai, wenn er nicht gerade um die Welt reist.

Travelworklive.de – Wie der Name schon sagt, ist dieser Blog in drei Bereiche aufgeteilt, die zusammen ein Leben als Digitaler Nomade ergeben. Sebastian Canaves berichtet nicht nur darüber, wie er sein Business und sein Leben gestaltet, er liefert auch Angaben und konkrete Zahlen zu seinen Einnahmen.

Digitalenomaden.net – Hier liefern die Gründer der DNX, Felicia Hargarten und Marcus Meurer, die wichtigsten Antworten für den Start als Digitaler Nomade. Vom Arbeiten unterwegs über Online Marketing bis hin zur Unternehmensgründung bleiben keine Fragen offen.

Earthcity.de – Auch Tim möchte anderen Menschen den Einstieg in die kreative Selbstständigkeit ermöglichen. Neben den kostenlosen Inhalten auf seinem Blog und im I love Mondays Podcast hat er auch zahlreiche Bücher zum Thema ortsunabhängiges Arbeiten geschrieben.

101places.de – Patrick berichtet über sein Leben als Digitaler Nomade und gibt Tipps zu verschiedenen Destinationen, die er selbst schon bereist hat.

Planetbackpack.de – Der größte Reiseblock Deutschlands. Conni schreibt hier nicht nur über das Reisen nur mit Rucksack, sondern auch über das Leben und Arbeiten als Digitale Nomadin mit Interessen wie Yoga und Meditation.

Selbstaendig-im-netz.de – Eine sehr gute Ressource um sich über alles zu informieren, was mit der digitalen Selbstständigkeit zu tun hat.

Bücher

Die Kunst anders zu leben von Chris Guillebeau – Dieses Buch hat schon so manchen auf neue Ideen gebracht. Wer nicht weiß, ob er sich wirklich selbstständig machen möchte oder nicht, dem werden hier alle Zweifel genommen.

Die vier-Stunden-Woche von Timothy Ferriss – Der Klassiker unter den Digitalen Nomaden. Für viele begann mit diesen Buch das Umdenken und der Start in ein neues, selbstbestimmtes Leben.

Smart Business Concepts von E.C. Gromberg – In diesem Werk gibt es Fachwissen ohne Ende. Wer in Deutschland erfolgreich ein Solopreneur-Business aufziehen möchte, ist mit diesem Buch bestens beraten.

Kopf schlägt Kapital von Günter Faltin – Dieses Buch erklärt, wie man auf unkonventionelle Art und Weise ein erfolgreiches Unternehmen gründen kann. Es geht hierbei um die Umsetzung eigener Ideen auf kreativer Ebene. Untermauert werden Faltins Aussagen von zahlreichen Beispielen.

Film

Digitale Nomaden- Deutschland zieht aus – Der erste deutschsprachige Film zum Thema Digitale Nomaden von und mit Thorsten Kolsch. In Interviews mit Digitalen Nomaden aus Deutschland wird verdeutlicht, was es bedeutet als Digitaler Nomade zu leben und zu arbeiten.

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